|
Willkommen auf unserer homepage |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Interdisziplinäre, klinische Gruppe Eisenstoffwechsel" Eisenstoffwechselambulanz, UKE- Haus N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389; Fax 040-7410-54797; |
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Eisenmangelanämie
als Symptom Jeder
signifikante Eisenmangel außerhalb einer ausgesprochenen Risikogruppe
muss abgeklärt werden, um die Ursache des „Symptoms“ Eisenmangel
festzustellen (Abb. 1).
Leichte
chronische Sicker-Blutverluste (bis zu ca. 4-6 ml/Tag) können theoretisch
aus dem Nahrungseisen kompensiert.
Dabei spielt die hochregulierte Eisenabsorption im Eisenmangel eine
große Rolle. Ein chronischer Blutverlust oberhalb dieser Grenze führt
aber ohne eine adäquate Eisentherapie zwangsweise zu einer Eisenmangelanämie.
Eine schwere Eisenmangelanämie ist deswegen immer verdächtig auf das
Bestehen eines Blutverlustes und muss unbedingt Anlass einer gründlichen
Untersuchung sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um einen
Patienten handelt, der nicht zu einer der erwähnten Risikogruppen für
Eisenmangel gehört. Eine
gastrointestinale Blutung kann in unterschiedliche Formen eingeteilt
werden z.B. nach der Blutungsrate, die zu unterschiedlichen Leitsymptomen
führen:
Die
Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) ist die einfache und bewährte Technik
zur Diagnostik von möglichen Blutungsquellen im oberen
Gastrointestinaltrakt bis zum Treitzschen Band. Die totale Coloskopie ist
die Methode der Wahl zur Abklärung von Blutungen im unteren
Intestinaltrakt, ca. bei 70 % der Fälle wird ein entsprechender
morphologischer Befund festgestellt (43). Ein Problem sind Blutungsquellen
im Hauptteil des Dünndarms, der endoskopisch von außen nicht direkt zugänglich
ist. Eine nichtinvasive Methode ist hier die Videokapselendoskopie, bei
der mit Hilfe einer schluckbaren Kamerasonde mögliche
Blutungsquellen im oberen GI-Trakt fotografiert werden können (44).
Alternativ kann in Fällen, bei denen mittels der Routinemethoden nichts
gefunden wird, aber klinisch
sicher der Verdacht auf eine Blutungsquelle besteht, eine intraoperative
Endoskopie des Dünndarms durchgeführt werden. Dies ist naturgemäß
relativ invasiv (Bauchoperation), findet aber sehr zuverlässig (83-100 %)
Blutungsquellen im Dünndarmbereich (45).
Wenn
die Blutungsquelle nach den Routineendoskopieuntersuchungen (ÖGD, totale
Coloskopie) nicht gefunden werden kann, sprechen wir von einem okkulten
Blutverlust. Ca. 10-20 % aller Fälle bleiben auf diese Weise meist
diagnostisch unklar. Bei der Hälfte der Fälle verschwindet die Blutung
von allein, bei einem Teil der Patienten persistieren diese meist
geringgradigen (Sicker)blutverluste (46). Im folgenden wird eine Technik
beschrieben, die sich bei Patienten mit okkulten Blutverlusten seit vielen
Jahrzehnten bewährt hat.
Quantifizierung
von okkulten gastrointestinalen Blutverlusten mit dem Hamburger Ganzkörperzähler Im
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wird seit mehreren Jahrzehnten ein
empfindlicher Ganzkörperradioaktivitätsdetektor für den Einsatz am
Menschen betrieben (48). Bei einer Untersuchungsmethode zur genauen
Blutverlustquantifizierung wird dem Patienten eine kleine Menge (59Fe)Eisenaskorbat
(0.56 mg Fe) oral verabfolgt (Abb. 4.12)
Abb.
2.
