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Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Interdisziplinäre, klinische Gruppe Eisenstoffwechsel" Eisenstoffwechselambulanz, UKE- Haus N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389; Fax 040-7410-54797; |
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Therapie
von Eisenmangel Indikation
In
den vorangegangenen Kapiteln wurde dargelegt, dass jede Form des
Eisenmangels mit und ohne Anämie behandelt werden sollte. Ähnlich wie
bei anderen essentiellen
Mineralien und bei allen Vitaminen, gilt es auch den Mangel an Eisen
umgehend und ausreichend zu behandeln. Dabei ist die Sorge um Schäden
durch eine Eisenüberladung solange irrelevant, solange der Eisenmangel
besteht. Auch für Eisen gilt eine typische U-förmige Risikokurve (Abb.
1.):
Ziel einer Eisentherapie sollte sein, den Eisenmangel zu beseitigen
und normale Eisenspeicher anzulegen, wie sie in der Evolution für einen
Menschen ausdrücklich physiologisch gewollt
sind. Orale Eisentherapie Die
Eisenmangelanämie war als „Chlorosis“ in der Medizingeschichte schon
seit den Zeiten von Hippocrates bekannt. Der französische Arzt Pierre
Blaud begann 1832 erstmals rational die „grüne Krankheit“ mit Pillen
aus Eisen(II)-Sulfat und Kaliumcarbonat zu behandeln (Blaud’s Pillen)
(1). Eisen(II)-Sulfat ist immer noch das Eisensalz, das weltweit häufig für
ein orales Eisenpräparat verwendet wird. Tabelle 1 zeigt eine
Zusammenstellung der in der aktuellen „Roten Liste 2008“ unter Antianämika
aufgeführten Präparate 08.B.1.1.
Eisen-Einzelstoffe:
Bioverfügbarkeit
von oralen Eisenpräparaten Die
Bioverfügbarkeit von oralen Eisenpräparaten ist ein vernachlässigter
Aspekt des Themas Eisenmangel. In vielen Ländern (z.B. USA) wird diesem
Punkt wenig Beachtung
geschenkt und man geht von geringen Unterschieden zwischen verschiedenen
Eisenpräparaten aus. Dabei zeigen frühe Studien von Hallberg und
Heinrich deutlich, dass die Wirksamkeit von oralen Eisenpräparaten
insgesamt begrenzt ist und es offenbar entscheidend auf die Galenik des
jeweiligen Präparates abkommt (2,3). Grundsätzlich
ist die intestinale Absorption von Eisen begrenzt. So werden von einer
oralen Eisentherapie nur ca. 5 bis maximal 20 % aus einer 100 mg Dosis
absorbiert. Das
Duodenum ist der Hauptabsorptionsort für Eisen, im Magen wird so gut wie
kein Eisen aufgenommen (4,5). Ein
Eisenpräparat muss deshalb seinen Wirkstoff zügig freisetzen, damit
dieser im Ablauf der Magendarmpassage rechtzeitig zur Verfügung steht.
Eisen(II)-Salze werden im Magen- und Darmsaft sofort hydrolysiert. Der
Eisen(II)-Hexaquocomplex muss dann aber bei pH 6-7 einige Zeit löslich
bleiben und darf auch nicht zu [Fe(H2O)6]3
oxidiert werden (s.
Abb. 2).
Abb.
2. Modell der intestinalen Eisenabsorption vorwiegend im Duodenum.
Ein Eisenpräparat muss deshalb seinen Wirkstoff rechtzeitig genug
freisetzen. Es wird aber diskutiert, dass im chronischen Eisenmangel sich
der Absorptionsort nach distal (tiefere Dünndarmabschnitte) erweitert. Diese bekannten Bedingungen werden von der Galenik
der verschiedenen Eisenpräparate ganz unterschiedlich umgesetzt. In einer
in-vitro-Studie haben wir die
Freisetzung von pharmazeutischen Eisenpräparaten in künstlichem
Magensaft und künstlichem Darmsaft untersucht (6). Dazu wurden eine
Eisenfreisetzungsapparatur und entsprechende Puffer nach DAB 10 verwendet.
Abb. 3 zeigt Eisen-Freisetzungskurven von deutschen Präparaten aus dem
Jahr 1996. Einige dieser Präparate sind weiterhin auf dem Markt, andere
gibt es so nicht mehr.
