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Bei
V.a. Eisenüberladung gibt es eine Reihe von indirekten und direkten
Labor-Parametern, die zur Diagnosenstellung wichtig sind und in einem
bestätigten Fall über das Maß der individuell vorliegenden Eisenüberladung
Auskunft geben können. Indirekte Laborparameter sind als Folge der
Eisenüberladung verändert. Direkte Parameter weisen bei der hereditären
Hämochromatose unmittelbar den Gendefekt oder die Fehlfunktion des
mutierten Proteins nach oder quantifizieren die exzessive
Eisenspeicherung in verschiedenen Geweben.
Indirekte
diagnostische Parameter
Die
indirekten Parameter im Blut wie z.B. Serum-Eisen, Transferrin-Eisen-Sättigung,
Transferrin oder die totale Eisenbindungskapazität sind empfindliche
Parameter, die bereits frühzeitig im Krankheitsverlauf pathologisch verändert
sind. Allerdings gibt es keine Korrelation mit dem Grad der vorliegenden
Eisenüberladung. Das Serum-Ferritin ist bei allen Formen von Eisenüberladung
ein sehr wertvoller Parameter, weil sein Wert intraindividuell mit
zunehmender Eisenüberladung ansteigt. Im Bereich Eisenmangel und bei
normalen Eisenspeichern kann man Serum-Ferritin in guter Näherung sogar
quantitativ in Speicher-Eisen umrechnen: ein Anstieg des Serum-Ferritins
um 1 µg/l entspricht 8 mg Speicher-Eisen (Walters et al. 1973).
Bei
Patienten mit Eisenüberladung ist allerdings zu beachten, dass die
Korrelation zwischen Serum-Ferritin und den individuell erhöhten
Eisenspeichern im Einzelfall schlecht sein kann. Auch werden häufig
falsch erhöhte Werte (z.B. bei akutem Leberzellschaden, Entzündung,
Tumor, etc.) gemessen. Anhand der umfassenden klinischen Erfahrung mit Hämochromatose
weiß man, dass bei einem gegebenen Patienten die im Körper
akkumulierte Speicher-Eisenmasse mit der Zeit zunimmt. Bei der Bewertung
der bei der Eisenüberladung veränderten Laborparameter ist somit das
Lebensalter unbedingt zu berücksichtigen (Tabelle 1).
Tabelle
1: Typische diagnostische Parameter bei hereditärer Hämochromatose
|
Grad
der Eisenüberladung
|
Diagnostischer
Parameter
|
typische
Werte
|
Normalbereich
|
|
alle
Stadien
|
C282Y-Mutation
|
(+/+);
evtl. (+/-) in Verb. mit H63D (+/-)
|
(-/-)
|
|
frühes
(leichtes)
(Lebensalter:
20-30
Jahre)
|
erhöhte
59Fe-Absorption
erhöhtes
Serum-Eisen
erhöhte
Transferrin-Fe-Sättigung
leicht
erhöhtes Serum-Ferritin
normal-leicht
erhöhtes Leber-Fe
|
>
50 %
>170
µg/dl
>
52 %
100-300
µg/l
0.5-1.0
mg/g
|
10-50
%
65-170
µg/dl
20-52
%
35-235
µg/l
0.1-0.5
mg/g
|
|
mittleres
Stadium
(Lebensalter:
30-40
Jahre)
|
relativ
erhöhte 59Fe-Absorption
erhöhtes
Serum-Eisen
erhöhte
Transferrin-Fe-Sätt.
erniedrigte
TEBK
erhöhtes
Serum-Ferritin
erhöhtes
Leber-Fe
|
>40
%
>170
µg/dl
>
90 %
<250
µg/dl
>300
µg/l
1.0-2.0
mg/g
|
10-50
%
65-170
µg/dl
20-52
%
240-380
µg/dl 35-235 µg/l
0.1-0.5
mg/g
|
|
fortgeschrittenes
(schweres)
Stadium
(Lebensalter:
40-60
Jahre)
|
relativ
erhöhte 59Fe-Absorption
erhöhtes
Serum-Eisen
erhöhte
Transferrin-Fe-Sätt.
erniedrigte
TEBK
stark
erhöhtes Serum-Ferritin
erhöhtes
Leber-Fe
|
>
30 %
>200
µg/dl
100
%
<250
µg/dl
1000-10000
µg/l
2.0-10.0
mg/g
|
10-50
%
65-170
µg/dl
20-52
%
240-380
µg/dl 35-235 µg/l
0.1-0.5
mg/g
|
Direkte
diagnostische Parameter
Bei
den direkten diagnostischen Parametern war die klassische Referenzmethode
zur Bestätigung einer Eisenüberladung bisher die Leberbiopsie. Bei einer
Hämochromatose im Anfangsstadium findet sich eine betont parenchymale
Speicherung von Eisen in Form von Berliner Blau anfärbbarem Ferritin- und
Hämosiderin-Eisen. Im Frühstadium sind Kupffer-Zellen und
Sinusendothelzellen noch weitgehend eisenfrei. Bei schwergradiger Hämochromatose
findet sich dann aber eine gleichmäßige Verteilung von überschüssigem
Speicher-Eisen.
