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Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Interdisziplinäre, klinische Gruppe Eisenstoffwechsel" Eisenstoffwechselambulanz, UKE- Haus N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389; Fax 040-7410-54797; |
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Obwohl
entsprechende diagnostische Kriterien seit
Jahrzehnten bekannt sind,
gibt es bis heute keine weltweit akzeptierte Einteilung für Eisenmangel.
Im Folgenden werden die gängigsten Konzepte vorgestellt.
Prälatenter, latenter und manifester Eisenmangel
Eine
schlüssige und praxisbewährte rein diagnostische Einteilung stammt von Hausmann und Heinrich aus den
70-ziger Jahren (30). Dabei wurden die klassischen Blutparameter (Serum
Ferritin, Hämoglobin, Serum Eisen, Transferrin) mit aufwendigeren
Techniken wie histochemische Beurteilung von Eisen in
Knochenmarksausstrichen, der 59Fe-Absorption, erschöpfende
Phlebotomien an 425 Patienten verglichen. Die Hochregulation der
intestinalen Eisenabsorption beginnt bereits bei der Entleerung der
Eisenspeicher, was zuverlässig am Absinken des Serum-Ferritins bei
normalem Hämoglobin erkannt werden kann. Dieses Stadium wird als prälatenter Eisenmangel bezeichnet (Abb.
4). .
Abb.
3.4.
Diagnostische Parameter bei Eisenmangel mit und ohne Anämie nach
Hausmann und Heinrich. 1, prälatenter Eisenmangel; 2. latenter
Eisenmangel; 3. manifester Eisenmangel. Mit den Parametern Hämoglobin,
Serum-Ferritin, Serum-Eisen und Transferrin kann man den typischen
Eisenmangelpatienten ausreichend genau beschreiben.
Sind
die Eisenspeicher erschöpft, so wird in einer weiteren Stufe der relativ
kleine Transporteisenpool beeinträchtigt (latenter Eisenmangel). Dies kann an Patienten mit normaler Hämoglobinkonzentration
an den erniedrigten Werten für Serum-Eisen und Transferrin-Eisen-Sättigung,
sowie am erhöhten Transferrin, erkannt werden. Hier hat sich jetzt der
Stoffwechsel auf Eisenmangel eingestellt, die Transferrinsynthese in der
Leber wird hochgefahren, um vermehrt Eisen in Zellen zu transportieren. Verstärkt
sich der Eisenmangel weiter (manifester
Eisenmangel), sinkt der Hb-Wert von neugebildeten Erythrozyten
unterhalb der Norm ab. Bei einer Lebensdauer von 120 Tage für normale
geformte Erythrozyten, sinken der mittlere Hämoglobingehalt und das
mittlere Erythrozytenvolumen erst langsam ab. Eine mikrozytäre und
hypochrome Anämie spricht also für einen länger bestehenden schweren
Eisenmangel, im Unterschied zu
einer normozytären, normochromen Blutungsanämie. Mit
den hier erwähnten einfachen Blutparametern kann man am Patienten diese
drei Schweregrade des Eisenmangels gut auseinander halten. Im Falle einer
Therapie mit ausreichenden Eisenmengen normalisieren sich diese Parameter
in umgekehrter Reihenfolge, d.h. das Hämoglobin reagiert zuerst, das
Serum-Ferritin wird erst am Ende nach einiger Zeit wieder ansteigen.
3.3.2.
Absoluter und Funktioneller Eisenmangel Der
Begriff funktioneller Eisenmangel wurde geprägt im Zusammenhang mit der
Behandlung von Patienten mit renaler Anämie mit rekombininanten humanen
Erythropoetin (r-HuEpo) (4, 33). Die Therapie mit r-HuEPO ist oft deutlich
wirksamer, wenn gleichzeitig mit i.v. Eisen behandelt wird und zwar nicht
nur bei Patienten mit niedrigem Serum-Ferritin, die keine Eisenreserven
haben und damit einen absoluten Eisenmangel aufweisen. Eisentherapie ist
auch wirksam bei Patienten mit normalen, oder sogar erhöhten
Serum-Ferritin-Werten. Ein funktioneller
Eisenmangel besteht also, wenn zwar die Eisenspeicher ausreichend
mit Eisen gefüllt sind, es aber trotzdem zu einer unzureichenden
Eisenversorgung der durch EPO angetriebenen Erythropoese kommt. In diesen
Fällen ist das Serum-Ferritin offensichtlich ein schlechter Parameter, um
die Veränderung der Eisenspeicher zuverlässig anzuzeigen (34). Eine adäquate
Eisenversorgung lässt sich durch Messung des retikulozytären Hämoglobingehalts
(Chr) und durch die Bestimmung des Prozentsatzes an hypochromen
Erythrozyten (HYPO) sensitiver und spezifischer ermitteln (è
3.3). Ein
funktioneller Eisenmangel tritt
auch bei normalen Personen auf, die mehrmals in kurzer Zeit Blutspenden
und dabei mit r-HuEPO behandelt wurden (35). Ein gleicher Effekt dürfte
auch bei Sportlern unter Höhentrainingsbedingungen (legal) bzw. Doping
mit r-HuEPO (illegal) (36). Auch im Zusammenhang mit übergewichtigen
Patienten wird der Begriff des funktionellen
Eisenmangels bereits benutzt (37).
