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Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

 "Interdisziplinäre, klinische Gruppe  Eisenstoffwechsel"  Eisenstoffwechselambulanz,  UKE- Haus  N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389Fax 040-7410-54797;                                 

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Risikogruppen für Eisenmangel

Viele Menschen leiden weltweit an Eisenmangel mit oder ohne Anämie. Global gesehen ist die häufigste Ursache eine dem normalen Eisenbedarf nicht entsprechende Ernährung mit ausreichend bioverfügbarem Eisen. Diese Mangelernährung  betrifft vorwiegend Kinder und Frauen in Entwicklungsländern. In wirtschaftlich entwickelten Ländern ist die Ernährungs-situation deutlich besser und hier finden wir einen leichten Eisenmangel vorwiegend in Risikogruppen mit individuell erhöhtem Eisenbedarf. Ein schwerer Eisenmangel kann hier im Einzelfall auch Symptom von pathologischen  Blutverlusten sein, was medizinisch bedeutsam ist.

Eisenmangel in Entwicklungsländern

Global betrachtet wird der Mangel an dem Spurenelement Eisen als Faktor 9 von 26 Risikofaktoren im „Global Burden Disease Projekt 2000“ der Weltgesundheits-organisation (WHO)  aufgelistet (1,2). Eisenmangel ist verantwortlich für 841 000 Todesfälle und   35 057 000 durch Krankheit verursachten Lebenszeitverlust in Jahren. Afrika und Teile von Asien tragen davon den Hauptteil (71%)  der globalen Mortalität, während wirtschaftlich entwickelte Kontinente wie Nordamerika nur zu 1.4% betroffen sind. Unter den Ernährungsfaktoren gehört Eisenmangel  zu den großen vier Defiziten (Proteinmangel, Jod, Vitamin-A, Eisen).

Eine fleischarme, überwiegend vegetarische Ernährung ist oft aus der Not heraus oder auch traditionell zu einseitig zusammengestellt, um den Eisenbedarf zu decken. Vielfach tragen auch Hemmstoffe der Eisenabsorption entscheidend dazu bei, dass Nahrungseisen nicht genügend bioverfügbar ist.

In einer prospektiven longitudinalen Studie wurden Eisenparameter von  Kindern im Alter von 6-10 Jahren (n=126) aus Marokko verfolgt, die zu Beginn keine Anzeichen von Eisenmangel aufwiesen und die mit der traditionellen Diät ernährt wurden ohne jede Supplementation mit Eisen (3). Die Diät enthielt 10.8 mg Eisen pro Tag, 60 % der Energie kam von Fladenbrot aus Weizenmehl, 20 % aus Fett, meist Olivenöl und 4 % aus Gemüse, meist Bohnen. Nach 15 Monaten unter dieser Diät  zeigten  75 % der Kinder einen Speichereisenmangel und 30 % eine leichte Eisenmangelanämie (Abb. 1).

     

 

 

Abb. 1:  Veränderung des Eisenstatus in Richtung Eisenmangel bei Kindern aus Marokko unter der traditionellen Ernährung (3). Nach 15 Monaten zeigten 75 % eine Abnahme von Speichereisen und ca. 30 % wurden anämisch (berechnet aus Werten von löslichem Transferrinrezeptor und Ferritin nach Cook et al. (4))

 

Weltweit sind in den letzten Jahren bereits große Anstrengungen unternommen worden, die Situation in der dritten Welt zu verändern. Nach Meinung von UNICEF sind dabei bereits Erfolge erzielt worden, die auch zu einer leichten Abnahme von Eisenmangel bei kleinen Kindern geführt haben (Abb. 2) (5). 