Eine Gruppe
von Präparaten setzt in saurem Milieu sehr schnell 80-100 % der
Wirkstoffmenge frei (Abb. 6.3A). Bei einigen Präparaten wird nur die Hälfte,
bei einer ganzen Gruppe unter diesen Bedingungen nur sehr wenig Eisen
freigesetzt (Abb. 6.3B). Insbesondere
bei den Präparaten 9,12,13 in Abb. 6.3B, die unter diesen Bedingungen
praktisch inert sind, kann man eine sehr schlechte Bioverfügbarkeit
voraussagen. In anderen Fällen ist allerdings fraglich, inwieweit die
Daten der in-vitro-Eisen-Freisetzung wirklich repräsentativ sind für die
in-vivo-Bioverfügbarkeit. Dafür braucht man andere Methoden (Textblock), die in-vivo am Menschen die
Bioverfügbarkeit von Eisen messen (8). Als Referenzmethoden gelten nach wie vor Methoden, bei denen radioaktiv
markierte Präparate eingesetzt werden. Insbesondere in Verbindung
mit einem Ganzkörperradioaktivitätszähler kann die 59Fe-Ganzkörperretention
als Maß für die intestinale Absorption exakt gemessen werden (2,3). Eine
gute Bioverfügbarkeitsmethode ist auch der direkte Vergleich von zwei Präparaten
über die Messung der Erythrozyteninkorporation von Eisen aus den Präparaten
nach ca. 10 Tagen (2,9). Dabei kann die Aktivität von 55Fe und 59Fe in Erythrozyten leicht nebeneinander gemessen werden, ohne dass ein
Ganzkörperzähler notwendig ist. Methoden
zur Messung der Eisenbioverfügbarkeit In-vitro-Versuch ·
In-vitro
Eisenfreisetzung-Versuche (Lit 6) ·
Caco-2
Zellkulturmodell (Lit 7) Applikation einer Einzeldosis ·
59Fe-Absorption aus 59Fe-markierten
Präparaten mit Hilfe eines Ganzkörperzählers (absolute Bioverfügbarkeit)
(Lit 3, ·
Erythrozyteninkorporation
von radioaktiven (59Fe, 55Fe) oder stabilen Isotopen
(57Fe,58Fe) im Vergleich zu einer ebenfalls mit dem
jeweils anderen Isotop markierten Referenzverbindung, z.B. Eisensulfat
(relative Bioverfügbarkeit)
(Lit 2,9-11) ·
Postabsorptions-Serum-Eisen-Anstiegskurven (Lit 12-14) Therapiestudien ·
Hämoglobin-Regenerationsrate
bei Patienten mit Eisenmangelanämie unter Eisentherapie ( therapeutische Effektivität)
(Lit. 16, 19) ·
Ferritinanstieg
(evtl. Ferritinindex) nach Therapieinterval Diese Methoden zur Bioverfügbarkeitsbestimmung sind
von der Syntheseseite heute sehr aufwendig (Problem der identischen
Galenik), benötigen einen Ganzkörperzähler, wie es nur noch wenige
gibt, und sind durch die Verwendung von 59Fe für diesen Zweck
ethisch problematisch und heute kaum
noch genehmigungsfähig. Die Erythrozyteninkorporationsmethode kann auch ganz
ohne Strahlenbelastung mit stabilen Isotopen (54Fe, 57Fe, 58Fe) und
massenspektroskopischer Analyse durchgeführt werden.
Hiermit werden sogar Untersuchungen an Kindern und Schwangeren möglich
(10,11). Standardmethode zur Messung der Bioverfügbarkeit
ist heute die Messung von Postabsorption-Serum-Eisen-Anstiegskurven
(12-14). Diese Methode ist einfach aber weniger empfindlich als die 59Fe-Methode
und erfordert vor allen Dingen sachgerechte Rahmenbedingungen. Wird eine
zu hohe Dosierung eingesetzt (z.B. 200 mg Fe), liefern praktisch alle
Eisenverbindungen ausreichend Eisen ins Plasma, sodass keinerlei
Unterschiede mehr nachgewiesen werden können.
Dieser Punkt ist wichtig für eine Beurteilung von Studien, da
heute viele Eisenverbindungen, auch in Zulassungsstudien, mit dieser
Methode analysiert werden. Der Anstieg
von Ferritinwerten erfolgt erst nach der Normalisierung der Hb-Werte
und ist individuell etwas variabel. Unbedingt sollte die orale
Eisentherapie für mindestens eine Woche abgesetzt sein. Bei parenteraler
Eisentherapie ist Ferritin oft falsch zu hoch, weil hier Makrophagen als
Hautquelle des Serum-Ferritin-Bereitstellung bevorzugt dieses Eisen
speichern. Umrechnungsfaktoren von Ferritin in Eisenspeicher, wie 1 µg
Serum-Ferritin = 8 mg Eisenspeicher (15), sind von Studie zu Studie
unterschiedlich und insgesamt zu ungenau als quantitatives Mass. Besser
geeignet wäre der Ferritinindex (sTfR/log Ferritin). In Therapiestudien
kann die Wirkung von Eisenpräparaten direkt an der Zielgruppe, Patienten
mit Eisenmangelanämie, untersucht werden.
Das hat auch den Vorteil, dass nicht nur eine Einzeldosis, sondern
ein ganzes Therapieinterval beurteilt werden kann. Der Nachteil ist
allerdings, dass Patienten mit Eisenmangelanämie ein Grundproblem
mitbringen, nämlich dass die offensichtlich negative Eisenbilanz durch
Blutverluste verursacht wird, die auch im Untersuchungszeitraum weiter
bestehen können und die Eisenbilanz unter Therapie unerkannt beeinflussen
können (16).