In allen diesen Fällen erhöht die begleitende Eisentherapie die
Wirksamkeit und senkt die Kosten für die Erythropoetinbehandlung. Ein
funktioneller Eisenmangel findet sich darüber hinaus auch bei chronisch
entzündlichen oder malignen Erkrankungen, bei denen Eisen aus der
Zirkulation zurück in die Speicher verlagert wird. Es liegt nahe, dass
das Eisen-Hormon Hepcidin an der Regulation der Eisenverteilung bei
Patienten mit renaler Anämie beteiligt ist und es hat bereits
Untersuchungen zu diesem Thema gegeben, wobei die Ergebnisse bisher sehr
variabel sind (38). 3.3.3.
Speichereisenmangel, eisendefizitäre Erythropoese, Eisenmangelanämie Einer
Arbeit des Autor J. Hastkas folgend wurde in den aktuellen Leitlinien der
Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie die Begriffe
funktioneller Eisenmangel und eisendefizitäre Erythropoese aus dem
Bereich der Patienten mit renaler Anämie jetzt auf alle Patienten übertragen
(Abb. 5) (19,39).
Abb..5.
Einteilung des Schweregrads und diagnostische Parameter von
Eisenmangel nach Hastka et al. für die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie/Onkologie
(www.dgho.de).
1.)
Speichereisenmangel, 2.) eisendefizitäre Erythropoese (=“funktioneller
Eisenmangel“), 3. Eisenmangelanämie. ZPP und Chr zeigen empfindlich die
Eisendefizitäre Erythropoese an. Das
Stadium 1 (Speichereisenmangel) ist gleichzusetzen mit dem prälatenten
Eisenmangel nach Hausmann und Heinrich. Der wesentliche Unterschied liegt
in dem Begriff „eisendefizitären
Erythropoese“ (Stadium 2), der hier auch als funktioneller Eisenmangel bezeichnet wird. Bei der eisendefizitären
Erythropoese wird der Eisenmangel zur Erkrankung, indem die Zellen
nicht mehr ausreichend mit Eisen versorgt werden können. Einzelne
Erythrozyten werden bereits hypochrom und mikrozytär, was im peripheren
Blutbild noch nicht zu erkenne ist. Im Stadium 3 (Eisenmangelanämie) ist
die mangelhafte Eisenversorgung der Körperzellen bereits so ausgeprägt,
dass die Hämoglobinnormwerte unterschritten werden. Zwischen Stadium 2
und 3 ist also nur noch ein gradueller Unterschied, was die Bedeutung des
Stadium 2 noch mehr betont. Bei
diesem Konzept ist der Begriff des funktionellen
Eisenmangels irreführend und sollte nicht verwendet werden, da dieser
Begriff bei Patienten mit renaler Anämie eingeführt ist und dort
eindeutig eine andere Bedeutung hat. Wenn hier funktioneller
Eisenmangel als Einschränkung von physiologischen Funktionen durch
den Mangel an Eisen gemeint ist, dann ist auch dies unpräzise, denn es
gibt klinische Symptome wie Müdigkeit und kognitive
Leistungsverminderungen bereits früher im Stadium des Speichermangels. Als
letztes Konzept wird im Folgenden kurz auf die Studie von Suominen et al.
eingegangen, die den löslichen Transferrinrezeptor und den Ferritinindex
als sensitive diagnostische Parameter für den Eisenstatus von ansonsten
gesunden Menschen herausstellen (Abb. 6) (40).
Abb.