 

 

 

Abb.2  Verbesserung der Situation Eisenmangel bei Vorschulkindern in Entwicklungsländern (1900-2000) (Lit  5)

In den nächsten Jahren sollen die bereits bewährten Strategien weiter in die Praxis umgesetzt werden:

 

  1. Fortifizierungsprogramme.  Der Zusatz von Eisen zu Mehl ist eine praktikable, sichere, kostengünstige und bewährte Maßnahme. In Ländern, bei denen wenig oder kein Mehl gegessen wird, kommt ein Zusatz zu Nudeln, Soya- oder Fischsaucen in Betracht.

  2. Supplementation in Risikogruppen. Kinder, schwangere Frauen können mit kostengünstigen Tabletten, Kapseln oder Säften versorgt werden. Das funktioniert in Studien problemlos, scheitert bisher in vielen Ländern aber auf Dauer meist an der nicht vorhandenen Versorgungsstruktur.

  3. Aufklärungskampagnen. Information der Bevölkerung über die Zusammenhänge von Ernährung und Eisenmangel. Sinn und Nutzen von angereicherten Nahrungsmitteln und Eisensupplementation.

  4. Medizinische Versorgung. Die Bekämpfung von Malaria, Masern, anderen Infektionskrankheiten, Durchfall verbessern auch die  Absorption von Spurenelementen und Vitaminen.

   

 Eisenmangel in wirtschaftlich entwickelten Ländern

In wirtschaftlich entwickelten Kontinenten wie Nord-Amerika oder Europa ist Eisenmangel weniger häufig und der Ausprägungsgrad ist meist leichter. 1 bis 3% der erwachsenen Männer und der post-menopausalen Frauen zeigen eine Eisenmangelanämie (6,7). Wesentlich häufiger kommt aber ein Eisenmangel ohne Anämie vor. Schätzungen gehen aus von bis zu 30 % der Mitglieder von Risikogruppen.  Ein substantieller Eisenmangel entwickelt sich, wenn der individuelle Eisenbedarf längere Zeit nicht durch die Nahrungseisenaufnahme gedeckt werden kann.  Risikogruppen für Eisenmangel weisen einen oder eine Kombination von mehreren Faktoren auf:

  • Nicht-adäquate Nahrungseisenzufuhr. Vegetarier insbes. Veganer, Personen mit Essstörungen wie Anorexia oder Bulimia nervosa, Malnutrition bei niedrigen sozialem Status, „neue Armut”, bei Teenagern und Senioren, Mangel- oder Fehlernährung in Entwicklungsländern.

  • Eingeschränkte Eisenabsorption: atrophische Gastritis bei Älteren, Zöliakie, entzündliche Darmerkrankungen, hoher Konsum von Hemmstoffen der Eisenabsorption (Phytate, Polyphenole, Sojaprotein, Calcium).

  • Gesteigerter Bedarf: Kinder in Wachstumsphasen, Schwangere,  postpartum, stillende Frauen, menstruierende Frauen, Ausdauersportler, post-operative Patienten.

  • Erhöhter Eisenverlust: Dauerblutspender, Frauen mit Hypermenorrhoen,  pathologische Blutverluste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Abb. 3 Ursachen für Eisenmangel mit und ohne Anämie

Vegetarier und Hypokaloriker

In wirtschaftlich entwickelten Ländern gibt es den Trend hin zu einer vegetarischen Diät, die offenbar für viele Bürger gesundheitliche Vorteile bringt. Diese Kostform ist ballaststoffreich, reich an Folsäure, Vitamin C und E, Kalium, Magnesium, Pfanzeninhaltstoffe wie Flavonoide, bevorzugt ungesättigte Fettsäuren gegenüber gesättigten Fettsäuren. Veganer sind schlanker, haben niedrigere Werte für Serum-Cholesterin und arteriellen Blutdruck. Das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes und Krebserkrankungen wird bei Vegetariern langfristig als signifikant geringer eingeschätzt  als bei Personen mit fleischbasierter Ernährung (8).

