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Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Interdisziplinäre, klinische Gruppe Eisenstoffwechsel" Eisenstoffwechselambulanz, UKE- Haus N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389; Fax 040-7410-54797; |
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Eisen
ist ein essentielles Spurenelement, das dem menschlichen Körper mit der
Nahrung zugeführt werden muss (1). Bei einem ausgeglichenen Eisenhaushalt
weisen Männer einen höheren Gesamtkörpereisengehalt auf als Frauen (50
mg/kg gegenüber 38 mg/kg) (1,2). Das liegt zum einem an der höheren
Erythrozyten- und Skelettmuskelmasse bei Männern, zum anderen auch an der
höheren Menge an Speichereisen in Knochenmark, Leber und Muskulatur (Männer
500 – 1000 mg, prämenopausale Frauen 300 – 400 mg).
Wenn
das Gleichgewicht zwischen Eisenaufnahme und Eisenbedarf über längere
Zeit gestört ist (negative Eisenbilanz), werden anfangs die
physiologischen Eisenspeicher abgebaut, später kommt es zur Beeinträchtigung
von verschiedenen Stoffwechselwegen. (Abb. 3.1). Ein Eisenmangel im
klassischen Sinne meint einen absoluten Mangel an Eisen im Körper (2,3).
Ein neuer Begriff ist der „funktionelle Eisenmangel“, bei dem
vorhandenes Eisen aus bestimmten Gründen für einen ggf. erhöhten
Bedarf, z.B. im Knochenmark, nicht ausreichend
(schnell) genutzt werden kann (è
Kap 3.3. ) (4).
Abb.
1. Negative Eisenbilanz, d.h. Verschiebung des Gleichgewichtes zwischen
Eisenaufnahme über die Nahrung oder Therapie und dem Eisenbedarf bzw.
Eisenverlust. Es
stehen verschiedene diagnostische Parameter zur Verfügung, um bei einem
gegebenen Patienten einen Eisenmangel zu erkennen und den Schweregrad zu
erfassen. Serum
Ferritin Das
Eisenspeicherprotein Ferritin
spielt eine Schüsselrolle im zellulären Eisenstoffwechsel. Seine Fähigkeit
Eisen zu sequestrieren ist wichtig, um das essentielle Eisen bei Bedarf
aus der Reserve bereitzustellen, und um das überschüssige, toxische
Eisen zu binden und damit zu entgiften.
Ferritin besteht aus einem Kern von
Eisenoxid-Hydroxid-Phosphat-Komplex ([FeO(OH)]8[FeO(H2PO4)]),
der von einer Hohlkugel aus 24 Untereinheiten (H- und L-Apoferritin) umhüllt
wird (5). Ein Ferritinmolekül kann bis zu 4500 Eisenatome speichern (MW
bis zu 900.000 Dalton). Der Eisentransport erfolgt über definierte Kanäle
der Proteinhülle. Isoferritine unterscheiden sich in der Zusammensetzung
ihres Hüllproteins. Basische (mehr L-Untereinheiten) kommen in Leber,
Milz und Knochenmark vor. Saure H-Typ-Ferritine sind eisenärmer und
kommen vorwiegend im Herz, in
der Plazenta aber auch in Tumorzellen vor. Antikörper in den handelsüblichen
Ferritinassays erfassen beide Formen. Der Ursprung von Plasmaferritin ist
nicht ganz klar. Die Eisenspeicher befinden sich Knochenmark, Muskulatur
und Leber im Makrophagen/Monozytensytem und in Hepatozyten,
Makrophagen und Ferritin korreliert mit diesen Speichern, sodass
man davon ausgeht, dass diese Zellen physiologischerweise glykosyliertes
Ferritin ins Plasma sekretieren (6).
