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Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Interdisziplinäre, klinische Gruppe Eisenstoffwechsel" Eisenstoffwechselambulanz, UKE- Haus N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389; Fax 040-7410-54797; |
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Diagnostik
bei Eisenüberladung
Die
diagnostische Abklärung einer Eisenüberladung geschieht in der Praxis häufig
allein durch Messung der bekannten Blutparameter (Serum-Eisen,
Transferrin-Fe-Sättigung und Serum-Ferritin). Diese indirekten Parameter
erlauben aber keine (Serum-Eisen) bzw eine nur ungenaue Abschätzung.
(Serum-Ferritin) der individuell vorliegenden Schweregrades der Eisenüberladung.
Neben der Art der betroffenen Zellen (parenchymale oder
makrophageale Eisenspeicherung) ist aber gerade die Größe der
Eisenspeicher ein bestimmender Parameter für das klinische Ergebnis bei
systemischen Eisenüberladungen, unabhängig davon ob sie durch
Bluttransfusionen (wie bei Thalassaemia major, Sichelzell-Anämie,
aplastischer oder refraktärer Anämie oder myelodysplastischem Syndrom) oder
durch hochregulierte Nahrungseisenabsorption (hereditäre Hämochromatose,
Thalassaemia intermedia, „iron-loading-anemias“) verursacht werden. Die
genaue Erfassung der Größe der Eisenspeicher ist essentiell für die
Behandlung von chronisch transfundierten Patienten mit Eisenchelatoren, um
einerseits die Toxizität durch erhöhte Organ-Eisenkonzentrationen und
andererseits Nebenwirkungen durch eine Überdosierung des Chelators zu
vermeiden (Abb. 1) (1).
Tab
1: Indirekte und direkte
Parameter in der Diagnostik und Kontrolle der Eisenüberladung. Nicht-invasive
quantitative Eisenmessungen haben in den letzten Jahren zunehmendes Interesse
gefunden (1), nachdem zwar mit molekular-biologischen
Methoden die verschiedenen Formen der hereditären Hämochromatose besser
differenziert werden können, aber nun auch die große Variabilität der überschüssigen
Eisenspeicherung trotz gleicher Genetik bei Patienten sichtbar geworden ist. Durch
die Entwicklung neuartiger Eisenchelatoren (Deferipron, Deferasirox) für die
Behandlung sekundärer Eisenüberladungen ist das Interesse für eine genaue
Therapiekontrolle zusätzlich angeregt worden (4). In den letzten Jahren ist
die Entwicklung von nicht-invasiven Eisenmessungen im Herzen vorangetrieben
worden, weil das Risiko für eine Herzeisenüberladung als Ursache von
Herzinsuffizienz und Arrhythmien bei Patienten mit b-Thalassämie im Zuge der
längeren Lebenserwartung dieser Patienten immer größer wird (5). Einen
zusätzlichen Stimulus erhielt diese Entwicklung durch Fortschritte in der
Messtechnik. Die Lebereisen-Suszeptometrie mit SQUID-Biomagnetometern steht
als Routine-Methode an verschiedenen Zentren der Welt zur Verfügung (New
York, Hamburg, Turin, Oakland, Sao Paulo). Neue hoch-Temperatur basierte
Systeme, die weniger technische Expertise erfordern, befinden sich in der
Entwicklung und Testung (6). Fortschritte in der Magnetresonanz-Tomographie
(MRI-R2) erlauben heute, die Eisenverteilung in einem ganzen Querschnitt der
Leber zu erfassen (7). Insbesondere die Anwendung von MRI-GRE-Methoden
(Gradient Recalled Echo) zur Erfassung der relativ niedrigen
Herzeisenkonzentration (T2*) haben neue Möglichkeiten in der
Behandlung der Transfusionssiderose eröffnet (8). Indirekte Parameter Serum-Ferritin
als Überwachungsparameter Trotz
der Limitierungen der Serum-Ferritin-Messung (SF) zur Erfassung der
Eisenspeicher bei Patienten mit Eisenüberladung (9), hat dieser Parameter
seine Berechtigung in der Kontrolle der Eisenspeicher. Assays zur Bestimmung
von SF sind weltweit verfügbar, gut standardisiert und aufgrund ihrer
Kosteneffektivitat wiederholt in kurzen Zeitabständen einsetzbar. Bei
Abwesenheit von Störfaktoren wie Entzündungen, Vitamin C Mangel, oxidativem
Stress, Leberfunktionsstörungen, vermehrtem Zelluntergang, etc., wird SF
proportional zur Größe der zellulären Eisenspeicher im Plasma angetroffen.