Therapiestudien mit Eisen optimal
•
Patienten mit gut definierter Eisenmangelanämie •
Dosis 100 mg Fe(II)/Tag •
Hämoglobinregeneration messen (max möglich 1 g Hb-Anstieg
/dl/Woche) •
Blutverluste in der Eisenbilanz berücksichtigen weniger
geeignet •
Patienten nur mit Speichereisenmangel •
inadäquat hohe Dosen • Ferritinanstieg messen
Eisen-Präparate
mit schneller Freisetzung Gegenwärtig
sind nur wenige aktuelle Eisenpräparate ausreichend gut auf die Bioverfügbarkeit
untersucht. Die meisten Erfahrungen zu diesem Thema sind gut 20-30 Jahre
alt, sind aber durchaus auch heute noch informativ, weil sie einige
grundlegende Eigenschaften von oralen Eisentherapeutika aufgezeigt haben. Heinrich
et al haben zwischen 1970-1990 eine Reihe von Bioverfügbarkeitsstudien
von kommerziellen Eisenpräparaten an Testpersonen mit normalen
Eisenspeichern und an Blutspendern mit erschöpften Eisenspeichern
durchgeführt (3, 16,17) Die
Präparate wurden entweder vom Hersteller mit 59Fe markiert
oder durch Neutronaktivierung von kommerziell erhältlichen Proben
radioaktiv erhalten. Die
Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Eisen-Präparaten.
Eine Gruppe von diesen Medikamenten setzen Eisen schnell frei und zeigten
sowohl bei Normalpersonen (7.5-8.5 %) als auch bei Eisenmangel (14-18 %
aus der 100 mg Dosis)
eine hohe Absorption und im Vergleich zur Referenz (lösliches
Eisenascorbat) eine hohe relative Bioverfügbarkeit.
Die
Ergebnisse der Studien mit 59Fe-markierten
Präparate wurden zeitgleich von Dietzfelbinger mit der Methode der Postabsorptions-Serum-Eisen-Anstiegskurven
verglichen und die gleichen
drei Gruppen mit unterschiedlicher Bioverfügbarkeit gefunden (12).
„Quick-release“-Präparate mit schneller Wirkstofffreisetzung
sind wirksam, stehen aber im Verdacht, durch die Freisetzung von Eisen im
Magen, vermehrt zu Unverträglichkeitsreaktionen zu führen. Eine
Besonderheit ist ferro sanol®
duodenal, bei dem der Wirkstoff in Mikropellets gepresst ist, die mit
einem säureresistenten Lack überzogen sind. Bei diesem Präparat geht
die Gelatine-Steckkapsel im Magen auf, der Wirkstoff wird aber erst bei
dem neutralem pH im Duodenum freigesetzt. Aufgrund der großen Oberfläche
geschieht dies relativ schnell, der Hersteller spricht von einem
„quick-duodenal-Release“-Präparat. Eisen-Präparate
mit verzögerter Eisenfreisetzung Da
Eisen nicht im Magen- sondern vorwiegend im Duodenum absorbiert wird,
wurde schon frühzeitig begonnen, Präparate mit verzögerter Freisetzung
zu entwickeln, um sie für den Patienten besser verträglich zu gestalten.
Dies geht aber oft zu Lasten einer relativ schlechten Bioverfügbarkeit,
wie schon von Heinrich gezeigt wurde (è
Tabelle
6.2). Das oben erwähnte ferrosanol
duodenal® duodenal ist ein gelungener Versuch, die Verträglichkeit
zu verbessern und dabei die Bioverfügbarkeit möglichst zu erhalten. Bei
allen diesen Präparaten kann man im Einzelfall keine theoretischen
Vorhersagen machen, wie gut verträglich und wie wirksam diese Präparate
in der Praxis wirklich sind. Hier ist es also besonders wichtig, dass die
Bioverfügbarkeit hinreichend untersucht wird. Wir
haben in verschiedenen Studien, die therapeutische Wirksamkeit von Eisenpräparaten
in Patienten mit Eisenmangelanämie untersucht (6,15). Es handelte sich
dabei um Patienten, bei denen die Ursache für eine Eisenmangelanämie
unklar war und die in unsere Eisenstoffwechselambulanz zur Quantifizierung
von möglichen Blutverlusten überwiesen wurde. Alle Patienten erhielten
eine kleine Dosis 59Fe(II)-Ascorbat
(0. 56 mg=10uMol) oral auf nüchternen Magen. Mit dieser Testdosis kann
nach 7-10 Tage der Anteil von retiniertem Eisen
im Ganzkörper gemessen werden. Im Regelfall werden bei Eisenmangelanämie
> 90 % der Dosis bei Eisenmangelanämie absorbiert und in das Hämoglobin
neugebildeter, im Blut zirkulierender
Erythrozyten eingebaut. Durch Messung der 59Fe-Ganzkörperretention
(normal < 0.08 %/Tag) und
der 59Fe-Blutaktivität im weiteren Verlauf kann individuell
ein bestehender Blutverlust nachgewiesen und zwischen den Messintervallen
genau quantifiziert werden (untere Nachweisgrenze ca. 3-4 ml/Tag). Im
Beobachtungszeitraum von 6-10 Wochen wurde mit einem oralen Eisenpräparat
therapiert und der Hämoglobinverlauf verfolgt. Aus dem individuell
gemessenen Blutverlust, der Blutaktivität, dem Blutvolumen und dem
Hb-Anstieg kann die so genannte Eisenutilsation (mg/Tag) berechnet werden,
ein Maß wie viel Eisen aus der Dosis des jeweiligen Medikamentes für die
Neublutbildung verwendet werden kann. In
diesen Studien zeigten sich immer wieder, dass > 80 % der anämischen
Patienten weiter Blut verlieren (Hypermenorrhoe, gastrointestinale
Blutverluste). Kann man in Studien diesen Eisenverlust nicht bestimmen,
dann unterschätzt der gemessene Hämoglobinanstieg substantiell die
berechnete Fe-Utilisation.