Klar ist aber auch, dass eine pflanzen-basierte Kost die Absorption von Eisen, Zink und Vitamin-B12 deutlich beeinträchtigt. Vegetarier und Veganer haben niedrigere Eisenspeicher und ein höheres Risiko für Eisenmangel mit und ohne Anämie (9). Das gilt auch für wirtschaftlich entwickelte Länder und damit auch für Deutschland (10, 11). Studien zeigen, dass bereits männliche australische Vegetarier im Mittel mehr Nahrungseisen einnehmen aber niedrigere Eisenspeicher aufweisen und signifikant häufiger Eisenmangel zeigen  als omnivore Männer (12). Die vegetarische Ernährung ist bei Kindern und menstruierenden Frauen ein eindeutiger Risikofaktor für Eisenmangel.  In der deutschen Vegetarierstudie nahmen  42% der veganischen Frauen < 50 Jahre weniger als 18 mg/Tag Eisen mit der Nahrung auf, was als notwendiger Wert vom US Food and Nutrition Board definiert wird.  40% dieser Frauen zeigten keinerlei Eisenspeicher (Serum-Ferritin <12 ng/ml) und standen somit kurz vor der Eisenmangelanämie (11). Risikogruppen für Eisenmangel sollten deshalb ihren individuellen Eisenstatus regelmäßig untersuchen lassen und bei veganischer Ernährung dann zu einer Eisensubstitution greifen, um die Entwicklung eines Eisenmangels zu verhindern. 

Kinder und Jugendliche

In den ersten 4-6 Monaten nach der Geburt ist der Bedarf von Eisen aus der Nahrung vernachlässigbar gering. Dies erklärt sich aus der Tatsache, dass der bei der Geburt relativ hohe Hämoglobingehalt abgebaut wird und das resultierende Eisen genutzt werden kann. Bis zum Alter von zwei Jahren erfolgt dann ein erster Wachstumsschub, der einen hohen Eisenbedarf von bis zu 100 μg/kg/Tag darstellt (Abb. 4). Danach sinkt der Eisen-Bedarf wieder ab, um dann in der Hauptwachstumsphase in der Pubertät erneut stark anzusteigen (13). Bei Mädchen setzt das Wachstum früher ein, zusätzlich kommt auch noch die Menstruation hinzu. Für 14-jährige Mädchen ist der Eisenbedarf ca. 30 % höher als für ihre Mütter. Jungen bilden ein höheres Blutvolumen aus als Mädchen, auch die Muskelmasse ist wesentlich höher. In dieser Zeit ist deshalb auch der Eisenbedarf für männliche Jugendliche höher als für menstruierende Frauen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Abb. 4.4.:        Eisenbedarf und Nahrungseisenzufuhr bei Kindern und Jugendlichen. Modifiziert nach Bothwell et al. (14).

 Versuche zur genauen Bestimmung der Speichereisenmenge durch quantitative Phlebotomien gibt es nur von freiwilligen Erwachsenen. Der Eisenstatus bei Kindern und Jugendlichen ist dagegen nur durch Serum-Ferritin-Werte untersucht. Eine häufig benutze Relation 1 μg/l Serum-Ferritin = 8 mg Speicher-Fe gibt ungefähr eine Abschätzung über Speicher-Eisen bei Kindern (15). Der Verlauf der Ferritinkonzentration im Blutplasma ist für Jungen und Mädchen bis zum 13./14. Lebensjahr in etwa gleich, danach liegt das Ferritin bei männlichen Jugendlichen und Erwachsenen stets höher (Abb. 5).

 

Abb. 5.         Verlauf der Serum-Ferritin-Konzentration in Abhängigkeit vom Lebensalter. Modifiziert nach Dallmann et al. (16).

 Die Häufigkeit von Eisenmangel bei Kindern in Entwicklungsländern ist erschreckend hoch. Nach WHO-Angaben sind aktuell 48 % aller Kinder unter 2 Jahren betroffen und 53 % aller Kinder im Schulalter. In wirtschaftlich entwickelten Ländern ist die Prävalenz von Eisenmangel bei Kindern  sehr viel geringer. In den USA wurden im  National Health and Nutrtion Examination Survey III (NHANESIII, 1988-1994) Daten von 5398 Kindern im Alter von 6-16 Jahren erhoben. Danach weisen insgesamt 3 % Anzeichen eines Eisenmangel mit und ohne Anämie auf. Am häufigsten war ein Eisenmangel in der Gruppe der weiblichen Teenager (8.7 %) und bei Kleinkindern (9 %) (17, 18).