Allerdings ist der Zusammenhang zwischen SF und den Eisenspeichern bei Eisenüberladungskrankheiten
wie Thalassämie, Sichelzell-Anämie, hereditärer Hämochromatose oder
anderen Hämoglobinopathien relativ komplex wie die Abbildung 2 zeigt.
Die
Korrelation zwischen Serum-Ferritin und Lebereisenkonzentration ist für
Patienten mit b-Thalassaemia major und hereditärer Hämochromatose zwar
hoch-signifikant, aber als Prediktor für die Größe der Eisenspeicher ist SF
ungeeignet (Bestimmtheitsmaß r2: 59 % bzw. 54 %). Der
nicht-lineare Zusammenhang für hereditäre Hämochromatosen in Abbildung 4.1
zeigt die einsetzende Leberfibrose und die Auffüllung der RES-Eisenspeicher
mit zunehmender Eisenüberladung an. Darüber hinaus ist das Verhältnis
SF/LIC für verschiedene Eisenüberladungs-Krankheiten sehr unterschiedlich.
Transfusionssiderosen besitzen im Plasma bei gleichen Eisenspeichern relativ höhere
Ferritinkonzentrationen als eisenladende Anämien (nicht transfundierte b-Thalassaemia
intermedia) und hereditäre Hämochromatosen (10). Dieses
krankheits-spezifische Verhältnis SF/LIC sollte bei der semi-quantitativen
Einschätzung der Eisenspeicher Beachtung finden. Dennoch
ist über einen kurzen Zeitraum (1-3 Jahre) bei bekanntem individuellen
SF/LIC- Verhältnis das Serum-Ferritin ein brauchbarer Verlaufsparameter für
die Eisenspeicher solange die Transfusions- und Chelat-Behandlung nicht geändert
wird, die Compliance des Patienten gegeben ist und etwaige Störparameter wie
Entzündungen (s. o.) berücksichtigt werden. Die Messung der
Eisenkonzentration im Serum-Ferritin, von der man anfangs annahm, dass sie die
Eisenspeicher ungestörter reflektieren würde, hat sich gegenüber der
Messung des Serum- Ferritins als nicht überlegen erwiesen (11). Weitere indirekte Parameter (TfS,
NTBI, Hepcidin) Parameter
wie Serum-Eisen oder Transferrin-Eisen-Sättigung (TfS) reagieren sehr
empfindlich auf erhöhte Eisenkonzentrationen im Blut,
geben aber keine Information über den Grad der bestehenden Eisenüberladung.
Sie haben eine gewisse Berechtigung bei der Diagnostik der hereditären Hämochromatose
(Screening-Parameter: TfS > 52%) bzw. bei der Überwachung der
Aderlass-Therapie (Monitor-Parameter: 20 < Tfs < 52%) (12). Bei
Patienten mit sekundären Siderosen sind sie meist ständig oberhalb der Norm
und deshalb diagnostisch eher wertlos. Früher
wurde häufig der Desferal-Urineisen-Exkretionstest
zur Bestimmung des Speichereisens eingesetzt, ohne dass er einer kritischen Überprüfung
standhielt. Im Hinblick auf die
toxische Wirkung von Eisen könnte dieser Test neues Interesse finden (13). In
Studien wird häufig das nicht-Transferrin-gebundene Eisen im Serum (NTBI)
bestimmt, dem eine große Rolle als katalytisch aktive Eisenform in der
Pathogenese der Eisenüberladung zugeschrieben wird. Neuerdings kann auch
daraus eine evtl. biologisch aktive
Unterfraktion (LPI, labile plasma iron) bestimmt werden. NTBI tritt bei
verschiedenen Eisenüberladungserkrankungen, aber auch bei anderen Krankheiten
(z.B. Krebsleiden, Z.n. Chemotherapie) auf, immer wenn im Blut die
Transferrin-Eisen-Sättigung > 50%
erhöht ist. Ein Zusammenhang mit Gesamtspeichereisen besteht offenbar nicht,
deswegen hat sich dieser Parameter in der Routinediagnostik nicht
durchgesetzt. Hepcidin
spielt offenbar eine zentrale Rolle in der Regulation des Eisenstoffwechsels,
speziell der intestinalen Eisenabsorption. Eine Bestimmung von Hepcidin
in Urinproben ist zuverlässig möglich. Es bleibt abzuwarten, ob dieser
Parameter diagnostisch bei Patienten mit primärer oder sekundärer Eisenüberladung
zukünftig eine Rolle spielen wird. Direkte
Parameter Lebereisenquantifizierung Bei
Patienten mit sekundärer Eisenüberladung werden 70 – 90 % des