10
µMol 59Fe-Absorptionstest zur Beurteilung der Absorption, zur
erythropoetischen Eisenutilisation und zum Verlust von Eisen aus Blut bei
Patienten mit Eisenmangelanämie Bei
hochregulierter Eisenabsorption im chronischen Eisenmangel werden
typischerweise mehr als 90 % dieser Dosis im Dünndarm absorbiert und fast
vollständig in das Hämoglobin neu gebildeter Erythrozyten eingebaut. Störungen
der Eisenaufnahme im Sinne einer Malabsorption deuten unspezifisch auf
Infektionen, Entzündungen, Tumorerkrankungen oder auch auf eine
Zottenatrophie (Sprue) hin. Nach etwas 10 Tagen ist bei
Eisenmangelpatienten die Einbauphase abgeschlossen und ab diesem Zeitpunkt
gibt die intervallmäßige Messung der 59Fe-Ganzkörperretention
eine quantitative Aussage über evtl. bestehende Blutverluste
(Empfindlichkeit 2-3 ml/Tag) (Abb. 3).
Abb.
3.
Der
10 µMol 59Fe-Absorptionstest zeigt die Hochregulation der
intestinalen Eisenabsorption bei Personen mit Eisenmangel mit und ohne Anämie.
Blutet
der Patient wirklich? immer noch? ungleichmäßig, vielleicht nur als
geringgradige Sickerblutung? bei Frauen: gastrointestinaler oder doch
menstrueller Blutverlust? Die
Quantifizierung von Blutverlusten am Menschen durch 59Fe-Markierung
und intervallmäßige Messung der 59Fe-Ganzkörperretention
liefert ein empfindliches und quantitatives Ergebnis auf menstruelle oder
gastrointestinale Blutverluste. Andere nichtinvasive Methoden
(Blut-Pool-Szintigraphie, Angiographie) sind wesentlich unempfindlicher
und zeigen sicher positive Ergebnisse erst bei erheblichen Blutverlusten
(ca. 100 ml Blutverlust/Tag). Negative Hämoccultteste schließen eine
gastrointestinale (Sicker)Blutung speziell aus höheren Darmabschnitten
nicht aus. Ein Nachteil der Methode ist, dass keine Information über die
genaue Lage der Blutungsquelle erhalten wird. Allerdings kann aus dem
Blutungsmuster (Umfang, Verlauf) empirisch auf bestimmte Blutungsquellen
geschlossen werden. In vielen Fällen mit nachgewiesener
gastrointestinaler Blutung wird dann in einer zweiten Untersuchungsrunde
endoskopisch doch eine Blutungsquelle gefunden, bzw. die Indikation für
eine intraoperative Endoskopie des Dünndarms leichter gestellt. Ein
typisches Anwendungsbeispiel dieser Methode
bei einem jungen Mann mit rezidivierender gastrointestinaler
Blutung zeigt Abb. 4.
Abb.
4.: Verlauf der 59Fe-Ganzkörperretention bei einem 27-jährigen
männlichen Patienten mit rezidivierender Eisenmangelanämie. Anfangs
(linke Kurve) wurde bei dem Patienten eine erhöhte 59Fe-Eliminationsrate
von 0.32 % (normal < 0.08 %/Tag) gemessen, entsprechend einem
Eisenverlust von 7.5 mg/Tag, bzw. gastrointestinaler Blutverlust von 15
ml/Tag. Bei der veranlassten Videokapseluntersuchung wurde ein Meckelsches
Divertikel als Ursache festgestellt und anschließend mikroinvasiv
entfernt. Nach ca. 12 Monaten bildete sich erneut eine Anämie aus und es
wurde erneut eine stark erhöhte Ausscheidungsrate für Eisen festgestellt
(rechte Kurve, 12.9 mg/Tag). Dieser Blutverlust von 32 ml/Tag wurde durch
eine 2. Operation (Entfernung von drei Ulcera in Dünndarmbereich in Höhe
der 1. Operation) wohl endgültig beseitigt. In beiden Blutungsepisoden
wurde die Hämoglobinkonzentration (durchgezogene Linie) konstant gehalten
durch eine orale Eisentherapie (Eisenutilisation aus der 100 mg
Fe-Tagesdosis: 13. 8 mg/Tag) (49). Frühere
Untersuchungen haben gezeigt, dass der normale menstruelle Blutverlust 16-16
ml/mens beträgt und intraindividuell sehr konstant ist (51). Werte >
80 ml (51) bzw. 115 ml (52) werden als Menorrhagie oder Hypermenorrhoe
bezeichnet, die ohne Eisentherapie zu einer Eisenmangelanämie führen. Bei
Frauen im gebärfähigen Alter ist eine Menorrhagie die häufigste Ursache
für eine Eisenmangelanämie. Ca. 30 % der Frauen klagen über eine starke
Regelblutung, ca. 5 % begeben sich deswegen in ärztliche Behandlung (50).