Ernährungsbedingter Eisenmangel. Ein generelles Problem ist der sehr große Eisenbedarf im starken Körperwachstum. Die Probleme beginnen bereits im Säuglingsalter, wo die notwendige Eisenmasse (250 mg/Jahr) durch die Muttermilch allein (ca. 57 mg Fe/Jahr) nicht annähernd bereitgestellt werden kann (Tab. 1.). In einer Studie an Säuglingen, die ausschließlich Muttermilch erhielten, waren im Alter von 9 Monaten 28 % anämisch gegenüber 7 % einer Gruppe, die ab dem 6 Monaten zusätzlich mit einer Eisen- und Vitamin-C reichen Diät zugefüttert wurden (19). Eine Untersuchung der Ernährungszusammensetzung bei Vorschulkindern zeigte einen Zusammenhang zwischen milchbasierter Ernährung und Eisenmangel auf („Milkaholics”). Kinder mit einer Diät aus Früchten, Gemüse, Fleisch und Fisch hatten signifikant höhere Ferritinwerte als Kindern mit einer Ernährung aus Milch- und Milchprodukten. Eine typische westliche Ernährung enthält etwa 6 mg Eisen pro 1000 kcal, erstaunlicherweise fast unabhängig von der Zusammensetzung der Nahrung. Das genügt bei normaler Ernährung außerhalb von Risikogruppen, reicht im Wachstum bzw. mit Beginn der Regelblutung bei Mädchen oft nicht mehr aus. Daher sollten sich Kinder und Jugendliche nicht ohne Grund kalorien-reduziert, streng vegetarisch, oder mit sonstigen einseitigen Diäten ernähren, was aber in der Praxis heute leider eher die Regel als die Ausnahme ist. Für wirtschaftlich entwickelte Länder kann daraus nur geschlussfolgert werden, dass bezüglich Eisenversorgung mehr Information und Aufklärung über eine ausgewogene Ernährung im Kindesalter notwendig ist (20).

 

        Diät

       Pränatal/perinatal

     Sozioökonomischer Status

       Kuhmilch

     Niedrig-Eisen-Ersatzmilch (< 6.7 mg/L)

      Stillen ohne Eisen-supplementation

       

      Anämie in der Schwangerschaft

      Schlecht eingestellter Diabetes mellitus

      Niedriges Geburtsgewicht

    Frühgeburt

  Multiple Schwangerschaften

      Niedriger Status

     Immigrant aus Entwicklungsländern

 

Tabelle 1.   Risikofaktoren für Eisenmangel bei Neugeborenen

 

Die verschärfte Situation in der 3. Welt hat zu vielfältigen Aktivitäten in Richtung Eisenzusätzen zu Grundnahrungsmitteln geführt. In einigen Ländern (auch Deutschland) wird aber die nicht zielgerichtete Fortifikation von Nahrungsmitteln mit Eisen eher kritisch gesehen (21).

Eisenmangel im Kindes- und Jugendlichenalter ist also überwiegend in der inadäquaten Nahrungs-Eisenzufuhr zu sehen (Tabelle 4.2). In Einzelfällen, meist verbunden mit einer schweren Anämie, können aber auch Erkrankungen des Magen-Darmtraktes vorliegen, bei denen entweder kein Eisen aufgenommen werden kann, oder Eisen in Form von gastrointestinalen Blutverlusten verloren geht. Bei jedem diagnostizierten Eisenmangel, insbesondere bei Patienten mit rezidivierender Anämie, sollte deshalb gründlich nach der Ursache des Symptoms ‘Eisenmangel’ gesucht werden.