Tabelle
3 zeigt den Vergleich von verschiedenen oralen Eisenpräparaten in der
Therapie von Patienten mit Eisenmangelanämie (Daten aus 6,15, 18, oder
unpubliziert) über 6-10 Wochen.
Von
gut bioverfügbaren Eisenpräparaten werden danach im Mittel 10-15 mg
Eisen aus einer Tagesdosis von 100 mg Eisen aufgenommen und der
Erythropoese zur Verfügung gestellt. In der Praxis findet sich kein
Unterschied zwischen einem „Quick-release“-Präparat wie Eryfer® und zwei Präparaten mit etwas verzögerter
Eisenfreisetzung, die eine verbessere Verträglichkeit für sich
reklamieren, ferro sanol® duodenal und Tardyferon®.
Hershko
et al haben unlängst bei einer Gruppe von 39 Patienten mit Eisenmangelanämie
und Helicobacter-Pylori-Infektion ferro sanol®
duodenal im Vergleich zu anderen oralen Eisenpräparaten eingesetzt. 33
von 39 Patienten zeigten während 1 bzw 3 Monaten einen Hb-Anstieg von
> 2 g/dl gegenüber 18 von 39 in der Vergleichsgruppe (19).
Dass
es Unterschiede zwischen verschiedenen zweiwertigen Eisenpräparaten gibt
zeigt auch das Beispiel von Ferrokapsul, einer Fe(II)-Fumarat-Verbindung,
die inzwischen vom deutschen Markt genommen wurde (s.
Tab. 3, Abb. 3). Abb.
3 zeigt die Therapie bei einem Patienten mit einer chronischen Blutung aus
dem Dünndarmbereich.
Die Therapie mit Ferrokapsul®
kann die Anämie nicht auffangen, der Hb-Wert fällt weiter ab. Die
Therapie mit ferro sanol® duodenal
schafft dies problemlos, der Hb-Wert normalisiert sich langsam trotz der
fortbestehenden Blutverluste.
Eisen-(III)-Präparate
Seit
Anfängen der oralen Eisentherapie ist bekannt, dass Eisen(III)-Präparate
schlechter wirksam sind als Eisen(II)-Präparate (1,2). Der Grund ist zum
einen in der extrem schlechten Löslichkeit von Eisen(III)-Hydroxid im
alkalischen Milieu zu sehen, zum anderen ist der DMT1-Transporter
bekanntermaßen spezifisch für Fe2+
gegenüber
Fe3+. Alle unabhängigen Studien zur Bioverfügbarkeit von
oralen Eisenpräparaten haben immer wieder gefunden, dass dies so ist und
dass keine galenischen Verbesserungen das grundlegende Problem der
falschen Oxidationsstufe lösen kann (3, 10, 16, 18).
Bei dieser klaren Ausgangslage ist es eigentlich überraschend,
dass Eisen(III)-Präparate immer
noch auf dem pharmazeutischen Markt vertreten sind, in einigen Ländern
sogar substantiellen Anteil am Markt haben. Auch in Deutschland wird ein
Eisen(III)-Hydroxid-Polymaltose-Komplex (Ferrum
Hausmann® Lösung) über Apotheken vertrieben. Es handelt sich dabei
um einen gut löslichen Eisen(III)-oxid-Hydroxid-Komplex mit Polymaltose.
Eisen wird daraus im Wesentlichen durch Reduktion freigesetzt, ansonsten
ist der Komplex in Säuren und Basen relativ stabil und wird beim Menschen
nur sehr schlecht aufgenommen. Das ergibt sich aus Daten von Heinrich mit
einem neutronaktiviertem Präparat (siehe
Tab. 2.), sowie von Kaltwasser, dem ein von der Firma 59Fe-markiertes Präparat
(3,18). Dazu passend fanden Therapiestudien an Patienten mit Eisenmangelanämie
ein praktisch komplettes Therapieversagen, wenn nüchtern appliziert wird
(Abb. 4) (16).
Vitamin
C in der Nahrung kann möglicherweise etwas Eisen aus dem Komplex durch
Reduktion herauslösen, sodass bei Einnahme des Präparates mit der
Nahrung die Wirkung etwas größer zu sein scheint (16, 18). Die
durchweg schlechten Ergebnisse mit Eisen(III)-Hydroxid-Polymaltose wurden
durch eine Studie aus Indien an Kindern mit Eisenmangelanämie bestätigt.
