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Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Interdisziplinäre, klinische Gruppe Eisenstoffwechsel" Eisenstoffwechselambulanz, UKE- Haus N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389; Fax 040-7410-54797; |
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Risikogruppen für Eisenmangel Eisenmangel
in Entwicklungsländern Global
betrachtet wird der Mangel an dem Spurenelement Eisen als Faktor 9 von 26
Risikofaktoren im „Global Burden Disease Projekt 2000“ der
Weltgesundheits-organisation (WHO) aufgelistet
(1,2). Eisenmangel ist verantwortlich für 841 000 Todesfälle und 35
057 000 durch Krankheit verursachten Lebenszeitverlust in Jahren. Afrika
und Teile von Asien tragen davon den Hauptteil (71%) der
globalen Mortalität, während wirtschaftlich entwickelte Kontinente wie
Nordamerika nur zu 1.4% betroffen sind. Unter den Ernährungsfaktoren gehört
Eisenmangel zu den großen
vier Defiziten (Proteinmangel, Jod, Vitamin-A, Eisen). Eine
fleischarme, überwiegend vegetarische Ernährung ist oft aus der Not
heraus oder auch traditionell zu einseitig zusammengestellt, um den
Eisenbedarf zu decken. Vielfach tragen auch Hemmstoffe der Eisenabsorption
entscheidend dazu bei, dass Nahrungseisen nicht genügend bioverfügbar
ist. In
einer prospektiven longitudinalen Studie wurden Eisenparameter von Kindern
im Alter von 6-10 Jahren (n=126) aus Marokko verfolgt, die zu Beginn keine
Anzeichen von Eisenmangel aufwiesen und die mit der traditionellen Diät
ernährt wurden ohne jede Supplementation mit Eisen (3). Die Diät
enthielt 10.8 mg Eisen pro Tag, 60 % der Energie kam von Fladenbrot aus
Weizenmehl, 20 % aus Fett, meist Olivenöl und 4 % aus Gemüse, meist
Bohnen. Nach 15 Monaten unter dieser Diät zeigten
75 % der Kinder einen
Speichereisenmangel und 30 % eine leichte Eisenmangelanämie (Abb. 1).
Abb. 1:
Veränderung des Eisenstatus in Richtung Eisenmangel bei Kindern
aus Marokko unter der traditionellen Ernährung (3). Nach 15 Monaten
zeigten 75 % eine Abnahme von Speichereisen und ca. 30 % wurden anämisch
(berechnet aus Werten von löslichem Transferrinrezeptor und Ferritin nach
Cook et al. (4)) Weltweit
sind in den letzten Jahren bereits große Anstrengungen unternommen
worden, die Situation in der dritten Welt zu verändern. Nach Meinung von
UNICEF sind dabei bereits Erfolge erzielt worden, die auch zu einer
leichten Abnahme von Eisenmangel bei kleinen Kindern geführt haben (Abb.
2) (5).
In den nächsten
Jahren sollen die bereits bewährten Strategien weiter in die Praxis
umgesetzt werden:
Eisenmangel
in wirtschaftlich entwickelten Ländern In
wirtschaftlich entwickelten Kontinenten wie Nord-Amerika oder Europa ist
Eisenmangel weniger häufig und der Ausprägungsgrad ist meist leichter. 1
bis 3% der erwachsenen Männer und der post-menopausalen Frauen zeigen
eine Eisenmangelanämie (6,7). Wesentlich häufiger kommt aber ein
Eisenmangel ohne Anämie vor. Schätzungen gehen aus von bis zu 30 % der
Mitglieder von Risikogruppen. Ein
substantieller Eisenmangel entwickelt sich, wenn der individuelle
Eisenbedarf längere Zeit nicht durch die Nahrungseisenaufnahme gedeckt
werden kann. Risikogruppen für
Eisenmangel weisen einen oder eine Kombination von mehreren Faktoren auf:
In
wirtschaftlich entwickelten Ländern gibt es den Trend hin zu einer
vegetarischen Diät, die offenbar für viele Bürger gesundheitliche
Vorteile bringt. Diese Kostform ist ballaststoffreich, reich an Folsäure,
Vitamin C und E, Kalium, Magnesium, Pfanzeninhaltstoffe wie Flavonoide,
bevorzugt ungesättigte Fettsäuren gegenüber gesättigten Fettsäuren.