 

     Risikogruppe

-        Ursache

     I.  Eisenmangel ernährungsbeding 

             Säuglinge

-        Vorschulkinder

-        männl. Jugendliche

-        weibl. Jugendliche

-         

-         

-        inadäquate Ernährung, Wachstum

-        inadäquate Ernährung, Wachstum

-        inadäquate Ernährung, Wachstum

-        inadäquate Ernährung, Menstruation

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-        II. Eisenmangel als klinisches Symptom

-        a) Blutverluste

-         

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-        b.) Eisen-Malabsorption

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-         

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-        Perinatal (plazental, umbilikal)

-        Postnatal

-        - gastrointestinal: exudative Enteropathie, anatomische Läsionen, z.B. Varizen, Ulzera, Meckel-Divertikel; Hakenwurmbefall etc

-        - hepatobiliäres System, Lunge, Nase, Nieren etc

-         

-         

-        Helicobacter pylori-Infektion

-        relative Eisenmalabsorption durch erhöhtes Hepcidin (entzündungsstimuliert, IL6)

-        Zöliakie: bei Verlust Zottenstruktur

-         

 

Tab. 2 Ursachen für schweren Eisenmangel im Kindesalter

 

 Menstruierende Frauen

Unter allen Frauen sind menstruierende Frauen, insbesondere Teenager, am meisten gefährdet für Eisenmangel. Ursache ist der zusätzliche Eisenbedarf durch den menstruellen Blutverlust. In einer älteren Studie an  476 Frauen wurde der Blutverlust mit aufwendigen Methoden analysiert (22).

Im Mittel betrug der menstruelle Blutverlust 30 ml (=15 mg Eisenverlust) und bleibt über viele Jahre individuell relativ konstant (2-3). 95 % dieser Frauen benötigen eine tägliche Eisenaufnahme von bis zu 2.8 mg, um eine ausgeglichene Eisenbilanz sicherzustellen (23). Dieser tägliche Eisenbedarf ist vergleichsweise hoch, berücksichtigt man, dass Männer bei größerem Körpergewicht und meist deutlich höherer Nahrungsaufnahme nur ca. 1-1.5 mg Eisen/Tag benötigen. Bereits die normale Menstruation führt deshalb häufig zu einem leichten Eisenmangel. In einer eigenen Untersuchung an 1400 jungen Frauen in Norddeutschland zeigten ca. 40 %  erschöpfte Eisenreserven (Serum-Ferritin < 30 µg/dL), 10 % wiesen keinerlei Eisenreserven auf und standen deshalb an der Schwelle zur Eisenmangelanämie (Abb. 6) (24)

Abb.6. Hämoglobin und Serum-Ferritin bei 2800 Blutspendekanditaten bei der Erstuntersuchung. Ca. 40 % der Frauen zeigten erniedrigte Ferritinwerte als Ausdruck eines Speichereisenmangels. Ca. 10 % hatten keine Eisenreserven und standen kurz vor der Eisenmangelanämie (24).

Schwangerschaft, post-Partum und Stillen

In der Schwangerschaft wird Eisen benötigt für das Zellwachstum und vor allem für die Blutbildung des Kindes. Zusätzlich kommt es bei der Geburt zu einem Blutverlust, außerdem geht die Plazenta verloren (Abb. 7)

Insgesamt addiert sich eine erfolgreiche Schwangerschaft auf 600- 800 mg Eisen, das die Mutter zusätzlich aus der Nahrung aufnehmen muss (25). Der Hauptbedarf fällt in letzten Trimenon an, in dem die Blutbildung des Fötus stattfindet.  Inkl. des Eigenbedarfs muss die Schwangere im Mittel ca. 5 mg Fe/Tag aufnehmen, was aus der Nahrung praktisch unmöglich ist (25). Im Einzellfall kommt es damit auf das Vorhandensein von individuellen Eisenreserven an, die insbesondere Multipara in der 3. Welt nicht haben und daher in dieser Zeit mehr oder weniger stark anämisch sind, was die Entwicklung des das überleben der zu gebärenden Kinder gefährdet. 

