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Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Interdisziplinäre, klinische Gruppe Eisenstoffwechsel" Eisenstoffwechselambulanz, UKE- Haus N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389; Fax 040-7410-54797; |
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Definition
von Eisenmangel
Eisen
ist ein essentielles Spurenelement, das dem menschlichen Körper mit der
Nahrung zugeführt werden muss (1). Bei einem ausgeglichenen Eisenhaushalt
weisen Männer einen höheren Gesamtkörpereisengehalt auf als Frauen (50
mg/kg gegenüber 38 mg/kg) (1,2). Das liegt zum einem an der höheren
Erythrozyten- und Skelettmuskelmasse bei Männern, zum anderen auch an der
höheren Menge an Speichereisen in Knochenmark, Leber und Muskulatur (Männer
500 – 1000 mg, prämenopausale Frauen 300 – 400 mg).
Wenn
das Gleichgewicht zwischen Eisenaufnahme und Eisenbedarf über längere
Zeit gestört ist (negative Eisenbilanz), werden anfangs die
physiologischen Eisenspeicher abgebaut, später kommt es zur Beeinträchtigung
von verschiedenen Stoffwechselwegen. (Abb. 1). Ein Eisenmangel im
klassischen Sinne meint einen absoluten Mangel an Eisen im Körper (2,3).
Ein neuer Begriff ist der „funktionelle Eisenmangel“, bei dem
vorhandenes Eisen aus bestimmten Gründen für einen ggf. erhöhten
Bedarf, z.B. im Knochenmark, nicht ausreichend
(schnell) genutzt werden kann (4).
Abb.
1. Negative Eisenbilanz, d.h. Verschiebung des Gleichgewichtes zwischen
Eisenaufnahme über die Nahrung oder Therapie und dem Eisenbedarf bzw.
Eisenverlust.
Risikogruppen
für Eisenmangel
Viele Menschen leiden weltweit an
Eisenmangel mit oder ohne Anämie. Global gesehen ist die häufigste
Ursache eine dem normalen Eisenbedarf nicht entsprechende Ernährung mit
ausreichend bioverfügbarem Eisen. Diese Mangelernährung betrifft
vorwiegend Kinder und Frauen in Entwicklungsländern. In wirtschaftlich
entwickelten Ländern ist die Ernährungs-situation deutlich besser und
hier finden wir einen leichten Eisenmangel vorwiegend in Risikogruppen mit
individuell erhöhtem Eisenbedarf. Ein schwerer Eisenmangel kann hier im
Einzelfall auch Symptom von pathologischen
Blutverlusten sein, was medizinisch bedeutsam ist.
Eisenmangel in wirtschaftlich
entwickelten Ländern
In wirtschaftlich entwickelten
Kontinenten wie Nord-Amerika oder Europa ist Eisenmangel weniger häufig
und der Ausprägungsgrad ist meist leichter. 1 bis 3% der erwachsenen Männer
und der post-menopausalen Frauen zeigen eine Eisenmangelanämie (8,9).
Wesentlich häufiger kommt aber ein Eisenmangel ohne Anämie vor. Schätzungen
gehen aus von bis zu 30 % der Mitglieder von Risikogruppen.
Ein substantieller Eisenmangel entwickelt sich, wenn der
individuelle Eisenbedarf längere Zeit nicht durch die
Nahrungseisenaufnahme gedeckt werden kann.
Risikogruppen für Eisenmangel weisen einen oder eine Kombination
von mehreren Faktoren auf:Nicht-adäquate Nahrungseisenzufuhr. ·
Vegetarier insbes.
Veganer, Personen mit Essstörungen wie Anorexia oder Bulimia nervosa,
Malnutrition bei niedrigen sozialem Status, „neue Armut”, bei
Teenagern und Senioren, Mangel- oder Fehlernährung in Entwicklungsländern. ·
Eingeschränkte
Eisenabsorption: atrophische Gastritis bei Älteren, Zöliakie, entzündliche
Darmerkrankungen, hoher Konsum von Hemmstoffen der Eisenabsorption (Phytate,
Polyphenole, Sojaprotein, Calcium). ·
Gesteigerter Bedarf:
Kinder in Wachstumsphasen, Schwangere,
postpartum, stillende Frauen, menstruierende Frauen,
Ausdauersportler, post-operative Patienten. ·
Erhöhter Eisenverlust:
Dauerblutspender, Frauen mit Hypermenorrhoen,
pathologische Blutverluste. Klinische Symptome
von Eisenmangel
Bei ungenügender Eisenzufuhr leeren sich die
Eisenspeicher meist langsam, was anfangs nur schleichende Auswirkungen auf
unser Wohlbefinden hat, die lange Zeit kaum wahrgenommen werden.