Problematisch
sind allerdings falsch erhöhte Ferritinwerte, die nicht mit den
Eisenspeichern korrelieren. Ferritin ist auch Teil des Akut-Phase-Systems,
das empfindlich auf Gewebsverletzungen zum Beispiel bei Infekten, Tumoren,
reagiert. Insbesondere Leberschäden setzen häufig Ferritin aus
Leberzellen frei, die in der Menge deutlich das normale Plasmaferritin übertreffen
und dann eine Eisenüberladung vortäuschen. Der Eisengehalt von Ferritin
im Plasma kann bestimmt werden. Entgegen anfänglichen Erwartungen ist
dieser aufwendiger zu bestimmende Parameter der einfachen
Ferritinbestimmung nicht überlegen (11). Serum-Eisen,
Transferrin, Transferrin-Eisen-Sättigung Im
Blut wird Eisen an Transferrin gebunden transportiert. Transferrin ist im
Normalfall nur zu ca. 1/3 mit Eisen gesättigt, wobei zwei Atome Eisen
sehr fest (Kd=
10-23
M) an einem Molekül Transferrin binden (12). Seit der Einführung der
Serumeisen-Untersuchung 1937 sind zahlreiche Angaben über Normalwerte bei
Männern und Frauen erschienen (13). Die Bestimmung sollte immer morgens nüchtern
erfolgen, eine gewisse Tag-zu-Tag Variation ist vorhanden, sodass die
Aussagekraft in Richtung Eisenmangel problematisch ist. Das Serum-Eisen
ist empfindlich gegen Eisenüberladung und spielt deshalb beim Screening
auf hered. Hämochromatose eine einfache und wichtige Rolle.
Bei Infekten ist das Serum-Eisen häufig erniedrigt, was als
Abwehrmehrmechanismus gegen bakterielle Infektionen gesehen wird, da
Bakterien auf die Eisenversorgung aus
dem Plasma angewiesen sind. Früher
wurde zusätzlich häufig die Totale Eisenbindungskapazität gemessen, indem eine definierte Menge
Eisen zu Serum-Proben zugesetzt wurde und der nicht von Transferrin abgesättigte
Anteil zurückgemessen wurde (14). Diese Bestimmung ist heute weitgehend
durch die direkte Bestimmung
von Transferrin verdrängt worden. Transferrin ist erhöht im schweren
Eisenmangel und erniedrigt bei Eisenüberladung, beide Veränderungen
dokumentieren den Versuch der Gegenregulation des Körpers, um mehr bzw.
weniger Eisen in Zellen aufzunehmen. Serum-Transferrin
hat einen Kohlenhydratanteil, der über Sialinsäurereste an Transferrin
gebunden ist. „Karbodeficientes“ Transferrin ist eines der besten
diagnostischen Parameter für regelmäßigen starken Alkoholmissbrauch.
Die Konzentration von mono- und die disialo-Isoformen (üblicherweise 1%)
steigen bei Alkoholismus zu Lasten der tetra oder hexa-Isoformen stark an
(auf 10 %) (15). Die
Transferrin-Sättigung wird anhand des gemessenen Transferrin-Werts und
des freien Eisens im Serum errechnet. Die Transferrin-Sättigung ist ein
sehr empfindliches Maß für die Menge an Eisen, die für die Erythropoese
und den zellulären Bedarf verfügbar ist. Bei chronisch entzündlichen
Erkrankungen ist die Transferrin-Sättigung meist im unteren Normbereich
oder leicht reduziert. Löslicher Transferrin-Rezeptor Der
lösliche Transferrin-Rezeptor ist ein Teilstück des normalen
Oberflachenrezeptors und kann durch Proteolyse als lösliche Form ins Blut
freigesetzt werden. Dieser als „Shedding“ bezeichnete, offenbar
physiologische Prozess, ist für viele Proteine unterschiedlichster
Struktur und Eigenschaften beschrieben, dazu gehören Rezeptoren, Liganden,
Zelladhäsionsmoleküle und Ektoenzyme (16). Die Zahl der TfR auf der
Zelloberfläche reflektiert den Eisenbedarf der betreffenden Zellen. Ein
Eisenmangel führt zu einer Induktion der Transferrinrezeptorsynthese. Es
gibt eine Reihe von Studien, die die Messung des löslichen
Transferrinrezeptors bei Patienten mit Eisenmangel und Eisenüberladung
als neuen quantitativen Eisenparameter favorisieren (17). Insbesondere bei