Veganer sind schlanker, haben niedrigere Werte für Serum-Cholesterin und
arteriellen Blutdruck. Das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen,
Diabetes und Krebserkrankungen wird bei Vegetariern langfristig als
signifikant geringer eingeschätzt als
bei Personen mit fleischbasierter Ernährung (8). Klar
ist aber auch, dass eine pflanzen-basierte Kost die Absorption von Eisen,
Zink und Vitamin-B12 deutlich beeinträchtigt. Vegetarier und Veganer
haben niedrigere Eisenspeicher und ein höheres Risiko für Eisenmangel
mit und ohne Anämie (9). Das gilt auch für wirtschaftlich entwickelte Länder
und damit auch für Deutschland (10, 11). Studien zeigen, dass bereits männliche
australische Vegetarier im Mittel mehr Nahrungseisen einnehmen aber
niedrigere Eisenspeicher aufweisen und signifikant häufiger Eisenmangel
zeigen als omnivore Männer
(12). Die vegetarische Ernährung ist bei Kindern und menstruierenden
Frauen ein eindeutiger Risikofaktor für Eisenmangel.
In der deutschen Vegetarierstudie nahmen 42%
der veganischen Frauen < 50 Jahre weniger als 18 mg/Tag Eisen mit der
Nahrung auf, was als notwendiger Wert vom US Food and Nutrition Board
definiert wird. 40% dieser
Frauen zeigten keinerlei Eisenspeicher (Serum-Ferritin <12 ng/ml) und
standen somit kurz vor der Eisenmangelanämie (11). Risikogruppen für
Eisenmangel sollten deshalb ihren individuellen Eisenstatus regelmäßig
untersuchen lassen und bei veganischer Ernährung dann zu einer
Eisensubstitution greifen, um die Entwicklung eines Eisenmangels zu
verhindern. In
den ersten 4-6 Monaten nach der Geburt ist der Bedarf von Eisen aus der
Nahrung vernachlässigbar gering. Dies erklärt sich aus der Tatsache,
dass der bei der Geburt relativ hohe Hämoglobingehalt abgebaut wird und
das resultierende Eisen genutzt werden kann. Bis zum Alter von zwei Jahren
erfolgt dann ein erster Wachstumsschub, der einen hohen Eisenbedarf von
bis zu 100 μg/kg/Tag darstellt (Abb. 4). Danach sinkt der
Eisen-Bedarf wieder ab, um dann in der Hauptwachstumsphase in der Pubertät
erneut stark anzusteigen (13). Bei Mädchen setzt das Wachstum früher
ein, zusätzlich kommt auch noch die Menstruation hinzu. Für 14-jährige
Mädchen ist der Eisenbedarf ca. 30 % höher als für ihre Mütter. Jungen
bilden ein höheres Blutvolumen aus als Mädchen, auch die Muskelmasse ist
wesentlich höher. In dieser Zeit ist deshalb auch der Eisenbedarf für männliche
Jugendliche höher als für menstruierende Frauen.
Abb.
5.