Das besondere an diesem Präparat ist, dass die Firma dieses Präparat
intensiv mit offensichtlich gesponserten Studien unverdrossen und
aggressiv weiter fördert. 2007 ist ein komplettes Heft der Zeitschrift
Arzneimittelforschung/Drug-Research erschienen,
das ausschließlich positive Beiträge zu diesem Präparat bringt. In
einer Meta-Analyse wird die hohe Wirksamkeit dieses Präparates scheinbar
dokumentiert, allerdings fehlen dabei alle hier angeführten unabhängigen,
kritischen Stimmen zu diesem Präparat (22). Nach
unserer Meinung gilt zusammenfassend für alle Lösungen , die
Eisen(III)- Hydroxid-Polymaltose-Komplex enthalten, dass auch dieses
Eisen(III)-Präparat oral genommen schlecht wirksam ist. Dieses Präparat
liefert etwas mehr Eisen als das Nahrungseisen alleine, sodass eine
Therapie bei nicht sehr hohem Eisenbedarf auf Dauer eine gewisse
Wirksamkeit zeigen wird. Bei der Beurteilung von entsprechenden
Firmenstudien ist deshalb auf eine Kontrollgruppe besonders zu achten, die
wirklich mit einem wirksamen Präparat in geeigneter Dosierung behandelt
wird. Für
den typischen Patienten mit Eisenmangelanämie ist das Versagen dieses Präparates
aber hinreichend deutlich belegt, weil es nicht die ausreichenden Mengen
an Eisen in kurzen Intervallen
zur Verfügung stellen kann. In allen anderen Fällen sollten
Kosten/Nutzen-Überlegungen davon abraten, dieses unwirtschaftliche Präparat
zu verwenden. Empfehlungen
für eine bedarfsangepasste Therapie Bei
Eisenmangel mit und ohne Anämie wird als Therapie der Wahl uneingeschränkt
die orale Eisentherapie empfohlen. Es sollten nur Präparate verwendet
werden, deren Wirksamkeit man gut von Therapie bei früheren Patienten
kennt bzw. die ihre Qualität in unabhängigen Studien nachgewiesen haben.
Orale Eisentherapie ·
Anfangsdosis. 100 mg/Tag, morgens nüchtern eingenommen mit viel
Wasser, evtl. Apfel- oder Orangensaft, keinesfalls mit Tee, Kaffee oder
Milch einnehmen ·
Hb-Anstieg nach > 7 Tagen zu erwarten, maximal 1 g/dl pro Woche ·
bei blutenden Patienten Steigerung auf 2x, oder 3x 100 mg/Tag ·
bei Nebenwirkungen: 1.) Einnahmezeitpunkt ändern auf mittags oder
abends, 2.) Dosis auf den Tag
verteilen, 3. evtl. anderes slow-release-Präparate einsetzen, 4.)
notfalls zusammen mit Mahlzeiten einnehmen (=geringere Wirksamkeit) ·
bei Unwirksamkeit/Unverträglichkeit: i.v.-Eisentherapie mit
Fe-Sucrose (Venofer®) oder Fe-Carboxymaltose (Ferinject®)
Was
in der Literatur wenig bekannt ist, wie gut die Bioverfügbarkeit einer
Eisentherapie durch die vorhandene Blutverluste eingestellt werden kann
(Abb. 6.4). Je
höher der Bedarf an Eisen für die Blutneubildung ist, desto mehr Eisen
wird aus einer effektiven Eisentherapie absorbiert. Dadurch reguliert sich
die orale Eisentherapie in gewissen Grenzen selbstständig.
Klar
ist dabei, dass die Einnahme täglich erfolgen muss, um die volle
Wirksamkeit zu erhalten. Es wird insbesondere in Studien in der 3. Welt
intensiv diskutiert, dass eine oder zwei wöchentliche Einnahmen genauso
effektiv wären wie die tägliche. Dies ist nach Versuchen mit 59Fe-Präparten
eindeutig widerlegt und entspricht auch nicht der Erfahrung mit Patienten
mit Eisenmangelanämie. Die tägliche und nüchterne Einnahme von oralem
Eisen ist effektiver als einmal wöchentlich und/oder mit der Mahlzeit
(23,24).
Unverträglichkeiten,
adverse Reaktionen auf eine orale Eisentherapie stellen ein übertriebenes
und gleichzeitig ein in Vergessenheit geratenes Thema dar. Übertrieben in
so fern, als das eine angebliche geringe orale Intoleranz aktuell immer
wieder als Begründung herhalten muss für die Notwendigkeit einer
parenteralen Eisentherapie mit neu entwickelten, meist teuren Eisenpräparaten.
In Vergessenheit geraten deshalb, weil unsere wissenschaftlichen
Erkenntnisse ganz überwiegend aus Studien vor 1975 stammen; seither gibt
es nur wenige neue Publikationen. Als
Grundlage des Wissens über Nebenwirkungen einer oralen Eisentherapie
gelten umfangreiche Studien von Hallberg und Sölvell aus den 60iger und
70ger-Jahren des letzten Jahrhunderts an über 2000 Personen (26, 2).
In verschiedenen Testserien wurde Eisensulfat als Referenzstandard
verwendet. Die tägliche Dosis war mit entweder 3 x 60 mg Fe/Tag oder 3 x
75 mg/Tag relativ hoch. Nebenwirkungen
werden durch eine hohe Konzentration von ionischem Eisen (Fe2+)
im Darm hervorgerufen (Tabelle 6.4) und sind deshalb meistens
gastrointestinaler Art, wie
z.B. Übelkeit, Sodbrennen, Verstopfung, Durchfall. Der Absorptionsvorgang
muss eine wichtige Rolle daran spielen, denn nicht-bioverfügbare Eisenpräparate
zeigen eine sehr geringe Nebenwirkungsrate. Die Untersuchung von Eisenpräparaten
sollte deshalb in Studien erfolgen, die gleichzeitig die Bioverfügbarkeit
und die Nebenwirkungen untersuchen. Wegen der Häufigkeit von
unspezifischen Beschwerden in Medikamentenstudien ist dabei unabdingbar,
dass das Studiendesign einen Placeboarm vorsieht, wünschenswert wäre
auch eine positiv-Kontrolle in Form eines bekannten Eisenpräparates (2).