 

Abb. 7. Eisenbedarf in der Schwangerschaft.

Der Sinn einer Eisensupplementation oder einer Eisenmedikation ist in dieser Situation unbestreitbar. Eine aktuelle große Studie aus China zeigt die positive Auswirkungen einer Eisenmedikation bei Schwangeren (Abb. 8) (26).

Abb. 4.8.         Mortalität von Neugeborenen binnen 28 Tage nach Geburt in Abhängigkeit von einer Supplementation mit Eisen, Folsäure, oder einer Multi-Vitamin/Mineral-Präparation (26)

 Die alleinige Folsäuregabe war danach deutlich weniger wirksam als eine Multispurenelement-Substitution mit Eisen und vor allem Eisen mit Folsäure. Eine reine Eisensubstitution wurde nicht durchgeführt, doch zeigt sich hier eindeutig die positive Wirkung von Eisen auf die Neugeborenensterblichkeit.

Post-Partum besteht ein hohes Risiko für einen Eisenmangel mit und ohne Anämie der jungen Mutter. Hier wird ein Screening empfohlen (Serum-Ferritin) und eine evtl. orale Eisentherapie.

Insgesamt spielen besonders bei Frauen die Essgewohnheiten eine wichtige Rolle. Die heute favorisierte niedrig-Energie-Ernährung mit Cerealien und viel Gemüse hat den Nachteil, dass sie für Risikogruppen bezüglich Eisenmangels zu wenig bioverfügbares Eisen enthält. Ein übersteigertes Schlankheitsideal in der Jugend kann leicht zu vielfältigen Essstörungen führen, die insgesamt deutlich zunehmen. Gerade Frauen sollten auf eine ausgewogene Ernährung achten und ein gesundes Körpergewicht einhalten. Wenn sie eine starke Regelblutung haben, häufige Schwangerschaften durchmachen oder zusätzlich Blut spenden sollten sie regelmäßig Ihre Eisenparameter kontrollieren lassen.

Der sozioökonomische Status spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Studien aus den USA zeigen, dass Frauen 0-6 Monate post-partum zu 22 % anämisch sind, wenn sie aus Haushalten mit niedrigen Einkommen kommen, gegenüber 10 % aller Frauen in den USA. (27). Frauen mit weniger Einkommen führen weniger Nahrungseisen zu und benutzen wenige Eisensupplementation während Schwangerschaften. Das könnte sich als Trend im Rahmen der Wirtschaftkrise auch bei uns zukünftig verstärkt auftreten.

 Blutspender

Beim Blutspenden gehen erhebliche Mengen Eisen verloren (500 ml Standardblutspende= 250 mg Eisen). Für gesunde junge Gelegenheitsspender im Rahmen von z.B.  „Aktionstagen“  ist das kein großes gesundheitliches Risiko. Große Blutspendezentralen haben aber aus naheliegenden Gründen (geringeres Infektionsrisiko, Planbarkeit) ein eindeutiges Interesse daran, einen festen Spenderstamm zu rekrutieren. Dabei wird durchaus angestrebt, die maximale mögliche Blutentnahmemenge von 3000 ml bei Männern und 2000 ml pro Jahr bei Frauen gemäß den Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen In der Praxis wirklich auszuschöpfen (28). Das bedeutet allerdings einen ganz erheblichen Eisenverlust, der aus der Nahrung allein kaum zu ersetzen ist (Abb. 4.9). Blutspender, insbesondere Dauerblutspender sind daher seit vielen Jahrzehnten ein Synonym für Personen mit obligatem Eisenmangel (28).

 

 

 

 

Abb. 9.         Eisenbedarf bei Dauerblutspendern.