Gesamtspeichereisens in den Hepatozyten und Kupfferzellen
der Leber gespeichert, hauptsächlich als Ferritin- und Hämosiderin-Eisen
(9, 15). Effekte einer Eisenentzugstherapie mittels Chelatoren oder Aderlässen
werden am stärksten in der Leber angezeigt. Die Bestimmung der
Eisenkonzentration in der Leber erfolgt entweder invasiv durch
Leberpunktion oder nicht-invasiv durch die Ausnutzung der
paramagnetischen Eigenschaften des Speichereisens. Andere nicht-invasive
Methoden, die die höhere Elektronendichte der Eisenatome (Z = 26) ausgenutzt
haben wie die Röntgen-Computer-Tomographie (16, 17) oder die die
Kernenergieniveaus des Eisen-Isotops 56Fe angeregt haben wie die Kern-Resonanz-Streuung
(18), konnten sich bisher nicht durchgesetzen. Mit Ausnahme der
Kern-Resonanz-Streuung sind all diese Methoden nicht- spezifisch für Eisen. Sowohl
die Magnetresonanz-Tomographie (MRI) als auch die Biomagnetische
Leber-Suszeptometrie (BLS) basieren auf den paramagnetischen Eigenschaften des
Speichereisens, und für beide gelten die gleichen physikalischen
(magnetisches Dipolmoment) und mathematischen Grundkonzepte. Die
magnetischen Dipolmomente, sowohl die der Protonen bei MRI bzw. die der Eisenatome
(Ferritin, Hämosiderin) bei BLS, erfahren in einem angelegten
Magnetfeld eine Ausrichtung, die durch thermische Bewegung gestört wird,
sodass nur eine kleine feldinduzierte Fraktion von Dipolmomenten letztlich das
für die Diagnostik nutzbare Signal erzeugt. Die Summe aller magnetischen
Dipolmomente Smi
in einem Volumenelement dV erzeugt die Magnetisierung M, wobei diese für
dia- und paramagnetische Materie (biologisches Gewebe) proportional dessen magnetischer
Suszeptibiltät (Materialkonstante) c
und dem externen Magnetfeld Bf ist
(Gleichung 4.1). (4.1)
Smi
/ dV = M ~ c
Bf
(magnetische Suszeptibilität)
Die
Änderung des magnetischen Flusses DF
wird in einer Detektorspule, die in einem Volumenelement dV ein virtuelles
Magnetfeld Bd erzeugt, entweder als Radiowellen-Signal (MRI)
bzw. als Spannungsänderung (BLS) angezeigt (19). 4.2)
DF
= ∫ M(r)•Bd dV
(magnetisches Flussintegral für MRI und BLS) 4.2.1.
Quantitative Eisenbestimmung mittels Leberbiopsie Seit
der Durchführung der ersten Leberbiopsie durch Paul Ehrlich (1883), der
massenhaften Anwendung während und nach dem 2. Weltkrieg im Zusammenhang mit
Hepatitis-Infektionen, haben verschiedene Leberbiopsie-Methoden Eingang in die
klinische Routine gefunden (20). Die häufigsten Komplikationen sind
Blutdruckabfall aufgrund von Blutungen (21) und Schmerzen in ca. 30% der
Patienten (22). Inwieweit
die Messung der Eisenkonzentration in einer Leberbiopsie als Referenzmethode für
die genaue und repräsentative Bestimmung der Eisenspeicher gelten kann, ist
ein immer wieder diskutiertes Problem. Es herrscht jedoch Einigkeit darüber,
dass ein Mindestgewicht von ca. 4 mg Feuchtgewicht bzw. 1 mg Trockengewicht für
eine quantitative Bestimmung nicht unterschritten werden sollte (23). Außerdem
sollte die Eisenverteilung in der Leber homogen sein, was bei Eisenüberladungskrankheiten
nicht immer gegeben ist (24). In
eisenüberladenen Patienten ohne Lebererkrankung haben Barry und Sherlock (25)
eine gute Übereinstimmung (Variationskoeffizient VK = 7.1 %) zwischen zwei
Leberbiopsien aus voneinander entfernten Leberregionen erhalten, allerdings
bei einem durchschnittlichen Trockengewicht von 10 mg. Unter heutigen
Bedingungen wurde in Patienten mit b-Thalassaemia
major und Sichelzell-Anämie mit einer Bajonett-Biopsienadel (mittleres
Trockengewicht 0,94 mg) eine ebenso gute Übereinstimmung gefunden wie die
Abbildung 3 zeigt (26), wobei allerdings auch Unterschiede von bis zu 30%
gefunden wurden.