Nebenwirkungen
einer oralen Eisentherapie
Nach
Placeboeinnahme gaben 12.4-13.9 % der Probanden gastrointestinale
Nebenwirkungen an. Eine Eisentherapie oberhalb von 100 mg Fe/Tag erzeugten
häufigere Beschwerden (20-30 % der Fälle) als Placebo. Ein Beispiel mit
den Symptomen Übelkeit und epigastrische
Schmerzen zeigt Abb. 5.
Abb.
5.
Häufigkeit der Symptome Übelkeit und epigastrische
Schmerzen nach zunehmenden Dosen von Eisen(II)-Sulfat-Tabletten über
2 Wochen (nach Hallberg et al.
Lit. 26) Es
gab keine signifikanten Unterschiede zwischen verschiedenen
Eisenverbindungen wie Eisen(II)-Sulfat-,
-Fumarat, - Glukonat,-, Eisen(II)-Glycin-Sulfat,
Eisen(II)-Sulfat plus Bernsteinsäure, Eisen(II)-Succinat (Abb. 6.5). Bis
zu 10 % der Personen brachen die Therapie über 2 Wochen ab. Vitamin
C, als Zusatz zu Eisenpräparaten, steigerte in einer kleinen Serie aus 30
Probanden die Häufigkeit von angegebenen Nebenwirkungen (27). Ähnlich
wirkten auch andere Zusätze wie Sorbitol, Mannitol oder Xylose, die als
Stimulatoren der Absorption ausprobiert wurden. Es
wurden verschiedene Versuche unternommen, die Inzidenz von Nebenwirkungen
dadurch zu verringern, dass „slow-release“-Präparate konzipiert
wurden, die jeweils nur langsam Eisen freisetzen.
Abb.
6. Häufigkeit von
Nebenwirkungen nach Gabe von verschiedenen Eisenverbindungen. Dosis
jeweils 3 x 60 mg Fe/Tag (nach 26) Es
kann postuliert werden, dass wenn Eisen aus einem Präparat nicht
freigesetzt wird, bevor es den Magen passiert hat,
es zu weniger Nebenwirkungen kommt. Allerdings gefährdet diese
verzögerte Wirkstofffreisetzung eine möglichst hohe Bioverfügbarkeit.
Einige solcher Präparate sind nur offenbar sehr schlecht wirksam (28).
Andere scheinen bei akzeptabler Wirksamkeit auch eine bessere Verträglichkeit
zu haben. Insbesondere für diese aufwendigen Eisenpräparate ist der
individuelle Nachweis einer verbesserten Verträglich bei gleichzeitig
gegebenen hohen Wirksamkeit unbedingt erforderlich.
Am Bespiel des Eisen(III)-Hydroxy-Polymaltose-Komplexes kann man in
der Literatur viele Aussagen über eine optimale Verträglichkeit finden,
während kritische Studien diesem Präparat bis heute unwiderlegt eine
praktisch nicht-vorhandene Bioverfügbarkeit bescheinigen.
Neuere,
detaillierte Studien über die Toleranz von oralen Eisenpräparaten im
Vergleich sind eher Mangelware. Hier gibt es meist nur Angaben zu
einzelnen neuen Präparaten. In
einer Studie aus dem Jahr 1993 wurden z.B. 549 Patienten mit Eisenmangel
60 Tage mit einem Präparat Eisen-Protein-Succinate-Komplex behandelt
(Dosis 2x 60 mg/Tag) und mit einer Kontrollgruppe aus 546 Patienten, die
mit einer kommerziellen Medikation von „controlled-release“
Eisen(II)-Sulfat (1x 105 mg) behandelt wurde, verglichen. Bei gleicher
Wirksamkeit gaben 63 Patienten
(11.5%) aus der untersuchten Gruppe 69 adverse Reaktionen an (25 mal
Sodbrennen, 19 Verstopfung, 25 abdominale Schmerzen) gegenüber 141
Ereignissen in der Kontrollgruppe bei 127 Patienten (26.3%) (33 mal
Sodbrennen, 31 epigastrische Schmerzen, 23 Verstopfung, 32 abdominale
Schmerzen, 8 Hautausschläge, 14 Übelkeit). (29). Bei dieser Studie fällt
die Häufigkeit von Nebenwirkung in der Kontrollgruppe untypisch hoch für
Eisen(II)-Sulfat bei dieser Dosierung auf, während die Häufigkeit in der
verum-Gruppe der Placeborate entspricht. Eine
andere Art von aktuellen Studien zu Nebenwirkungen von oraler
Eisentherapie ist der
Vergleich mit einem parenteralen Eisenpräparat. In diesen Studien soll
die bessere Verträglichkeit der jeweiligen i.v. Gabe nachweisen werden,
was meist problemlos gelingt, weil hierbei
keine gastrointestinalen Nebenwirkungen zu erwarten sind.
Ein Beispiel ist eine Studie von Schröder et al. in
der 46 Patienten mit Eisenmangelanämie entweder Eisen-Sucrose i.v. über
5 Wochen oder oral Eisen(II)-Sulfat (100-200 mg Fe/Tag) über 6 Wochen
erhielten. Bei ansonsten gleicher Wirksamkeit (Hb-Anstieg) brachen 5
Patienten (20.8 %) die orale Eisentherapie ab, während nur 1 Patient (4.5
%) aus der i.v.-Gruppe wegen Nebenwirkungen nicht weiterbehandelt wurde
(30). Auch hier stellt sich die Frage nach einer ungewöhnlich hohen Zahl
von Nebenwirkungen in dem oralen Arm.