Infekten soll die Bestimmung weniger falsch veränderte Werte zeigen als
das Serum-Ferritin. Der sogenannte Ferritinindex (sTfR/logSerum-Ferritin)
wird als gutes Maß für das Ganzkörpereisen angesehen (18) Ein
Mangel von verfügbarem Eisen für die Erythropoese führt zu einem Einbau
von Zink in den Protoporphyrin-Komplex und damit zu einer Bildung von
Zinkprotoporphyrin (ZPP) anstatt von Hämoglobin, was an der starken
Fluoreszenz von ZPP einfach uns kostengünstig
bestimmt werden kann (19). Es
konnte gezeigt werden, dass die Zinkprotoporphyrin-Werte eng mit dem
Anteil hypochromer Erythrozyten bei Patienten mit Eisenmangelanämie
korrelieren (20). ZPP ist ein Meßparameter, der als Endpunktskontrolle
der Erythropoese angesehen werden kann, auch bei eisendefizitärer
Erythropoese mit normwertigen oder nur gering verminderten Eisenspeichern
und Transportproteinen zeigen sich deutlich erhöhte Werte. Einschränkend
gilt aber, dass die ZPP-Messung bei Schwangeren, Kindern, Thalassämie-minor
Patienten und bei renaler Anämie kein empfindlicher Test auf Eisenmangel
ist (20, 21). Mit
modernen Duchflußzytometern (z.B. Technikon H1-3) kann man die
Retikulozyten oder Erythrozyten hinsichtlich Größe und ihrem
individuellen Hämoglobin-Gehalt erfassen (22). Da Retikulozyten nur ein
bis zwei Tage zirkulieren, reagiert der Anteil des Hämoglobins im
Retikulozyten (CHr) zeitnah auf eine Einschränkung der Eisenversorgung, während
die üblichen Blutbildparameter (MCH, MCV) erst nach Wochen bis Monaten
eine Veränderung anzeigen. Bereits früh wurde auch erkannt, dass der
Anteil der hypochromen Erythrozyten (%Hypo) ein sehr sensitiver Marker für
eine eisendefizitäre Erythropoese unter fortgesetzter
Erythropoetin-Therapie ist. Die abnormal kleinen und hämoglobinarmen
maturen Erythrozyten reagieren
im Vergleich zu CHr aber deutlich später (23). Von
Thomas und Thomas stammt eine Auswertung von CRP, CHr und Ferritinindex (24,25).
Gegenüber einer alleinigen Ferritinbestimmung zeigt das 4-Felder-Diagramm
nach Meinung der Autoren Vorteile in der Abklärung und
Verlaufsbeurteilung komplexer Eisenstoffwechselstörungen, insbesondere
von funktionellem Eisenmangel bei Patienten mit renaler Anämie (Abb.
3.3). Zudem können für einzelne Patienten therapeutische Empfehlungen
ausgesprochen und der Erfolg kontrolliert werden.
Abb.
3.
4-Felder-Diagramm nach Thomas und Thomas ( 25) von 154 Patienten
mit Anämie ohne akute-Phase-Reaktion (CRP<5). 1,
ausreichende Eisenspeicher; 2, verminderte
Speichereisenreserve bei noch nicht vorhandenem funktionellen Eisenmangel;
3, Mikrozytäre, hypochrome
Erythropoese aufgrund eines klassischen Eisenmangels; 4, Funktioneller
Eisenmangel bei normaler oder vermehrter Speichereisenreserve. Diese
„High-End“-Diagnostik von Eisenparametern bei Patienten ist aufwendig,
kompliziert und kostenträchtig. Die Ergebnisse und Aussagen sind etwas
verwirrend und es ist für den normalen Patienten mit einfachem
Eisenmangel schwer zu erkennen, wo der diagnostische Vorteil liegt. Für
Patienten mit komplexen Krankheiten und Therapien (z.B. parenterale
Eisentherapie begleitend zur Behandlung rHuEPO) und evtl. sekundär veränderten
Serum-Ferritinwerten könnte
diese Art der Diagnostik aber nützlich sein. Hepcidin/BMP6 So
wie bei Diabetes mellitus das Hormon Insulin gemessen werden kann und
dadurch wichtige Informationen über die Insulinsynthese und
Insulinresistenz erhalten werden, so kann man bei Eisenmangel theoretisch
das Eisenhormon Hepcidin im Urin oder Serum bestimmen. Experimentell gibt
es dazu bei Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen, inkl.