6
Stadien des Eisenmangels
und diagnostische Parameter nach Suominen et al. 40) Speichereisenmangel,
2.) eisendefizitäre Erythropoese, 3. Eisenmangelanämie. Dieses
Konzept ist nicht sehr weit von dem alten Vorschlag von Heinrich und
Hausmann entfernt und ersetzt die älteren diagnostischen Parameter wie
Serum-Eisen und Transferrin durch modernere Parameter wie s-TfR und
Ferritinindex. Synthese der Konzepte Es
gibt zwei Arten von Patienten, bei denen der individuelle Eisenstatus
wichtig für klinische Entscheidungen ist. Patienten mit „reinem“ Eisenmangel: Für
die allermeisten Patienten geht es um einen absoluten Eisenmangel, d.h.
ver- schiedene Kompartments werden bei fortlaufend negativer Eisenbilanz
nachein- ander bzw teilweise parallel entleert. Hierfür ist die
Einteilung von Hausmann und heinrich aus dem Jahr 1972 immer noch
ausreichend gut geeignet . Jedes Labor kann Ferrin, Serum-Eisen und
Transferrin messen, jede modernere, teuere Methode ist schlciht unnötig. Stadium
1:
Speichereisenmangel, bei dem
die physiologischen Eisenreserven mobilisiert werden und es zu vermehrten
Transport aus den Speichern hin zu Geweben mit Eisenbedarf kommt. Das
Serum-Ferritin ist der beste Parameter für dieses Stadium, das evtl.
bereits mit einer klinischen Symptomatik verbunden sein kann. Stadium
2:
Eisendefizitärer Stoffwechsel und Transport, ein
Übergangszustand, bei dem der Eisenbedarf in Geweben bereits defizitär
wird. Das Knochenmark hat den höchsten Bedarf an Eisen und wird sich bis
zuletzt auf Kosten von anderen Geweben bedienen. Den idealen, umfassenden
diagnostischen Parameter für dieses Stadium gibt es. Die Beeinträchtigung
des Transportpools im Blut ist nach Heinrich und Hausmann leicht und
einfach zu messen. Sie läuft sicher parallel mit einer beginnenden
eisendefizitären Erythropoese, angezeigt durch CHr <26-32 oder HYPO
>10 %, oder ZPP, oder sTfR. Diese eisendefizitäre Erythropese ist aber
nur ein Teilaspekt dieses Stadiums. Stadium
3: Eisenmangelanämie, das
Stadium, in dem es auch für die Erythropoese gegenüber der Norm nicht
mehr reicht. Parallel wirken auch in anderen Geweben schwere Mangelzustände,
die man diagnostisch nicht so leicht verfolgen kann.
Patienten
mit Eisenmangel bei chronischer Erkrankungen und/oder Therapie mit r-HuEPO:
Der
Ausnahmepatient, bei dem der Eisenstoffwechsel durch die Grundkrankheit
wesentlich beeinträchtigt wird. Entzündungsreaktionen beeinflussen die
Hepcidinsynthese und damit die wesentlichen Eisentransportwege. Die durch
r-HuEPO-Therapie angetriebene Erythropoese
kann nicht schnell genug mit Eisen aus den vorhandenen
Eisenspeichern versorgt werden (=funktioneller Eisenmangel). Bei diesen
Patienten sind diagnostischen Parameter wie Serum-Ferritin und
Transferrin-Fe-Sättigung wenig sensitiv und spezifisch. Chr und HYPO sind
besser geeignet als das flasch erhöhte Ferritin. Bei diesen Patienten
macht eine Stadieneinteilung eigentlich wenig Sinn, weil keine Aussage über
mögliche Eisenspeicher getroffen werden kann. Bei allen zur Verfügung
stehenen „High-Tec-Parametern“ wird im Einzelfall doch immer die Frage
bestehen bleiben, ob der vorliegende Patient einen Eisenmangel hat oder
nicht. Bei Patienten mit renaler Anämie mit Ferritinwerten von 500-800
ng/ml wird ein funktioneller Test mit einer begrenzten Eisentherapie als
die endgültige Bestätigung für eine vorhandene Eisenmangelanämie
angesehen (z.B. 40 mg Fe-Sucrose bei jeder Dialyse über 8 Wochen) mit
Testkriterium 1 g/dl Hb-Anstieg in dieser Zeit (41). In
der Praxis ist außerdem häufig nur die diagnostische Unterscheidung
zwischen Eisenmangel mit und ohne
Anämie wichtig. Für Screeningstudien werden dabei „Cut-off-values“
wichtig, die mehr oder weniger weltweit akzeptiert sind (Tabelle 1)
Tabelle
1:
“Cut-off”-Werte
von verschiedenen Eisenparametern für Eisen-mangelanämie
sTfR, löslicher Transferrinrezeptor, Zn-PP, Zink-Protoporphyrin. Literatur
41.
Lin JL ,Chang MY, Tan
DT, Leu ML. Short-Term
Small-Dose Intravenous Iron Trial to Detect Functional Iron Deficiency in
Dialysis Patients. Am J Nephrol 2001;21:91–97 |
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Hinweise und Kommentare bitte an Dr.
Peter Nielsen |