Zusammenfassung Eine
orale Eisentherapie führt nicht außergewöhnlich häufig zu Unverträglichkeitsreaktionen.
Eine normal dosierte Eisentherapie von 100 mg Fe(II)Tag dürfte bei den
meisten Eisenpräparaten im Rahmen der Placebo-Nebenwirkungsrate von 12-14
% liegen. Nach unserer Erfahrung ist die Aufklärung des Patienten über Sinn und Dauer einer Eisentherapie besonders wichtig, um die Akzeptanz der Therapie zu erhöhen. Hilfreich dabei die Information, dass Eisen kein übliches Medikament ist, sondern ein essentielles Spurenelement, das dem Patienten bei Eisenmangel fehlt. Häufig sind Reaktionen wie Verstopfung oder Durchfall auch transienter Art, weil sich die Darmbakterien auf die hohe Eisendosierung im Dickdarm einstellen müssen.
Wege, um eine adverse Effekte einer Eisentherapie
zu minimieren •
Aufklärung über den Sinn und notwendige Dauer
einer Eisentherapie •
keine unnötig hohen Dosis (Tagesdosis meist 100 mg Fe/Tag
ausreichend) •
Einnahmezeitpunkt vor
dem Mittagessen oder vor dem Abendessen •
Tagesdosis in mehrere
Portionen auf den Tag verteilen •
Wechsel zu anderem Eisenpräparat • Einnahme zusammen mit der Mahlzeit (setzt die Wirksamkeit um 40-60 % herab!)
Parenterale
Eisentherapie Verfolgt
man aktuell die Literatur zu Eisentherapie, so beschäftigen sich gegenwärtig
weitaus die meisten Studien mit der parenteralen Eisentherapie, obwohl
diese z.Zt. in der ärztlichen Praxis (noch?) eine untergeordnete Rolle
spielt. Aktuelle Zahlen für den deutschen Markt weisen für 2008
einen Umsatz von 5 Mill
Packungseinheiten orale Eisenpräparate gegenüber 549.000 Einheiten für
parenterale Fe aus. Kostenmäßig verschiebt allerdings der wesentlich höhere
Preis für i.v. Fe-Präparaten das Bild
allerdings deutlich (66 Mill Euro für oral gegenüber 34 Mill für
parenteral ) bereits deutlich. Parenterale
Eisentherapie meint eigentlich die intravenöse Eisentherapie, denn die
i.m. Injektion von Eisenverbindung gilt nach Stand der Wissenschaft als
obsolet, obwohl dazu auch neuere Publikation erscheinen (31). Eisen i.m.
ist schmerzhaft, verursacht offenbar Sarkome und führt zu permanenten
Hautverfärbung und ist damit deutlich Nebenwirkungsreicher als die
i.v.-Therapie. sich
offenbar durch das Interesse von Pharmafirmen, die Indikation für diese
relativ teuren Präparate in Richtung first-line-Therapie zu erweitern.
Dafür wurden und werden neue Produkte entwickelt, die sicherer in der
Anwendung sind. In Deutschland sind gegenwärtig vier Präparate
zugelassen, darunter das
relativ neue Präparat Eisen(III)-Carboxymaltose, das eine Infusion von
hohen Mengen Eisen (bis zu 1000 mg Eisen pro Sitzung) ermöglicht (Tab.
5). #
pro 1 Million Anwendungen
Tabelle 6.5: Eigenschaften von i.v.-Eisenpräparaten auf dem Deutschen Pharmamarkt (Stand Aug. 2008, Quelle Rote Liste)). Alle
diese Präparate enthalten hochmolekulare Eisenverbindungen, einen
polymerenEisen(III)-Oxid-Hydroxid-Kern verbunden mit einer Kohlenhydrathülle,
die in wässriger Lösung kolloid gelöst sind. Nach i.v.-Therapie ist die
Stabilität dieser Verbindungen im Plasma unterschiedlich, Eisen-Dextrane
und Eisen-Carboxymaltose sind sehr stabil und geben z.B. kein ionisches
Eisen an Apotransferrin ab, während Ferrlecit und Venofer schnell zu
hohen Transferrin-Eisen-Sättigungen führen. Besonders die großen
Verbindungen werden hauptsächlich von Makrophagen aufgenommen und im
RES-System der Leber gespeichert. Durch Reduktion wird intrazellulär in
Lysosomen Fe2+ gebildet, das über normale
Eisentransportmechanismen über DMT1 aus Lysosomen, über Ferroportin aus
der Zelle heraustransportiert werden kann und für die Bindung an
Transferrin zur Verfügung steht. Anerkannte
Indikation für eine parenterale Eisentherapie ist die Behandlung von
Eisenmangelanämie bei Patienten unter chronischer Hämodialyse (32-34).
Eine Eisensupplementation ist hier notwendig, um die Erythropoese unter
einer exogenen Gabe von rekombinantem humanen Erythropoetin (r-HuEPO)
ausreichend mit Eisen zu versorgen. Da bei Dialysepatienten die
intestinale Absorption trotz Eisenbedarf und Eisenmangel häufig nicht adäquat
hochreguliert ist, sind viele Patienten auf eine intravenöse
Eisentherapie angewiesen. Empfohlene
Richtgrößen bezüglich Hb-Wert eine Eisenparameter sind in Tabelle 6.5
dargestellt, wobei klar ist, dass die Definition von Eisenmangel bei
Patienten mit renaler Anämie sehr problematisch ist. Ein
Ferritinwert > 500 ng/ml wird üblicherweise als Abbruchkriterium für
eine Eisentherapie gesehen.