Eisenmangelanämie und Anämie bei chronischer Erkrankung, bereits
zahlreiche Befunde (26, 27). Ein großes Problem ist die reproduzierbare
Analyse von Hepcidin, für das es bisher keinen allgemein verfügbaren,
weltweit akzeptierten immunologischen Test gibt (28). Grund ist
Schwierigkeit, optimale Antikörper gegen dieses kleine (25 AS) und
hochkonservierte Peptid herzustellen. Bisher scheinen Methoden am zuverlässigsten
zu sein, die Hepcidin säulenchromatographisch reinigen und dann mittels
Massenspektroskopie bestimmen (29). Wegen
dieser technischen Probleme gibt es von Patienten mit verschiedenen
Krankheiten nur wenige Daten, teilweise nur Einzelbefunde. Es ist aber
absehbar, dass die Hepcidinbestimmung zukünftig diagnostisch wertvoll
sein könnte. Mögliche
Anwendungsfelder könnten sein: das Erkennen einer Eisenmangelkomponente
bei Patienten mit Anämie bei chronischer Erkrankung, Screening und
Verlaufkontrolle von hereditärer Hämochromatose, Abschätzung der Eisenüberladung
und der erythrpoetischen Aktivität von „iron-loading anemias,
Therapiekontrolle der EPO-Medikation bei renaler Anämie. BMP6
ist aktuell gerade als wichtiger Aktivator der HJV/BMP-Kaskade erkannt
worden. Möglich erscheint, dass dieser Parameter einfacher und zuverlässiger
zu messen sein wird, und dabei ähnliche interessante Aussagen wie die
Hepcidinbestimmung liefern könnte. Referenzmethoden Als
Referenzmethoden für die Untersuchung des individuellen Eisenstatus
gelten unverändert die histologische Beurteilung von
Knochenmarksausstrichen nach Berliner Blau-Färbung und die Messung der
intestinalen 59Fe-Absorption nach oraler Gabe von analytischen
(10 µMol) oder therapeutischen (100
mg) Eisendosen (30-32). Die Knochenmarkbiopsie ist naturgemäß invasiv
und schmerzhaft, die Verwendung von radioaktivem Eisen beinhaltet eine
(kleine) Strahlenbelastung für den Patienten und setzt das Vorhandensein
von Spezialgeräten voraus. Beide Referenzmethoden werden deshalb nur noch
begrenzt eingesetzt, sie
liefern aber im Einzelfall immer noch wertvolle Informationen.
Eisen im Knochenmarksausstrich Die
licht- und elektronmikroskopische Beurteilung von nicht-Häm-Eisen im
Knochenmarkzellen ermöglicht die Beurteilung von Störungen des
Eisenstoffwechsels. Physiologischerweise
findet sich Speichereisen in Knochenmarkmakrophagen in Form von freien
Ferritinmolekülen im Cytoplasma (Berliner-Blau-Reaktion: diffuses Eisen
(normal 1+ bis 4+) oder in Form von aggregiertem Ferritin oder Hämosiderin
in Siderosomen (scholliges Eisen, normal + bis 3+) (30, 31). Im
Zuge der Erschöpfung der Eisenreserven wird immer weniger diffuses oder
scholliges Eisen nachweisbar, ein substantieller Eisenmangel ist also am
fehlenden Speichereisen zu erkennen. Diese Technik ist spezifisch auf
Eisenmangel, Störungen durch Infekt etc. wirken sich nicht störend aus,
die Abgrenzung zwischen Eisenmangelanämie und einer ebenfalls hypochromen,
mikrozytären Anämie bei Thalassämie
ist möglich. Untersuchung mit 59Fe Unter
Verwendung eines empfindlichen Großraumradioaktivitätsdetektors mit 4
Einteilung des Eisenmangels ´
Obwohl
entsprechende diagnostische Kriterien seit
Jahrzehnten bekannt sind,
gibt es bis heute keine weltweit akzeptierte Einteilung für Eisenmangel.