Es ist immer wieder gefordert worden, die Blutspende automatisch mit einer oralen Eisentherapie zu koppeln, um den Eisenstatus von Blutspendern wirksam zu verbessern (29). In Studien ist die Wirksamkeit von solchen Maßnahmen eindeutig belegt worden (30). Trotzdem wird dies bis heute nicht in Richtlinien verbindlich aufgenommen, weil man damit den gesundheitsgefährdenden Eisenverlust  quasi rechtsverbindlich anerkennen würde, und damit den Blutspender zum Patienten umdefinieren müsste, was sicher abschreckend wirkt. Interessanterweise gibt es einige Blutspender, die 6 mal/Jahr spenden und keinen Eisenmangel entwickeln. Hier wurde vermutet, dass sich unter diesen Superspendern Probanden mit unentdeckter  erblicher Eisenspeicherkrankheit verbergen, weil sie den Eisenverlust gut aushalten (31). Dieser Punkt ist aber abschließend nicht geklärt.

Diagnostisch problematisch  sind Blutspender, die wegen einer  Eisenmangelanämie gesperrt werden.  Bei dieser Vorgeschichte ist  man ärztlicherseits leicht geneigt, die Blutspende als plausiblen Blutverlust anzuerkennen und damit nach gastrointestinalen Blutungsquellen gar nicht erst zu suchen. Grundsätzlich wichtig ist deshalb, dass alle Blutspender ihren Eisenstatuts regelmäßig überprüfen lassen und im Einzelfall auch regelmäßig eine orale Eisentherapie einnehmen sollten. Das gilt insbesondere für menstruierende Frauen, die schon basal Probleme mit einer ausreichenden Eisenversorgung haben.

   

Sportler

Der Begriff "Sportanämie" (HbMänner < 14 g/dl, HbFrauen< 13 g/dl) wird in der einschlägigen Literatur verwendet, um bei Sportlern die Hämoglobinwerte am unteren Ende des üblichen Normalbereiches zu charakterisieren (32). Über die Ursache für diese suboptimalen Hämoglobinwerte  wurde lange diskutiert. Zumindestens bei Ausdauersportlern ist  eine negative Eisenbilanz als Ursache für niedrige Ferritin und Hb-Werte nachgewiesen. Mehrere Ursachen kommen in Betracht:

·         gastrointestinaler Blutverlust

·         erhöhter Verlust über den Schweiß

·         erhöhter Verlust über die Nieren

·         intestinale Eisenmalabsorption

·         verminderte Nahrungseisenzufuhr

Ein Problem bezüglich Eisenversorgung ist sicher die ausgewählte Nahrungszusammenstellung von den sehr schlanken Ausdauersportlern. Kohlenhydrate sind angesagt zum Aufbau von Glykogen(Energie)speichern. Tierische Fette (also Fleisch) werden gemieden und damit ergibt sich im Mittel eine bezüglich Eisenversorgung schlecht  bioverfügbare Eisenversorgung, von der besonders weibliche Sportler betroffen sind. Der erhöhte Verlust von Eisen über Schweiß und Urin wird dagegen als sehr gering eingestuft.  

In einer Studie an Läufern wurde ein gastrointestinaler Blutverlust nach intensiven Rennen oder Trainingsläufen als Ursache des  sicher größten Eisenverlustes nachgewiesen  (Abb. 10).

Abb.10        Gastrointestinaler Blutverlust nach verschiedenen Laufeinheiten bei einem Langstreckenläufer der nationalen Spitzenklasse (Hamburger Marathonmeister). 59Fe-markierte Erythrozyten wurden in 24h-Stuhlproben gemessen (33).  

 

Diskutiert wird eine transiente Ischämie der intestinalen Mukosa mit anschließenden Zellverlusten und evtl. Blutungen während der intensiven Muskelblutversorgung, traumatische Schäden des Darmgewebes durch Pendelbewegungen bei sehr schlanken Läufern, sowie  eine Stress-Gastritis (34).