Histologisch
ist eine Abschätzung der Siderose in Form eines Scoring-Systems möglich
(Scheuer et al. 1962, Brissot et al. 1981). Die Diagnose einer Hämochromatose
allein aus der Leberbiopsie ist allerdings bekanntermaßen problematisch
(Bartolo 1998). Genauer ist die chemische Bestimmung von Eisen aus dem
Biopsiematerial (Bassett et al. 1986, Bonkovsky et al. 1990). Die
Leber-Eisenkonzentration ist das beste Maß zur Einschätzung der
individuell vorliegenden Eisenüberladung. Berücksichtigt man das
Lebensalter, so läßt sich ein hepatischer Eisenindex errechnen, der bei
Patienten mit homozygoter Hämochromatose in charakteristischer Weise erhöht
ist und sich von dem bei Normalpersonen, heterozygoten Genträgern und
Probanden mit ethanolischer leichter Lebersiderose unterscheidet.
Die
Leber-Eisenkonzentration kann auch nichtinvasiv gemessen werden, sodaß
dann die invasive Leberbiopsie überflüssig wird. Im Rahmen von Studien
kann man die Eisenablagerung im Herzmuskel oder in der Darmmukosa
analysieren. Die Eisenablagerung im Herzen ist bei Eisenüberladungserkrankungen
deshalb von besonderer Bedeutung, weil ein Herzversagen die häufigste
Todesursache sowohl bei hered. Hämochromatose als auch bei
Posttransfusionssiderosen darstellt (Buja und Roberts 1971, Cutler et al.
1980). Der genaue pathophysiologische Mechanismus, der zum klinischen Bild
der Kardiomyopathie oder Arrhythmie führt, ist aber noch unklar. Wegen
des invasiven Charakters der Untersuchung ist die Indikation für eine
Herzmuskelbiopsie bei V.a. hered. Hämochromatose natürlich sehr begrenzt
gegeben.
Weniger
belastend ist eine Biopsie aus Magen bzw. Duodenum. Es zeigt sich dabei
ein deutlicher Unterschied zwischen Hämochromatose und sekundären
Siderosen (Düllmann et al. 1991). Bei der Hämochromatose ist der
Eisengehalt in Plasmazellen erhöht, nicht aber in Makrophagen der
Darmschleimhaut; während sich bei Posttransfusionssiderosen eine massive
makrophageale Eisenspeicherung findet. Genau diese Differentialdiagnose
ist bei der Abklärung einer fraglichen Hämochromatose in der Praxis aber
relativ unwichtig, denn Patienten mit sekundären Siderosen sind durch die
Vorgeschichte (Polytransfusion, „iron-loading anemia") eigentlich
immer bekannt. Für die Routinediagnostik ist deswegen auch die
Magen/Darmbiopsie eher ungeeignet.
Unter
Verwendung einer 59Fe-markierten Testverbindung und eines Ganzkörperzählers
kann die Hochregulation der intestinalen Eisenabsorption bei Patienten mit
hereditärer Hämochromatose in der Aufladephase direkt gemessen werden
(Marx 1979, Heinrich 1983, McLaren et al. 1991). Ähnlich wie im
Eisenmangel wird bei Hämochromatose aus einer Testdosis von < 1 mg Fe
typischerweise eine Ganzkörperretention von > 50 % gemessen, der
Mukosa-Plasma-Transfer ist ebenfalls hoch (90-100 %). Bei Patienten mit
fortgeschrittener Eisenüberladung findet dann allerdings doch eine
Herunterregulation statt (Absorption: 30-40 % der Testdosis). Ein
signifikanter Unterschied zu Normalpersonen bleibt allerdings immer noch
erhalten.
Nichtinvasive
Messung der Gewebeeisenüberladung
In
den letzten Jahren sind drei Methoden zur nichtinvasiven
Leber-Eisen-Quantifizierung untersucht worden, Computertomographie (CT),
Magnetische Resonanz-Tomographie (MRT), und SQUID-Biomagnetometrie (BM).
In der Computertomographie zeigt sich eine schwere Lebersiderose durch
einen Anstieg der CT-Nummern (Hounsfield units). Allerdings ist die
Sensitivität im Bereich der leicht- bis mittelgradigen Lebersiderose sehr
gering, und es ist kaum möglich, eine alkohol-induzierte Lebersiderose
von einer frühen Hämochromatose zu unterscheiden (Guyader et al. 1989).
Bei der magnetischen Resonanz-Tomographie besteht eine inverse Korrelation
zwischen Eisenbeladung der Leber und der Signalintensität und eine
in-vivo- Leber-Fe-Quantifizierung ist prinzipiell möglich (Kaltwasser et
al. 1990).
Wir
haben die SQUID-Biomagnetometrie zur nichtinvasiven Messung der
Leber-Eisen-Konzentration bei primären und sekundären Eisenüberladungen
untersucht (Fischer et al. 1989, Fischer 1998, Nielsen
et al. 1995, 1998a,b). Bei der Messung wird die Störung eines von außen
angelegten kleinen (20 mT), aber hochkonstanten Magnetfeldes durch das
paramagnetische Speicher-Eisen in der Leber des Patienten aufgezeichnet
und direkt in die Eisenkonzentration umgerechnet. Das Ergebnis der
Untersuchung steht on-line zur Verfügung. Eine Kalibrierung mittels
Leberbiopsien von entsprechenden eisenüberladenen Patienten ist
eigentlich notwendig, zeigt aber die Richtigkeit der Ergebnisse. Diese
Technik erlaubt die schnelle und zuverlässige Messung der individuell
vorhanden Leber-Eisen-Konzentration und ersetzt damit die invasive
Leberbiopsie in fast allen Fällen (Abb.1).
Literatur
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