Im Folgenden werden die gängigsten Konzepte vorgestellt.
Prälatenter, latenter und manifester Eisenmangel
Eine
schlüssige und praxisbewährte rein diagnostische Einteilung stammt von Hausmann und Heinrich aus den
70-ziger Jahren (30). Dabei wurden die klassischen Blutparameter (Serum
Ferritin, Hämoglobin, Serum Eisen, Transferrin) mit aufwendigeren
Techniken wie histochemische Beurteilung von Eisen in
Knochenmarksausstrichen, der 59Fe-Absorption, erschöpfende
Phlebotomien an 425 Patienten verglichen. Die Hochregulation der
intestinalen Eisenabsorption beginnt bereits bei der Entleerung der
Eisenspeicher, was zuverlässig am Absinken des Serum-Ferritins bei
normalem Hämoglobin erkannt werden kann. Dieses Stadium wird als prälatenter Eisenmangel bezeichnet (Abb.
3.4).
Abb.
.4.
Diagnostische Parameter bei Eisenmangel mit und ohne Anämie nach
Hausmann und Heinrich. 1, prälatenter Eisenmangel; 2. latenter
Eisenmangel; 3. manifester Eisenmangel. Mit den Parametern Hämoglobin,
Serum-Ferritin, Serum-Eisen und Transferrin kann man den typischen
Eisenmangelpatienten ausreichend genau beschreiben.
Sind
die Eisenspeicher erschöpft, so wird in einer weiteren Stufe der relativ
kleine Transporteisenpool beeinträchtigt (latenter Eisenmangel). Dies kann an Patienten mit normaler Hämoglobinkonzentration
an den erniedrigten Werten für Serum-Eisen und Transferrin-Eisen-Sättigung,
sowie am erhöhten Transferrin, erkannt werden. Hier hat sich jetzt der
Stoffwechsel auf Eisenmangel eingestellt, die Transferrinsynthese in der
Leber wird hochgefahren, um vermehrt Eisen in Zellen zu transportieren. Verstärkt
sich der Eisenmangel weiter (manifester
Eisenmangel), sinkt der Hb-Wert von neugebildeten Erythrozyten
unterhalb der Norm ab. Bei einer Lebensdauer von 120 Tage für normale
geformte Erythrozyten, sinken der mittlere Hämoglobingehalt und das
mittlere Erythrozytenvolumen erst langsam ab. Eine mikrozytäre und
hypochrome Anämie spricht also für einen länger bestehenden schweren
Eisenmangel, im Unterschied zu
einer normozytären, normochromen Blutungsanämie. Mit
den hier erwähnten einfachen Blutparametern kann man am Patienten diese
drei Schweregrade des Eisenmangels gut auseinander halten. Im Falle einer
Therapie mit ausreichenden Eisenmengen normalisieren sich diese Parameter
in umgekehrter Reihenfolge, d.h. das Hämoglobin reagiert zuerst, das
Serum-Ferritin wird erst am Ende nach einiger Zeit wieder ansteigen.