Als
häufige Ursachen für verstärkte Regelblutung kommen in Betracht: ·
Uterusmyome ·
Hormonelle Dysregulation ·
Blutgerinnungsstörungen
o
Thrombozytendysfunktion o
von Willebrand Krankheit Neuere
Studien zeigen, dass fast 50 %
der Fälle einhergehen mit Blutgerinnungsstörungen
verschiedener Art (51). Eine Diagnostik auch in dieser Richtung ist also
dringend anzuraten. Quantifizierung
von menstruellen Blutverlusten mit dem Hamburger Ganzkörperzähler Ein
wesentliches Anwendungsgebiet für die dargestellte
Blutverlustquantifizierungstechnik mit 59Fe sind Patientinnen
mit Eisenmangelanämie, bei denen unklar ist, ob eine verstärkte
Regelblutung vorliegen könnte. Abb.
5. zeigt die Messung der 59Fe-Ganzkörpereliminationsrate bei
einer Patientin mit leichtgradiger Eisenmangelanämie, die seit ca. 7
Jahren besteht und dessen Ursache bisher unklar war.
Abb.
5.
Erhöhter
menstrueller Blutverlust (75-147 ml/mens) bei einer
Frau mit chronischer Eisenmangelanämie (Hb 10.9 g/dl) Mit
dieser Technik ist ein erhöhter menstrueller Blutverlust leicht an der
treppenförmigen 59Fe-Eliminationsrate zu erkennen. In einem
Intervall zwischen zwei Menstruationen geht kein Blut verloren. Der
nominelle Eisenverlust von umgerechnet 2.2 mg/Tag erscheint gar nicht mal
so hoch zu sein, kann aber offenbar von manchen Frauen nicht durch die
Nahrungseisenabsorption kompensiert werden. In
einer Serie von 65 Patienten mit Hypermenorrhoe wurden auch extreme Fälle
mit Blutverlusten bis zu 1000 ml/mens gefunden (Abb. 6). Kalibrierung eines anamnestischen
Mens-Test Der
Blutverlust bei einer Regelblutung ist
für eine Frau selbst nur schwer zu beurteilen, weil ihr die
Messparameter und die Vergleichsmöglichkeiten fehlen.
Abb. 6. Verteilung von menstruellen Blutverlusten bei 65
Frauen mit Hypermenorrhoe. Basierend
auf älteren Untersuchungen (54) in dieser Richtung haben wir in der
Zusammenarbeit mit der Fa. Schwarz-Pharma/UCB einen Menstruationstest
entwickelt (www.mens-test.de), mit dem Frauen Ihre Regelblutung auf
einfache Weise protokollieren können (Anzahl und Füllungsgrad von
Tampons bzw. Bindenmaterial) (Abb. 4.17). Sie erhalten durch den Test
eine Rückmeldung, ob die Ergebnisse auffällig im Sinne einer
verstärkten Regelblutung sind und ggf. eine Empfehlung, sich an den Arzt
Ihres Vertrauens zu wenden. Der Arzt kann mit den Testergebnissen Schlüsse
auf die Regelblutung ziehen und gezielte Untersuchungen einleiten.
Abb. 7: Eingabemaske zu einem anamnestischen Menstest. Frauen
geben die Anzahl der benutzen Tampons bzw. Bindenmaterial ein und erhalten
bei Überschreiten eines Score-Ergebnisses eine Rückmeldung, sich ärztlich
beraten bzw. behandeln zu lassen. In
allen Fällen lag eine typische Hypermenorrhoe vor, d.h. gastrointestinale
Blutverluste wurden durch die Untersuchung sicher ausgeschlossen. Parallel
haben die Patientinnen mit dem Menstruationstest eine Selbstauskunft über
ihren menstruellen Blutverlust erstellt. Die errechneten
Blutverlust-Score-Werte wurden den gemessenen Blutverlusten aus der Ganzkörper-Methode
gegenübergestellt. Als
Ergebnis wurde eine statistisch signifikante Korrelation zwischen
errechneten und gemessenen Werten erhalten, sodass der Menstruationstest
grundsätzlich eine Aussage über normale bzw. erhöhte menstruelle
Blutverluste ermöglicht (Abb. 8). Wenn Frauen einen hohen
„Punktescore“ mit diesem Test erhalten,
sollte gezielt eine Abklärung durch den Arzt erfolgen.