Abb. 3:
Relative Abweichung der
Eisenbestimmung (Altman-Bland Plot) zwischen 2 in Paraffin eingebetteten
Biopsien aus der gleichen Leberregion (VK 7.6 %) (34).
Solange
die Eisenbestimmung aus einer Leberbiopsie nur in einem Labor und mit der
gleichen Biopsie-Technik (Menghini, True-Cut, etc.) erfolgt, kann diese in
vitro Methode abgesehen von Problemen der Eisenverteilung als Referenz-Methode
angesehen werden (26). Beim Vergleich mit in vivo Methoden, die LIC per se im
nativen feuchten Zustand messen und wie MRI meistens gegen LIC per
Trockengewicht kalibriert werden, können Unterschiede im
Feucht-zu-Trockengewichts-Verhältnis für LIC-Variationen von im Mittel 20%
hinzukommen. Der lange Zeit unkritisch übernommene Konversionsfaktor von 3.33
für die Lebereisen-Konzentration und die daraus abgeleiteten empfohlenen
LIC-Bereiche (27) für die Therapie von Thalassämie-Patienten lassen sich so
nicht länger aufrechterhalten, wie eine neuere Untersuchung an
Autopsie-Lebern (28) und schon frühere Studien gezeigt haben (26, 29).
Tabelle 4.2 zeigt für verschiedene Leberbiopsie-Prozeduren
(Feuchtgewichts-Bestimmung, Trockengewichts-Bestimmung, Paraffin-Block) die
aktuellen Konversions-Faktoren und die sich daraus ergebenden neuen
Empfehlungs-Bereiche für die Lebereisen-Konzentration (29).
Neben
der physikalisch-chemischen Bestimmung der Eisenkonzentration kann die
Eisenverteilung in einem histologischen Schnitt der Leber nach Anfärbung auch
semi-quantitativ beurteilt werden. Als weitgehend standardisierte Methode ist
das Beurteilungs-Schema von Deugnier (31) anzusehen, das den Grad der
Eisenablagerung in Hepatozyten und Kupffer-Zellen auf einer Skala von 0 bis 60
(total iron score TIS) bewertet. Die
quantitative Phlebotomie wird bei Patienten mit hereditärer Hämochromatose
seit langem zur Erfassung des Gesamtspeichereisens eingesetzt. Eine
Schwierigkeit ist dabei die Bestimmung der relativ hohen Absorptionsrate aus
Nahrungseisen, die besonders gegen Ende der Aderlasstherapie-Serie
Eisen-Absorptionsraten von bis zu 10 mg/d und mehr annehmen kann. Dieses
Modell eignet sich aber auch dazu, um nicht-invasive Methoden zu validieren,
wie der nachgewiesene lineare Zusammenhang zwischen durch Aderlässe
mobilisierter Eisenmenge und der mittels SQUID-Biosuszeptometrie bestimmten
Lebereisenkonzentration gezeigt hat (6). Die
Kenntnis der Lebereisen-Konzentration erlaubt auch eine Abschätzung des
Speichereisens wie Studien mit erschöpfenden quantitativen Phlebotomien
gezeigt haben. In b-Thalassämie-Patienten
nach Knochenmarks-Transplantation wurde die Relation (Gleichung 4.3) zwischen
dem durch erschöpfende Phlebotomien bestimmten Ganzkörper-Speichereisen
(total body iron TBI [mg Fe]) und der gemessenen Lebereisen-Konzentration (LIC
[mg/gdry wgt]) von in Paraffin eingebetteten Biopsien unter Berücksichtigung
des Körpergewichts (body weight BW [kg]) erhalten (32). (4.3)
TBI = 10.6 · LICdry wgt · BW
(Ganzkörper-Speichereisen) Inwieweit
sich diese Relation auf Patienten mit Eisenüberladung aufgrund akuter
Bluttransfusionen übertragen lässt, bleibt dahingestellt. Biomagnetische
Lebersuszeptometrie (4.4)
DF
= ∫
c(r)
Bf(r)•Bd(r) dV
(Suszeptometrie-Signal) In
der praktischen Realisierung der BLS wird meistens die Differenz-Methode
benutzt (siehe Abbildung 4.4). Dabei wird die Änderung der magnetischen
Volumensuszeptibilität Dc zwischen Thorax und dem Referenzmedium Wasser
gemessen (34).