Verlauf der Serum-Ferritin-Konzentration in Abhängigkeit vom
Lebensalter. Modifiziert nach Dallmann et al. (16). Ernährungsbedingter
Eisenmangel. Ein generelles
Problem ist der sehr große Eisenbedarf im starken Körperwachstum. Die
Probleme beginnen bereits im Säuglingsalter, wo die notwendige Eisenmasse
(250 mg/Jahr) durch die Muttermilch allein (ca. 57 mg Fe/Jahr) nicht annähernd
bereitgestellt werden kann (Tab. 1.). In einer Studie an Säuglingen, die
ausschließlich Muttermilch erhielten, waren im Alter von 9 Monaten 28 %
anämisch gegenüber 7 % einer Gruppe, die ab dem 6 Monaten zusätzlich
mit einer Eisen- und Vitamin-C reichen Diät zugefüttert wurden (19).
Eine Untersuchung der Ernährungszusammensetzung bei Vorschulkindern
zeigte einen Zusammenhang zwischen milchbasierter Ernährung und
Eisenmangel auf („Milkaholics”). Kinder mit einer Diät aus Früchten,
Gemüse, Fleisch und Fisch hatten signifikant höhere Ferritinwerte als
Kindern mit einer Ernährung aus Milch- und Milchprodukten. Eine typische
westliche Ernährung enthält etwa 6 mg Eisen pro 1000 kcal,
erstaunlicherweise fast unabhängig von der Zusammensetzung der Nahrung.
Das genügt bei normaler Ernährung außerhalb von Risikogruppen, reicht
im Wachstum bzw. mit Beginn der Regelblutung bei Mädchen oft nicht mehr
aus. Daher sollten sich Kinder und Jugendliche nicht ohne Grund
kalorien-reduziert, streng vegetarisch, oder mit sonstigen einseitigen Diäten
ernähren, was aber in der Praxis heute leider eher die Regel als die
Ausnahme ist. Für wirtschaftlich entwickelte Länder kann daraus nur
geschlussfolgert werden, dass bezüglich Eisenversorgung mehr Information
und Aufklärung über eine ausgewogene Ernährung im Kindesalter notwendig
ist (20).
Tabelle
1. Risikofaktoren für
Eisenmangel bei Neugeborenen Die
verschärfte Situation in der 3. Welt hat zu vielfältigen Aktivitäten in
Richtung Eisenzusätzen zu Grundnahrungsmitteln geführt. In einigen Ländern
(auch Deutschland) wird aber die nicht zielgerichtete Fortifikation von
Nahrungsmitteln mit Eisen eher kritisch gesehen (21). Eisenmangel
im Kindes- und Jugendlichenalter ist also überwiegend in der inadäquaten
Nahrungs-Eisenzufuhr zu sehen (Tabelle 4.2). In Einzelfällen, meist
verbunden mit einer schweren Anämie, können aber auch Erkrankungen des
Magen-Darmtraktes vorliegen, bei denen entweder kein Eisen aufgenommen
werden kann, oder Eisen in Form von gastrointestinalen Blutverlusten
verloren geht. Bei jedem diagnostizierten Eisenmangel, insbesondere bei
Patienten mit rezidivierender Anämie, sollte deshalb gründlich nach der
Ursache des Symptoms ‘Eisenmangel’ gesucht werden.
Tab.
2 Ursachen für schweren Eisenmangel im Kindesalter Menstruierende
Frauen Unter
allen Frauen sind menstruierende Frauen, insbesondere Teenager, am meisten
gefährdet für Eisenmangel. Ursache ist der zusätzliche Eisenbedarf
durch den menstruellen Blutverlust. In einer älteren Studie an 476
Frauen wurde der Blutverlust mit aufwendigen Methoden analysiert (22). Im
Mittel betrug der menstruelle Blutverlust 30 ml (=15 mg Eisenverlust) und
bleibt über viele Jahre individuell relativ konstant (2-3). 95 % dieser
Frauen benötigen eine tägliche Eisenaufnahme von bis zu 2.8 mg, um eine
ausgeglichene Eisenbilanz sicherzustellen (23). Dieser tägliche
Eisenbedarf ist vergleichsweise hoch, berücksichtigt man, dass Männer
bei größerem Körpergewicht und meist deutlich höherer Nahrungsaufnahme
nur ca. 1-1.5 mg Eisen/Tag benötigen. Bereits die normale Menstruation führt
deshalb häufig zu einem leichten Eisenmangel. In einer eigenen
Untersuchung an 1400 jungen Frauen in Norddeutschland zeigten ca. 40 %
erschöpfte Eisenreserven (Serum-Ferritin < 30 µg/dL), 10 %
wiesen keinerlei Eisenreserven auf und standen deshalb an der Schwelle zur
Eisenmangelanämie (Abb. 6) (24)
Abb.6.