Abb. 4.18.
Kalibrierung des Mens-Testes. Unbenommen einer individuellen
Schwankung der Ergebnisse, möglicherweise bedingt durch das sehr
unterschiedliche Sanitärmaterial, ergibt sich eine statistisch eindeutige
Korrelation.
Mit
dieser Kalibrierung kann man den Eisenverlust gut abschätzen und eine
orale Eisentherapie optimal anpassen (è
Kap. 6.2.6)
Literatur 39.
E Joosten, B. Ghesquiere B, H Linthoudt, et al. Upper
and lower gastrointestinal evaluation of elderly inpatients who are iron
deficient. Am J Med 1999; 107:24-29 40.
Cook IJ, Pavli P, Riley JW, et al. Gastrointestinal investigation
of iron deficiency anaemia. BMJ 1986;292:1380–2 41.
Patterson RN, Johnston SD. Iron deficiency anaemia: are the British
Society of Gastroenterology guidelines being adhered to? Postgrad
Med J 2003; 79:226–228 42.
Manning-Dimmitt LL, Dimmitt SG, Wilson GR. Diagnosis
of Gastrointestinal Bleeding in Adults. Am Fam Physician 2005 ;71:1339-46 43.
Zuccaro G Jr. Management of the adult patient with acute lower
gastrointestinal bleeding. 44.
Swain P, Fritscher-Ravens A. Role of video endoscopy in managing
small bowel disease. Gut 2004;53:1866–75 45.
Kendrick ML, 46.
Lin
S, Rockey DC. Obscure Gastrointestinal Bleeding. Gastroenterol Clin
N Am 2005; 34: 679–698 47.
Warner GT. The
use of total-body counters for the study of iron metabolism and iron loss.
Postgrad Med J 1973, 49: 477-486 48.
Heinrich HC. Diagnostik,
Ätiologie und Therapie des Eisenmangels unter besonderer Berücksichtigung
der 59Fe-Retentionsmessung mit einem Ganzkörper-Radioaktivitätsdetektor.
Nuklearmediziner 1983; 2:137-269 49.
Nielsen P. Eisenkinetik
in „Atlas der Videokapselendoskopie“ Keuchel, Hagenmüller, Springer
Verlag 2005 50.
Oehler MK, Rees MC. Menorrhagia: an update. Acta Obstet Gynecol
Scand 2003; 82:405–22. 51.
Wyatt KW, Dimmott PW, Walker TJ, O’Brien TMS. Determination
of total menstrual blood loss. Fert Steril 2001; 76: 125-131 52.
Hallberg L, Hogdahl A, Nilsson L, Rybo G. Menstrual blood loss a
population study. Acta
Obstet Gynecol Scand 1966; 45:320–51 53.
Janssen CAH, Scholten PC, Heintz PM. Reconsidering
menorrhagia in gynecological practice. Is a 30-year-old definition still
valid? Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 1998;
78: 69–72 54.
Kadir RA, Lukes AS,
Kouides PA, Fernandez H, Goudemand J. Management
of excessive menstrual bleeding in women with hemostatic disorders. Fertil
Steril 2005;84:1352–9 55. Philipp CS, Faiz F, Dowling N, Dilley A, Michaels LA, Ayers C, Miller CH, Bachmann G, Evatt B, Saidi P. Age and the Prevalence of Bleeding Disorders in Women With Menorrhagia Obstet Gynecol 2005;105:61– 6 56.
Mansfield PK, Voda A, Allison G. Validating a pencil-and paper
measure of perimenopausal menstrual blood loss. Women’s Health Issues
2004; 14: 242-247
|
|
|
Hinweise und Kommentare bitte an Dr.
Peter Nielsen |