Abb.
4: Differenz-Methode zur
Messung der Lebereisenkonzentration: Der Patient wird im Magnetfeld der
Startposition (links, 20-30 milliTesla) um ca. 5 – 10 cm (rechts, ca. 1
milliTesla) senkrecht nach unten bewegt. Während dieses vertikalen Scans
folgt die Wasserkopplungs-Membran dem Patienten und die Änderung des
magnetischen Flusses wird als Funktion des Abstandes in den Detektorspulen und
SQUIDs gemessen. Die
Änderung der magnetischen Volumensuszeptibilität Dc wird durch das
paramagnetische Ferritin- und Hämosiderin-Eisen (cFe
= 1600·10-6) und das Referenzmedium (Wasser) bestimmt, wobei die
diamagnetischen Eigenschaften von biologischem Körper-Gewebe und Wasser näherungsweise
gleichgesetzt werden können (c = -9·10-6) und um 3 Größenordnungen
vom Ferritin-/Hämosiderin-Eisen übertroffen werden. In erster Näherung
kann daraus die Lebereisenkonzentration (LIC) bestimmt werden (6). (4.5)
LIC = Dc / cFe
(spezifische magnetische Ferritin-Suszeptibilität) Erstmalig
wurde diese Methode gegen die Eisenkonzentrationen in Leberbiopsien von
Patienten mit hereditärer Hämochromatose validiert (35). Wie die Gleichungen
4.4 und 4.5 zeigen, ist keine Kalibrierung gegen Leberbiopsien notwendig. Es
erfolgt lediglich eine physikalische Kalibrierung gegen ein Objekt mit
bekannter magnetischer Suszeptibilität und definierter Geometrie (36).
Insofern ist die BLS eine streng mathematisch-physikalische Methode, wobei das
Flussintegral für den der Verlauf des Mess-Signals (Gleichung 4.4) gegen den
Abstand genau berechnet werden kann. Allerdings
musste auch diese Methode mit biologischen Modellen (Eisenbestimmung in
Leberbiopsien, quantitative Phlebotomie) validiert werden (6, 35, 37). Diese
Validierung ergab an 38 Patienten mit hereditärer Hämochromatose (und
Thalassämien) einen streng linearen Zusammenhang (r2 = 0.98) mit
der Eisenbestimmung in
Feuchtgewichts-Biopsien (Atomabsorptions-Spektroskopie) im Bereich von 30 bis
5000 µg/gwet weight mit einem Regressionskoeffizienten von 1.00 ±
0.03, der damit die Richtigkeit der spezifischen magnetischen Suszeptibilität
des Hämosiderin-/Ferritin-Eisenkomplexes anzeigt (Gleichung 4.4). Da
bei Patienten mit Transfusions-Siderose 70 – 90% des Ganzkörper-Speichereisen
in der Leber gespeichert sind (15), lässt sich durch zusätzliche Messung des
Lebervolumens das gesamte Lebereisen (u. U. zusätzlich das Milzeisen)
bestimmen. Unter der Annahme, dass das Leber- und Milzeisen 80% des
Speichereisens darstellt, kann daraus das Ganzkörper-Speichereisen (total
body iron TBI) berechnet werden (9). In Abbildung 5 ist dies für eine
typische Biosuszeptometrie-Indikation, die Messung der Eisenspeicher vor und
nach Knochenmark-Transplantation, dargestellt.