Sind die Speicher aber leer, steht zu wenig Eisen für die
Erythropoese zur Verfügung. Ab diesem Zeitpunkt beansprucht die
Blutbildung die noch vorhandene Eisenversorgung bevorzugt für sich, je
schwerer die Anämie, desto dringlicher.
In der Literatur wird deshalb meist das Bild beschrieben, das nur
eine Eisenmangelanämie eindeutige klinische Auswirkungen zeigt. Dabei
zeigen Untersuchungen ziemlich eindeutig, dass auch ein leichter
Eisenmangel (Serum-Ferritin < 20-35
µg/L) Symptome wie Müdigkeit, Unkonzentriertheit, etc. verursachen kann.
Da diese dem Hausarzt geschilderten Symptome, nicht spezifisch für
Eisenmangel sind (s.o), kann die kausale Verbindung am besten durch
Interventionsstudien bewiesen werden, die Änderungen der klinischen
Beschwerden nach einer Behandlung mit Eisen gegenüber einer Placebogabe
aufzeigen (Tab..1).
Auf
einige dieser „eisenspezifischen Symptome“ wird in den folgenden
Abschnitten noch näher eingegangen. Die
Eisenmangelanämie schafft also keinesfalls erstmals eine Symptomqualität,
sondern sie ist wichtig, weil sie einen schweren Eisenmangel im
Knochenmark auf diagnostisch
einfache Weise anzeigt. Dieser
Eisenmangel herrscht aber dann auch in anderen Geweben
und kann dort Symptome verursachen, was diagnostisch nicht so
einfach nachzuweisen ist. Ein
schwerer, chronischer Eisenmangel kann zu progressiven, trophischen Veränderungen
und Schäden in Geweben vor allen an Haut und Schleimhäuten führen, die
man am häufigsten bei stark wachsenden Kindern aber auch bei jungen
Frauen mit Eisenmangel findet: § Mundwinkelrhagaden §
brüchige Nägel und
Haare §
Plummer
Vinson-Syndrom (Sideropenische Dysphagie) Manche Patienten mit schwerem Eisenmangel entwickeln eine Pica, eine
seltene Essstörung, bei der Menschen Dinge zu sich nehmen, die keine
Nahrungsmittel sind und allgemein als ungenießbar gelten (Kreide,
Bleistifte, Tapeten etc.), und die meist gar nicht besonders eisenreich
sind. Die Behandlung mit Eisen bessert diese Symptomatik in vielen Fällen.
Durch die Anämie
ergeben sich zusätzliche klinische Beschwerden, die auch von anderen Anämieformen
bekannt sind und nicht spezifisch für Eisenmangel sind wie §
Blasse Haut,
schwach durchblutete Schleimhäute §
Herzrasen und
Herzklopfen §
Kurzatmigkeit,
vor allem unter physischer Belastung Therapie
von Eisenmangel Ziel einer Eisentherapie sollte sein, den Eisenmangel zu beseitigen
und normale Eisenspeicher anzulegen, wie sie in der Evolution für einen
Menschen ausdrücklich physiologisch gewollt
sind.
Abb. 2. Risikoprofil für Eisenmangel und Eisenüberladung. Es gibt eine physiologische Konzentration von normalen Eisenreserven, begrenzt an beiden Seiten von suboptimaler oder superoptimaler Eisenversorgung, bei denen jeweils anfangs nur geringe Effekte zu erwarten sind. Schwere klinische Symptome sind bei schwerem Mangel und Überladung von Eisen zu erwarten.
Literatur 1.
Bothwell
TH, Charlton RW, Cook JD, Finch CA. Iron metabolism in man. Oxford,
UK: Blackwell Sci. 1979.
2.
Baynes
RD. Iron deficiency. In: Brock JH, Halliday JW, Pippard MJ, Powell LW, eds.
Iron metabolism in health and disease. London: Saunders,
1994:190-225.
3.
WHO/NHD/01.3.
Iron deficiency anemia assessment, prevention, and control. World
Health Organization, 2001. 4.
Cavill
I,
Macdougall IC. Functional
iron deficiency. Blood, 1993; 82: 1377 5. Stoltzfus RJ.
Iron deficiency: global prevalence and consequences. Food Nutr Bull
2003; (4 Suppl):S99-103 6. Global Programme on
Evidence for Health Policy Discussion Paper No. 36 World Health
Organization November 2001 7.
Zimmermann MB,
Chaouki N, Hurrell RF. Iron
deficiency due to consumption of a habitual diet low in bioavailable iron:
a longitudinal cohort study in Maroccan children. Am
J Clin Nutr 2005;81:115–21 8. Cook JD, Flowers CH,
Skikne BS. The quantitative assessment of body iron. Blood
2003;101:3359–64 9. Vitamin & mineral
deficiency, a global progress report. UNICEF März 2004
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Hinweise und Kommentare bitte an Dr.
Peter Nielsen |