Hämoglobin und Serum-Ferritin bei 2800 Blutspendekanditaten bei der
Erstuntersuchung. Ca. 40 % der Frauen zeigten erniedrigte Ferritinwerte
als Ausdruck eines Speichereisenmangels. Ca. 10 % hatten keine
Eisenreserven und standen kurz vor der Eisenmangelanämie (24). In
der Schwangerschaft wird Eisen benötigt für das Zellwachstum und vor
allem für die Blutbildung des Kindes. Zusätzlich kommt es bei der Geburt
zu einem Blutverlust, außerdem geht die Plazenta verloren (Abb. 7) Insgesamt
addiert sich eine erfolgreiche Schwangerschaft auf 600- 800 mg Eisen, das
die Mutter zusätzlich aus der Nahrung aufnehmen muss (25). Der
Hauptbedarf fällt in letzten Trimenon an, in dem die Blutbildung des Fötus
stattfindet. Inkl. des
Eigenbedarfs muss die Schwangere im Mittel ca. 5 mg Fe/Tag aufnehmen, was
aus der Nahrung praktisch unmöglich ist (25). Im Einzellfall kommt es
damit auf das Vorhandensein von individuellen Eisenreserven an, die
insbesondere Multipara in der 3. Welt nicht haben und daher in dieser Zeit
mehr oder weniger stark anämisch sind, was die Entwicklung des das überleben
der zu gebärenden Kinder gefährdet.
Abb.
7. Eisenbedarf in der Schwangerschaft. Der
Sinn einer Eisensupplementation oder einer Eisenmedikation ist in dieser
Situation unbestreitbar. Eine aktuelle große Studie aus China zeigt die
positive Auswirkungen einer Eisenmedikation bei Schwangeren (Abb. 8) (26).
Post-Partum
besteht ein hohes Risiko für einen Eisenmangel mit und ohne Anämie der
jungen Mutter. Hier wird ein Screening empfohlen (Serum-Ferritin) und eine
evtl. orale Eisentherapie. Insgesamt
spielen besonders bei Frauen die Essgewohnheiten eine wichtige Rolle. Die
heute favorisierte niedrig-Energie-Ernährung mit Cerealien und viel Gemüse
hat den Nachteil, dass sie für Risikogruppen bezüglich Eisenmangels zu
wenig bioverfügbares Eisen enthält. Ein übersteigertes
Schlankheitsideal in der Jugend kann leicht zu vielfältigen Essstörungen
führen, die insgesamt deutlich zunehmen. Gerade Frauen sollten auf eine
ausgewogene Ernährung achten und ein gesundes Körpergewicht einhalten.