Abb. 5:
Überwachung
und Kontrolle der Eisenparameter in einem Patienten mit ß-Thalassaemia major
vor und nach Knochenmark-Transplantation (KMT). Der Verlauf des
Eisenspeicherung wird gut durch die nichtinvasiven Messungen des Lebereisens
(BLS) widergegeben. Quantitative
Magnetresonanz-Tomographie der Leber Gemäß
Gleichung 4.2 wird die Größe des resonanten Radiowellensignals der Protonen
(65.2 MHz bei 1.5 Tesla) in der Detektorspule eines MRI-Geräts von der
Kern-Magnetisierung M(r) aller Protonen im jeweiligen
Volumenelement dV des Körpers, der Detektor-Konfiguration und dem Abstand r
zur Detektorspule bestimmt. Anders als bei der Suszeptometrie gibt es jedoch
nach heutigem Kenntnisstand keine befriedigende quantitative Theorie
für die Wechselwirkung von Eisenatomen mit der Kernmagnetisierung der
Protonen (38). und für die daraus resultierende longitudinale und
transversale Relaxation (R1 = 1/T1 und R2 =
1/T2). Darüber hinaus wird die Wechselwirkung der Protonen mit
einem magnetischen Zentrum von einer Reihe von Parametern beeinflusst wie der
Zahl der Protonen-Liganden, ihrer Beweglichkeit (correlation time), der Größe
der Ferritin- und Hämosiderin-Molekül-Cluster, unterschiedliche
Protonen-Pools, etc. Diese komplexen Zusammenhänge eröffnen andererseits
auch die Möglichkeit zusätzliche Informationen über Hämosiderin- und
Ferritin-Eisenverteilung zu erhalten (39). Die eisen-spezifische in vivo
MR-Tomographie von 57Fe ist wegen der sehr kleinen Sensitivität (1H
: 57Fe = 1 : 10-5) und der z. Zt. erreichbaren
Magnetfeldstärken nicht möglich. Trotz
aller Komplexität bietet die quantitative MRI-Eisenbestimmung auch eine Reihe
von Vorteilen, wenn die nötige Expertise vorhanden ist. Diese beruhen hauptsächlich
auf der 3-dimensionalen Lokalisation (Bildgebung) und der Erfassung von
tiefliegenden Organregionen. Seit Mitte der 90er Jahre haben sich verschiedene
MRI-Methoden zur Erfassung des Lebereisens herauskristallisiert, die laufend
eine Verbesserung durch homogenere Magnetfelder und kürzere Echozeiten
erfahren haben. Es soll hier nur auf die Single-Spin-Echo Methode (SSE) zur
Bestimmung der transversalen Relaxationszeit T2 eingegangen
werden (40-42), die heute als
anerkanntes quantitatives Verfahren zur Lebereisenbestimmung und seiner
2-dimensionalen Verteilung (liver iron imaging) mit standardisiertem
Messprotokoll und zentraler Analyse (Ferriscan®) weltweit zur Verfügung
steht (43). Bei
dem Spin-Echo Verfahren klingen die in der Detektorspule empfangenen
Radiowellen-Signal-Intensitäten SI der Echos, die durch Anregungsimpulse im
Abstand einer gewählten Echozeit TE erzeugt werden, exponentiell
mit der transversalen oder Spin-Spin-Relaxationszeit T2 ab. In
erster Näherung gilt die Gleichung 4.4 mit den neben T2 zu
bestimmenden Signalintensitäten SI bei TE = 0 und bei TE
→ ∞. (4.4)
SI (TE) = SIo · EXP(-TE/T2)
+ SI∞
(transversale Relaxation) Bei der SSE-Methode wird nur das qualitativ beste 1. Echo registriert und die Echozeit wird variiert. Die Funktion 4.4 wird an die resultierenden Signal-Intensitäten angepasst. Bei Vorhandensein von mehreren Protonenpools mit unterschiedlichem Relaxationsverhalten muss die mono-exponentielle Funktion 4.4 zu einer bi- oder multi-exponentiellen Funktion erweitert werden (43). Ob ein bi-exponentielles Modell für die Leber wirklich bessere Resultate liefert oder angesichts der verwendeten Echozeiten und dem z. Zt. erreichbaren Signal-Rausch-Verhältnis der MRI-Tomographen überstrapaziert zu sein scheint, müssen zukünftige Forschungen zeigen (44).