Der
Begriff funktioneller Eisenmangel wurde geprägt im Zusammenhang mit der
Behandlung von Patienten mit renaler Anämie mit rekombininanten humanen
Erythropoetin (r-HuEpo) (4, 33). Die Therapie mit r-HuEPO ist oft deutlich
wirksamer, wenn gleichzeitig mit i.v. Eisen behandelt wird und zwar nicht
nur bei Patienten mit niedrigem Serum-Ferritin, die keine Eisenreserven
haben und damit einen absoluten Eisenmangel aufweisen. Eisentherapie ist
auch wirksam bei Patienten mit normalen, oder sogar erhöhten
Serum-Ferritin-Werten. Ein funktioneller
Eisenmangel besteht also, wenn zwar die Eisenspeicher ausreichend
mit Eisen gefüllt sind, es aber trotzdem zu einer unzureichenden
Eisenversorgung der durch EPO angetriebenen Erythropoese kommt. In diesen
Fällen ist das Serum-Ferritin offensichtlich ein schlechter Parameter, um
die Veränderung der Eisenspeicher zuverlässig anzuzeigen (34). Eine adäquate
Eisenversorgung lässt sich durch Messung des retikulozytären Hämoglobingehalts
(Chr) und durch die Bestimmung des Prozentsatzes an hypochromen
Erythrozyten (HYPO) sensitiver und spezifischer ermitteln (è
3.3). Ein
funktioneller Eisenmangel tritt
auch bei normalen Personen auf, die mehrmals in kurzer Zeit Blutspenden
und dabei mit r-HuEPO behandelt wurden (35). Ein gleicher Effekt dürfte
auch bei Sportlern unter Höhentrainingsbedingungen (legal) bzw. Doping
mit r-HuEPO (illegal) (36). Auch im Zusammenhang mit übergewichtigen
Patienten wird der Begriff des funktionellen
Eisenmangels bereits benutzt (37).
In allen diesen Fällen erhöht die begleitende Eisentherapie die
Wirksamkeit und senkt die Kosten für die Erythropoetinbehandlung. Ein
funktioneller Eisenmangel findet sich darüber hinaus auch bei chronisch
entzündlichen oder malignen Erkrankungen, bei denen Eisen aus der
Zirkulation zurück in die Speicher verlagert wird. Es liegt nahe, dass
das Eisen-Hormon Hepcidin an der Regulation der Eisenverteilung bei
Patienten mit renaler Anämie beteiligt ist und es hat bereits
Untersuchungen zu diesem Thema gegeben, wobei die Ergebnisse bisher sehr
variabel sind (38). Speichereisenmangel, eisendefizitäre Erythropoese, Eisenmangelanämie Einer
Arbeit des Autor J. Hastkas folgend wurde in den aktuellen Leitlinien der
Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie die Begriffe
funktioneller Eisenmangel und eisendefizitäre Erythropoese aus dem
Bereich der Patienten mit renaler Anämie jetzt auf alle Patienten übertragen
(Abb. 3.5) (19,39).
Abb.
5.
Einteilung des Schweregrads und diagnostische Parameter von
Eisenmangel nach Hastka et al. für die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie/Onkologie
(www.dgho.de).
1.)
Speichereisenmangel, 2.) eisendefizitäre Erythropoese (=“funktioneller
Eisenmangel“), 3. Eisenmangelanämie. ZPP und Chr zeigen empfindlich die
Eisendefizitäre Erythropoese an. Als
letztes Konzept wird im Folgenden kurz auf die Studie von Suominen et al.
eingegangen, die den löslichen Transferrinrezeptor und den Ferritinindex
als sensitive diagnostische Parameter für den Eisenstatus von ansonsten
gesunden Menschen herausstellen (Abb. 3.6) (40).
Abb.
6 Stadien des Eisenmangels
und diagnostische Parameter nach Suominen et al. 40) Speichereisenmangel,
2.) eisendefizitäre Erythropoese, 3. Eisenmangelanämie. Dieses
Konzept ist nicht sehr weit von dem alten Vorschlag von Heinrich und
Hausmann entfernt und ersetzt die älteren diagnostischen Parameter wie
Serum-Eisen und Transferrin durch modernere Parameter wie s-TfR und
Ferritinindex. Es
gibt zwei Arten von Patienten, bei denen der individuelle Eisenstatus
wichtig für klinische Entscheidungen ist. Patienten mit „reinem“ Eisenmangel: Für
die allermeisten Patienten geht es um einen absoluten Eisenmangel, d.h.
ver- schiedene Kompartments werden bei fortlaufend negativer Eisenbilanz
nachein- ander bzw teilweise parallel entleert. Hierfür ist die
Einteilung von Hausmann und heinrich aus dem Jahr 1972 immer noch
ausreichend gut geeignet . Jedes Labor kann Ferrin, Serum-Eisen und
Transferrin messen, jede modernere, teuere Methode ist schlciht unnötig. Stadium
1:
Speichereisenmangel, bei dem
die physiologischen Eisenreserven mobilisiert werden und es zu vermehrten
Transport aus den Speichern hin zu Geweben mit Eisenbedarf kommt. Das
Serum-Ferritin ist der beste Parameter für dieses Stadium, das evtl.
