Eisenmangel in Entwicklungsländern Global betrachtet wird der Mangel an dem Spurenelement Eisen als Faktor 9 von 26 Risikofaktoren im „Global Burden Disease Projekt 2000“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO)  aufgelistet (1,2). Eisenmangel ist verantwortlich für 841 000 Todesfälle und   35 057 000 durch Krankheit verursachten Lebenszeitverlust in Jahren. Afrika und Teile von Asien tragen davon den Hauptteil (71%)  der globalen Mortalität, während wirtschaftlich entwickelte Kontinente wie Nordamerika nur zu 1.4% betroffen sind. Unter den Ernährungsfaktoren gehört Eisenmangel  zu den großen vier Defiziten (Proteinmangel, Jod, Vitamin-A, Eisen). Eine fleischarme, überwiegend vegetarische Ernährung ist oft aus der Not heraus oder auch traditionell zu einseitig zusammengestellt, um den Eisenbedarf zu decken. Vielfach tragen auch Hemmstoffe der Eisenabsorption entscheidend dazu bei, dass Nahrungseisen nicht genügend bioverfügbar ist. In einer prospektiven longitudinalen Studie wurden Eisenparameter von  Kindern im Alter von 6-10 Jahren (n=126) aus Marokko verfolgt, die zu Beginn keine Anzeichen von Eisenmangel aufwiesen und die mit der traditionellen Diät ernährt wurden ohne jede Supplementation mit Eisen (3). Die Diät enthielt 10.8 mg Eisen pro Tag, 60 % der Energie kam von Fladenbrot aus Weizenmehl, 20 % aus Fett, meist Olivenöl und 4 % aus Gemüse, meist Bohnen. Nach 15 Monaten unter dieser Diät  zeigten  75 % der Kinder einen Speichereisenmangel und 30 % eine leichte Eisenmangelanämie (Abb. 1). Abb. 1:  Veränderung des Eisenstatus in Richtung Eisenmangel bei Kindern aus Marokko unter der traditionellen Ernährung (3). Nach 15 Monaten zeigten 75 % eine Abnahme von Speichereisen und ca. 30 % wurden anämisch (berechnet aus Werten von löslichem Transferrinrezeptor und Ferritin nach Cook et al. (4))     Weltweit sind in den letzten Jahren bereits große Anstrengungen unternommen worden, die Situation in der dritten Welt zu verändern. Nach Meinung von UNICEF sind dabei bereits Erfolge erzielt worden, die auch zu einer leichten Abnahme von Eisenmangel bei kleinen Kindern geführt haben (Abb. 2) (5).  Abb.2  Verbesserung der Situation Eisenmangel bei Vorschulkindern in Entwicklungsländern (1900-2000) (5)  In den nächsten Jahren sollen die bereits bewährten Strategien von der WHO weiter in die Praxis umgesetzt werden:    1.Fortifizierungsprogramme.  Der Zusatz von Eisen zu Mehl ist eine praktikable, sichere, kostengünstige und bewährte Maßnahme. In Ländern, bei denen wenig oder kein Mehl gegessen wird, kommt ein Zusatz zu Nudeln, Soya- oder Fischsaucen in Betracht.  2.Supplementation in Risikogruppen. Kinder, schwangere Frauen können mit kostengünstigen Tabletten, Kapseln oder Säften versorgt werden. Das funktioniert in Studien problemlos, scheitert bisher in vielen Ländern aber auf Dauer meist an der nicht vorhandenen Versorgungsstruktur.  3.Aufklärungskampagnen. Information der Bevölkerung über die Zusammenhänge von Ernährung und Eisenmangel. Sinn und Nutzen von angereicherten Nahrungsmitteln und Eisensupplementation.  4.Medizinische Versorgung. Die Bekämpfung von Malaria, Masern, anderen Infektionskrankheiten, Durchfall verbessern auch die  Absorption von Spurenelementen und Vitaminen.      Eisenmangel in wirtschaftlich entwickelten Ländern  In wirtschaftlich entwickelten Kontinenten wie Nord-Amerika oder Europa ist Eisenmangel weniger häufig und der Ausprägungsgrad ist meist leichter. 1 bis 3% der erwachsenen Männer und der post-menopausalen Frauen zeigen eine Eisenmangelanämie (6,7). Wesentlich häufiger kommt aber ein Eisenmangel ohne Anämie vor. Schätzungen gehen aus von bis zu 30 % der Mitglieder von Risikogruppen.  Ein substantieller Eisenmangel entwickelt sich, wenn der individuelle Eisenbedarf längere Zeit nicht durch die Nahrungseisenaufnahme gedeckt werden kann.  Risikogruppen für Eisenmangel weisen einen oder eine Kombination von mehreren Faktoren auf:  Nicht-adäquate Nahrungseisenzufuhr. Vegetarier insbes. Veganer, Personen mit Essstörungen wie Anorexia oder Bulimia nervosa, Malnutrition bei niedrigen sozialem Status, „neue Armut”, bei Teenagern und Senioren, Mangel- oder Fehlernährung in Entwicklungsländern.  Eingeschränkte Eisenabsorption: atrophische Gastritis bei Älteren, Zöliakie, entzündliche Darmerkrankungen, hoher Konsum von Hemmstoffen der Eisenabsorption (Phytate, Polyphenole, Sojaprotein, Calcium).  Gesteigerter Bedarf: Kinder in Wachstumsphasen, Schwangere,  postpartum, stillende Frauen, menstruierende Frauen, Ausdauersportler, post-operative Patienten.  