Wenn sie eine starke Regelblutung haben, häufige Schwangerschaften
durchmachen oder zusätzlich Blut spenden sollten sie regelmäßig Ihre
Eisenparameter kontrollieren lassen. Der
sozioökonomische Status spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Studien aus
den USA zeigen, dass Frauen 0-6 Monate post-partum zu 22 % anämisch sind,
wenn sie aus Haushalten mit niedrigen Einkommen kommen, gegenüber 10 %
aller Frauen in den USA. (27). Frauen mit weniger Einkommen führen
weniger Nahrungseisen zu und benutzen wenige Eisensupplementation während
Schwangerschaften. Das könnte sich als Trend im Rahmen der
Wirtschaftkrise auch bei uns zukünftig verstärkt auftreten. Blutspender Beim
Blutspenden gehen erhebliche Mengen Eisen verloren (500 ml
Standardblutspende= 250 mg Eisen). Für gesunde junge Gelegenheitsspender
im Rahmen von z.B. „Aktionstagen“
ist das kein großes gesundheitliches Risiko. Große
Blutspendezentralen haben aber aus naheliegenden Gründen (geringeres
Infektionsrisiko, Planbarkeit) ein eindeutiges Interesse daran, einen
festen Spenderstamm zu rekrutieren. Dabei wird durchaus angestrebt, die
maximale mögliche Blutentnahmemenge von 3000 ml bei Männern und 2000 ml
pro Jahr bei Frauen gemäß den Richtlinien
zur Gewinnung von Blut und
Blutbestandteilen In der Praxis wirklich auszuschöpfen (28).
Das bedeutet allerdings einen ganz erheblichen Eisenverlust, der aus der
Nahrung allein kaum zu ersetzen ist (Abb. 4.9). Blutspender, insbesondere
Dauerblutspender sind daher seit vielen Jahrzehnten ein Synonym für
Personen mit obligatem Eisenmangel (28).
Abb.
9.
Eisenbedarf bei Dauerblutspendern. Es
ist immer wieder gefordert worden, die Blutspende automatisch mit einer
oralen Eisentherapie zu koppeln, um den Eisenstatus von Blutspendern
wirksam zu verbessern (29). In Studien ist die Wirksamkeit von solchen Maßnahmen
eindeutig belegt worden (30). Trotzdem wird dies bis heute nicht in
Richtlinien verbindlich aufgenommen, weil man damit den gesundheitsgefährdenden
Eisenverlust quasi
rechtsverbindlich anerkennen würde, und damit den Blutspender zum
Patienten umdefinieren müsste, was sicher abschreckend wirkt.
Interessanterweise gibt es einige Blutspender, die 6 mal/Jahr spenden und
keinen Eisenmangel entwickeln. Hier wurde vermutet, dass sich unter diesen
Superspendern Probanden mit unentdeckter
erblicher Eisenspeicherkrankheit verbergen, weil sie den
Eisenverlust gut aushalten (31). Dieser Punkt ist aber abschließend nicht
geklärt. Diagnostisch
problematisch sind
Blutspender, die wegen einer Eisenmangelanämie
gesperrt werden. Bei dieser
Vorgeschichte ist man ärztlicherseits
leicht geneigt, die Blutspende als plausiblen Blutverlust anzuerkennen und
damit nach gastrointestinalen Blutungsquellen gar nicht erst zu suchen.
Grundsätzlich wichtig ist deshalb, dass alle Blutspender ihren
Eisenstatuts regelmäßig überprüfen lassen und im Einzelfall auch
regelmäßig eine orale Eisentherapie einnehmen sollten. Das gilt
insbesondere für menstruierende Frauen, die schon basal Probleme mit
einer ausreichenden Eisenversorgung haben. Sportler Der
Begriff "Sportanämie" (HbMänner < 14 g/dl, HbFrauen<
13 g/dl) wird in der einschlägigen Literatur verwendet, um bei Sportlern
die Hämoglobinwerte am unteren Ende des üblichen Normalbereiches zu
charakterisieren (32). Über die Ursache für diese suboptimalen Hämoglobinwerte
wurde lange diskutiert.
Zumindestens bei Ausdauersportlern ist
eine negative Eisenbilanz als Ursache für niedrige Ferritin und
Hb-Werte nachgewiesen. Mehrere Ursachen kommen in Betracht: ·
gastrointestinaler
Blutverlust ·
erhöhter Verlust über den
Schweiß ·
erhöhter Verlust über die
Nieren ·
intestinale
Eisenmalabsorption ·
verminderte
Nahrungseisenzufuhr Ein
Problem bezüglich Eisenversorgung ist sicher die ausgewählte
Nahrungszusammenstellung von den sehr schlanken Ausdauersportlern.