Auch bei anderen Sportarten ist ein niedriger Ferritinwert häufig, auffälligerweise zeigen Fahrradfahrer in Studien häufig deutlich erhöhte Ferritinwerte. In einer Studie an professionellen Radfahrern wiesen 45 % ein Ferritin > 300 ng/ml auf. Ganz offensichtlich spielt hierfür aber eine hochdosierte Eisentherapie die Rolle, die indirekt auf die Anwendung von verbotenen Erythropoetin-Injektionen hindeuten könnten (35). 

Zusammenfassend sollten alle Ausdauersportler, die intensiv Ausdauertraining, speziell Langlauf als Wettbewerb oder Trainingsbestandteil betreiben,  an eine gute Eisenversorgung denken und regelmäßig ihren Eisenstatus überprüfen lassen.

Senioren  

Die Gruppe der älteren Menschen zählt üblicherweise nicht zu den Risikogruppen für die Entwicklung eines Eisenmangels, da hier kein erhöhter Eisenbedarf erkennbar ist. Eisenmangel bei Älteren wird deshalb als eher kleines Problem eingestuft. In NHANES II und III wird Eisenmangelanämie bei 1.2 %, erschöpfte Eisenspeicher (Serum Ferritin <12 µg/L) nur bei 2.7% berichtet während Eisenüberladung (Serum Ferritin >300 µg/L: 12.9%) für wesentlich relevanter gehalten wird (36).

Es gibt aber kritische Stimmen in der Literatur, die die wahre Prävalenz von Eisenmangel im Alter höher einschätzen, weil sekundär erhöhte Ferritinwerte Eisenmangel lavieren können (37). In einer Studie an 472 Senioren im Alter von 63-101 Jahren wurden Ferritinwerte mit Knochenmarksbiopsien verglichen. Senioren mit Ferritinwerten unter 75 µg/l zeigten danach Anzeichen einer eisendefizitären Erythropoese. Ältere sind auch häufiger anämisch (NHANES III: 11 % der Männer, 10.2 % der Frauen > 65 Jahre) und Eisenmangel allein oder in Kombination mit Vitamin-B12- und Folsäure ist für 20-35 % der Fälle verantwortlich (38).

Ingesamt könnte also in der Tat die Häufigkeit von Eisenmangel bei älteren bisher unterschätzt worden sein.

 Als Ursache für Eisenmangel im Alter kommen in Betracht:

  •         ungenügende Versorgung (< 10 mg Eisen/Tag) mit bioverfügbarem Nahrungs-Eisen (z.B. zuwenig                Fleisch). Zahnprobleme können dafür eine einfache Erklärung bieten.  

  •         unentdeckte gastrointestinale Blutverluste! Einnahme von Aspirin!

 Generell ist das Risiko für eine unzureichende Ernährung bei älteren Menschen höher als bei jüngeren Erwachsenen. Physische, soziale, emotionale Probleme können Einfluss auf den Appetit haben oder die Fähigkeit zum Kauf, Zubereitung oder Verzehr eine adäquaten Ernährung herabsetzen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, ob eine Person allein lebt, ob Einkauf und Zubereitung organisiert sind, oder ob medizinische Probleme bestehen (z.B. Schluckbeschwerden, schlechter Zahnzustand), die die Nahrungsaufnahme beeinflussen können. Zumindestens eine Eisenmangelanämie aber evtl. auch bereits ein Eisenmangel ohne Anämie ist im Alter wichtiges diagnostisches Symptom, das unbedingt Anlass für  eine sorgfältige Blutungsdiagnostik sein sollte (39).  Typische endoskopische Befunde bei Älteren sind Angiodysplasien vor allem im Colon, Tumoren im gesamten Darmtrakt, Hiatushernien, „Wassermelonen”-Magen, erosive Gastritis bei chronischer Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika, die alle zu akuten und chronischen gastrointestinalen Blut(=Eisen)verlusten führen können.

 

Literatur

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Letzte Änderung am 19.01.2010
 
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