bereits mit einer klinischen Symptomatik verbunden sein kann. Stadium
2:
Eisendefizitärer Stoffwechsel und Transport, ein
Übergangszustand, bei dem der Eisenbedarf in Geweben bereits defizitär
wird. Das Knochenmark hat den höchsten Bedarf an Eisen und wird sich bis
zuletzt auf Kosten von anderen Geweben bedienen. Den idealen, umfassenden
diagnostischen Parameter für dieses Stadium gibt es. Die Beeinträchtigung
des Transportpools im Blut ist nach Heinrich und Hausmann leicht und
einfach zu messen. Sie läuft sicher parallel mit einer beginnenden
eisendefizitären Erythropoese, angezeigt durch CHr <26-32 oder HYPO
>10 %, oder ZPP, oder sTfR. Diese eisendefizitäre Erythropese ist aber
nur ein Teilaspekt dieses Stadiums. Stadium
3: Eisenmangelanämie, das
Stadium, in dem es auch für die Erythropoese gegenüber der Norm nicht
mehr reicht. Parallel wirken auch in anderen Geweben schwere Mangelzustände,
die man diagnostisch nicht so leicht verfolgen kann. Patienten
mit Eisenmangel bei chronischer Erkrankungen und/oder Therapie mit r-HuEPO:
Der
Ausnahmepatient, bei dem der Eisenstoffwechsel durch die Grundkrankheit
wesentlich beeinträchtigt wird. Entzündungsreaktionen beeinflussen die
Hepcidinsynthese und damit die wesentlichen Eisentransportwege. Die durch
r-HuEPO-Therapie angetriebene Erythropoese
kann nicht schnell genug mit Eisen aus den vorhandenen
Eisenspeichern versorgt werden (=funktioneller Eisenmangel). Bei diesen
Patienten sind diagnostischen Parameter wie Serum-Ferritin und
Transferrin-Fe-Sättigung wenig sensitiv und spezifisch. Chr und HYPO sind
besser geeignet als das flasch erhöhte Ferritin. Bei diesen Patienten
macht eine Stadieneinteilung eigentlich wenig Sinn, weil keine Aussage über
mögliche Eisenspeicher getroffen werden kann. Bei allen zur Verfügung
stehenen „High-Tec-Parametern“ wird im Einzelfall doch immer die Frage
bestehen bleiben, ob der vorliegende Patient einen Eisenmangel hat oder
nicht. Bei Patienten mit renaler Anämie mit Ferritinwerten von 500-800
ng/ml wird ein funktioneller Test mit einer begrenzten Eisentherapie als
die endgültige Bestätigung für eine vorhandene Eisenmangelanämie
angesehen (z.B. 40 mg Fe-Sucrose bei jeder Dialyse über 8 Wochen) mit
Testkriterium 1 g/dl Hb-Anstieg in dieser Zeit (41). In
der Praxis ist außerdem häufig nur die diagnostische Unterscheidung
zwischen Eisenmangel mit und ohne
Anämie wichtig. Für Screeningstudien werden dabei „Cut-off-values“
wichtig, die mehr oder weniger weltweit akzeptiert sind (Tabelle 3.1)
Tabelle
1: “Cut-off”-Werte
von verschiedenen Eisenparametern für Eisen-mangelanämie
sTfR, löslicher Transferrinrezeptor, Zn-PP, Zink-Protoporphyrin. Strittig
ist vor allem der obere Ferritinwert, der die Normperson von einem
Probanden mit Speichereisenmangel unterscheidet. Wir halten nach Heinrich
und Hausmann dafür einen Wert von < 35 ng/ml für den Übergang zu
Eisenmangel, weil hier bereits die intestinale Eisenabsorption in vielen Fällen
bereits hochreguliert wird,
was eine aktive Reaktion des Organismus auf einen „gespürten“ Spurenelementmangel
aufzeigt. Bei einzelnen Probanden ist dies auch bei Ferritinwerten > 50
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