Erhöhter Eisenverlust: Dauerblutspender, Frauen mit Hypermenorrhoen,  pathologische Blutverluste. Abb. 3 Ursachen für Eisenmangel mit und ohne Anämie (aus P. Nielsen, “Diagnostik und Therapie von Eisenmangel mit und ohne Anämie”, Uni-Med-Verlag 2009). Meist müssen drei Faktoren zusammen kommen. Vegetarier und Hypokaloriker  In wirtschaftlich entwickelten Ländern gibt es den Trend hin zu einer vegetarischen Diät, die offenbar für viele Bürger gesundheitliche Vorteile bringt. Diese Kostform ist ballaststoffreich, reich an Folsäure, Vitamin C und E, Kalium, Magnesium, Pfanzeninhaltstoffe wie Flavonoide, bevorzugt ungesättigte Fettsäuren gegenüber gesättigten Fettsäuren. Veganer sind schlanker, haben niedrigere Werte für Serum-Cholesterin und arteriellen Blutdruck. Das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes und Krebserkrankungen wird bei Vegetariern langfristig als signifikant geringer eingeschätzt  als bei Personen mit fleischbasierter Ernährung (8).  Klar ist aber auch, dass eine pflanzen-basierte Kost die Absorption von Eisen, Zink und Vitamin-B12 deutlich beeinträchtigt. Vegetarier und Veganer haben niedrigere Eisenspeicher und ein höheres Risiko für Eisenmangel mit und ohne Anämie (9). Das gilt auch für wirtschaftlich entwickelte Länder und damit auch für Deutschland (10, 11). Studien zeigen, dass bereits männliche australische Vegetarier im Mittel mehr Nahrungseisen einnehmen aber niedrigere Eisenspeicher aufweisen und signifikant häufiger Eisenmangel zeigen  als omnivore Männer (12). Die vegetarische Ernährung ist bei Kindern und menstruierenden Frauen ein eindeutiger Risikofaktor für Eisenmangel.  In der deutschen Vegetarierstudie nahmen  42% der veganischen Frauen < 50 Jahre weniger als 18 mg/Tag Eisen mit der Nahrung auf, was als notwendiger Wert vom US Food and Nutrition Board definiert wird.  40% dieser Frauen zeigten keinerlei Eisenspeicher (Serum-Ferritin <12 ng/ml) und standen somit kurz vor der Eisenmangelanämie (11). Risikogruppen für Eisenmangel sollten deshalb ihren individuellen Eisenstatus regelmäßig untersuchen lassen und bei veganischer Ernährung dann zu einer Eisensubstitution greifen, um die Entwicklung eines Eisenmangels zu verhindern.    Kinder und Jugendliche  In den ersten 4-6 Monaten nach der Geburt ist der Bedarf von Eisen aus der Nahrung vernachlässigbar gering. Dies erklärt sich aus der Tatsache, dass der bei der Geburt relativ hohe Hämoglobingehalt abgebaut wird und das resultierende Eisen genutzt werden kann. Bis zum Alter von zwei Jahren erfolgt dann ein erster Wachstumsschub, der einen hohen Eisenbedarf von bis zu 100 µg/kg/Tag darstellt (Abb. 4). Danach sinkt der Eisen-Bedarf wieder ab, um dann in der Hauptwachstumsphase in der Pubertät erneut stark anzusteigen (13). Bei Mädchen setzt das Wachstum früher ein, zusätzlich kommt auch noch die Menstruation hinzu. Für 14-jährige Mädchen ist der Eisenbedarf ca. 30 % höher als für ihre Mütter. Jungen bilden ein höheres Blutvolumen aus als Mädchen, auch die Muskelmasse ist wesentlich höher. In dieser Zeit ist deshalb auch der Eisenbedarf für männliche Jugendliche höher als für menstruierende Frauen. Abb. 4:    Eisenbedarf und Nahrungseisenzufuhr bei Kindern und Jugendlichen. Modifiziert nach Bothwell et al. (14).   Versuche zur genauen Bestimmung der Speichereisenmenge durch quantitative Phlebotomien gibt es nur von freiwilligen Erwachsenen. Der Eisenstatus bei Kindern und Jugendlichen ist dagegen nur durch Serum-Ferritin-Werte untersucht. Eine häufig benutze Relation 1 µg/l Serum-Ferritin = 8 mg Speicher-Fe gibt ungefähr eine Abschätzung über Speicher-Eisen bei Kindern (15). Der Verlauf der Ferritinkonzentration im Blutplasma ist für Jungen und Mädchen bis zum 13./14. Lebensjahr in etwa gleich, danach liegt das Ferritin bei männlichen Jugendlichen und Erwachsenen stets höher (Abb. 5).
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Risikogruppen für Eisenmangel    Viele Menschen leiden weltweit an Eisenmangel mit oder ohne Anämie. Global gesehen ist die häufigste Ursache eine dem normalen Eisenbedarf nicht entsprechende Ernährung mit ausreichend bioverfügbarem Eisen. Diese Mangelernährung  betrifft vorwiegend Kinder und Frauen in Entwicklungsländern. In wirtschaftlich entwickelten Ländern ist die Ernährungs- situation deutlich besser und hier finden wir einen leichten Eisenmangel vorwiegend in Risikogruppen mit individuell erhöhtem Eisenbedarf. Ein schwerer Eisenmangel kann hier im Einzelfall auch Symptom von pathologischen  Blutverlusten sein, was medizinisch bedeutsam ist. .                                                                                       

Eisentherapie

alterthümliche Form der Eisentherapie. Fruchtsäure löst kleine Mengen Eisen auf.
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