Indikationen
für eine intravenöse Eisentherapie •
Patienten mit renaler Anämie unter r-HuEPO-Therapie •
Patienten mit M. Crohn/Colitis ulcerosa • Therapieversager einer orale Eisentherapie In
der DRIVE-Studie („Dialysis patients’ response to i.v. iron with
elevated ferritin“) wurden aber 134 Patienten mit hohen Ferritin
(500–1200 ng/ml) bei niedriger Transferrineisensättigung (< 25 %)
mit rHuEPO und nach 6 Wochen mit 8x 125 mg Eisen (Ferrlecit) behandelt
(35). Gegenüber einer Kontrollgruppe kam es zu einem signifkanten
Hb-Anstieg, was auf einen vormals funktionellen Eisenmangel bei diesen
Patienten hindeuten würde.
*
Working
Group of European Renal Best Practice (ERBP)
# Kidney
Disease Outcome Quality Initiative KDOQI Tabelle
6. Empfehlungen zur Eisentherapie bei chronischen renaler Anämie in
Verbindung mit r-HuEPO-Therapie Eine
weitere Indikation für i.v.-Fe sind Patienten mit chronisch entzündlichen
Darmerkrankungen. Eine orale
Eisentherapie ist hier zwar wirksam, aber orales Fe(II) kann hier
eventuell aktiv am Entzündungsprozess teilnehmen, was an erhöhten
Parametern für oxidativen Stress bei diesen Patienten erkennbar ist (36).
Eine
schon immer gegebene Indikation sind Fälle, in denen die orale
Eisentherapie nicht wirksam ist oder wegen Nebenwirkungen abgebrochen
werden müssen. Hier sollte die i.v.-Therapie als second-line treatment
durchgeführt werden, um Bluttransfusionen als „ultima ratio“ zu
vermeiden. Nebenwirkungen
einer parenteralen Eisentherapie Die
intravenöse Eisentherapie wird seit mehr als 50 Jahren besonders von
vielen älteren Experten für relativ gefährlich gehalten, hauptsächlich
wegen der Berichte über schwere anaphylaktische Reaktionen mit
Todesfolge. Diese betrafen früher
das schlecht charakterisierte hoch-molekulare Eisen-Dextran-Präparat Imferon (inzwischen vom Markt),
und gelten heute offenbar noch für das hoch-molekulare
Eisen-Dextran Dexferrum®, das
in den USA aktuell (noch) zugelassen ist. Bei den neueren,
niedermolekularen Präparaten wie Ferrlicit®
oder Venofer® sind diese Reaktionen
deutlich seltener geworden, bzw. treten wohl gar nicht mehr auf
(Abb. 7) (31, 37)
Von
dem neuen Präparat Ferinject®
gibt es diesbezüglich noch keine Angaben. Der Hersteller ist offenbar
sehr optimistisch, das optimale Eisenpräparat anbieten zu können (39). Was
von allen i.v.-Präparaten weniger bekannt ist und weniger beachtet wird,
ist die genaue Metabolisierung dieser hochmolekularen Verbindungen
in-vivo. Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die zeigen, dass
diese Moleküle im Blut und in Zellen unterschiedlich schnell Eisen
freisetzen und dass dadurch durchaus adverse Reaktionen hervorrufen werden
können (40, 41). Besonders von stabilen Verbindungen kann es auch zu
einer Speicherung von Eisen in langlebigen Zellen kommen, deren
medizinische Relevanz momentan vollkommen unklar ist. Genau
genommen gilt dies auch für orale Eisentherapie.
Wir haben unlängst eine Fraktion von nicht-transferrin-gebundenem
Eisen im Plasma von Freiwilligen nach Einnahme von 100 mg Eisen
nachgewiesen, die potentiell katalytisch aktiv sein kann (42). Diese
Effekte sind nach parenteraler Therapie auch bekannt und zwar in weitaus höheren
Konzentrationen (43). Ein
weitere Effekt ist Möglichkeit einer „iatrogenen“ Eisenüberladung
durch eine parenterale Eisentherapie. Vor 40-Jahren wurde bereits für
diese Speicherung von Eisen der Begriff „residuelle Endothelsiderose“
geprägt (41). Wenn man mit
Ferinject® pro Sitzung 1000 mg Eisen infundiert, dann besteht ein hohes
Risiko eine „iatrogen bedingte Eisenüberladung“
zu erzeugen. Es sein daran
erinnert, dass man an anderer Stelle aktuell mögliche Schäden einer
Eisenüberladung als Cofaktor bei Arteriosklerose, Krebsentstehung,
Diabetes intensiv diskutiert (44). Genaue
Richtlinien und diagnostische Parameter sind zukünftig notwendig, um
genau dies zu verhindern. Zumindest
bei Patienten mit chronischer Anämie ist der
Ferritinwert dafür denkbar ungeeignet, wenn Werte um 1000 ng/ml im
Einzelfall Eisenüberladung aber auch funktioneller Eisenmangel bedeuten können.
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