Kohlenhydrate sind angesagt zum Aufbau von Glykogen(Energie)speichern.
Tierische Fette (also Fleisch) werden gemieden und damit ergibt sich im
Mittel eine bezüglich Eisenversorgung schlecht
bioverfügbare Eisenversorgung, von der besonders weibliche
Sportler betroffen sind. Der erhöhte Verlust von Eisen über Schweiß und
Urin wird dagegen als sehr gering eingestuft. In
einer Studie an Läufern wurde ein gastrointestinaler Blutverlust nach
intensiven Rennen oder Trainingsläufen als Ursache des sicher
größten Eisenverlustes nachgewiesen
(Abb. 10).
Abb.10
Gastrointestinaler Blutverlust nach verschiedenen Laufeinheiten bei
einem Langstreckenläufer der nationalen Spitzenklasse (Hamburger
Marathonmeister). 59Fe-markierte Erythrozyten wurden in
24h-Stuhlproben gemessen (33). Diskutiert
wird eine transiente Ischämie der intestinalen Mukosa mit anschließenden
Zellverlusten und evtl. Blutungen während der intensiven
Muskelblutversorgung, traumatische Schäden des Darmgewebes durch
Pendelbewegungen bei sehr schlanken Läufern, sowie eine
Stress-Gastritis (34). Auch
bei anderen Sportarten ist ein niedriger Ferritinwert häufig, auffälligerweise
zeigen Fahrradfahrer in Studien häufig deutlich erhöhte Ferritinwerte.
In einer Studie an professionellen Radfahrern wiesen 45 % ein Ferritin
> 300 ng/ml auf. Ganz offensichtlich spielt hierfür aber eine
hochdosierte Eisentherapie die Rolle, die indirekt auf die Anwendung von
verbotenen Erythropoetin-Injektionen hindeuten könnten (35).
Zusammenfassend
sollten alle Ausdauersportler, die intensiv Ausdauertraining, speziell
Langlauf als Wettbewerb oder Trainingsbestandteil betreiben,
an eine gute Eisenversorgung denken und regelmäßig ihren
Eisenstatus überprüfen lassen. Senioren Die
Gruppe der älteren Menschen zählt üblicherweise nicht zu den
Risikogruppen für die Entwicklung eines Eisenmangels, da hier kein erhöhter
Eisenbedarf erkennbar ist. Eisenmangel bei Älteren wird deshalb als eher
kleines Problem eingestuft. In
NHANES II und III wird Eisenmangelanämie bei 1.2 %, erschöpfte
Eisenspeicher (Serum Ferritin <12 µg/L) nur bei 2.7% berichtet während
Eisenüberladung (Serum Ferritin >300 µg/L: 12.9%) für wesentlich
relevanter gehalten wird (36). Es
gibt aber kritische Stimmen in der Literatur, die die wahre Prävalenz von
Eisenmangel im Alter höher einschätzen, weil sekundär erhöhte
Ferritinwerte Eisenmangel lavieren können (37). In
einer Studie an 472 Senioren im Alter von 63-101 Jahren wurden
Ferritinwerte mit Knochenmarksbiopsien verglichen. Senioren mit
Ferritinwerten unter 75 µg/l zeigten danach Anzeichen einer eisendefizitären
Erythropoese. Ältere sind auch häufiger anämisch (NHANES III: 11 % der
Männer, 10.2 % der Frauen > 65 Jahre) und Eisenmangel allein oder in
Kombination mit Vitamin-B12- und Folsäure ist für 20-35 % der Fälle
verantwortlich (38). Ingesamt
könnte also in der Tat die Häufigkeit von Eisenmangel bei älteren
bisher unterschätzt worden sein.
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