In
Abbildung 6 ist die SSE-Methode mittels Ferriscan®-Analyse (43)
exemplarisch für einen transfundierten Patienten mit HbE/b-Thalassämie gezeigt, bei dem aufgrund klinischer
Daten (Ferritin: 6600 µg/l, ALT: 200 U/l, Transfusion: 100 ml/kg/Jahr
Deferoxamin-Chelatordosis: 10 mg/kg/d) der Verdacht bestand, dass das
Lebereisen durch SQUID-BLS (LIC ≈ 11.3 mg/gdry wgt) unterrepräsentiert
würde. Die exponentielle Modell-Funktion zur Ermittlung der transversalen
Relaxationen R2 wird an die gemittelten Signalintensitäten pro
Volumenelement (ca. 10 mm3) in Abhängigkeit von den Echozeiten
angepasst (A1 ... An). Daraus wird dann für eine repräsentative Leberschicht
das R2-Bild berechnet und dargestellt (B). Aus dem R2-Histogramm
(C) wird dann mittels nicht-linearer Kalibrierkurve (D), die zuvor aus den gefriergetrockneten
Leberbiopsien von 105 Patienten mit b-Thalassämie, hereditärer Hämochromatose und von HCV
infizierten Patienten erstellt worden ist (43),
die mittlere Lebereisenkonzentration berechnet. Herzeisenquantifizierung Auch
wenn die Hauptmenge an Eisen bei Eisenüberladungs-Krankheiten in der Leber
akkumuliert wird, kann es auch in anderen Organen zu kritischen
Eisenkonzentrationen kommen, was klinisch viel größere Beedeutng haben
kann.. Insbesondere bei Transfusions-Siderosen sind lebensbedrohliche
Kardiomyopathien und Herzrhythmusstörungen mit einer Eisenüberladung des
Herzens in Verbindung gebracht worden (45), während Herzprobleme bei hereditärer
Hämochromatose eher selten vorkommen (46). In einer der repräsentativsten
Studien zum Überleben von 1146 Patienten mit b-Thalassaemia major, die zwischen 1960 und 1987 geboren worden
sind, wurde Herzversagen als häufigste Todesursache (60 %) gefunden (5)
(vergl. Kap. 6 und 7). Diese Überlebensstudien und die Erfolge der
Intensiv-Chelatorbehandlung bei Herzproblemen führten zu der Vorstellung,
dass Patienten mit optimalen Eisenspeichern und an die Bluttransfusions-Rate
angepasstem Chelator-Regime ein geringes Risiko für Herzprobleme zu erwarten
hätten (27). In
den letzten Jahren wurden jedoch neuere Befunde erhoben, die bei ß-Thalassaemia
major keinen Zusammenhang zwischen
der Häufigkeit von Herzproblemen und erhöhten Eisenspeicher-Parametern wie
Ferritin und Lebereisenkonzentration aufzeigen. Mit einer neuen MRI-T2*-Methode
wurde diese scheinbar paradoxe Situation direkt bestätigt, indem kurze T2*-Relaxationszeiten
(mehr Eisen) auch im Herzen von gut chelierten Patienten mit niedrigem LIC
gefunden wurden (8). Im Gegensatz dazu wurde in Studien an MDS-Patienten mit
mehr klassischen MRI-Methoden (spin-echo T2, SIR = signal intensity
ratio) eine signifikante Korrelation zwischen MRI-Parametern im Herzen und LIC
bzw. Ferritin gefunden (47). Aktuell
finden quantitative MRI-T2*-Herz-Messungen im Zusammenhang mit der
klinischen Testung von neuen oralen Eisenchelatoren (Deferipron, Deferasirox)
oder Chelator-Kombinationen (Deferoxamin & Deferipron) große Beachtung,
da es möglicherweise Unterschiede
in der Effizienz von verschiedenen Chelatoren gibt, das klinisch offenbar
bedeutsame Speichereisen im Herzen zu entfernen
(48, 49). Autopsie- und
Endokard-Biopsie Im
Gegensatz zur Leber wird die direkte physikalisch-chemische Bestimmung der
Herzeisen-Konzentration (HIC = heart iron concentration) in einer
Katheter-Biopsie eher selten durchgeführt und ist wegen der Inhomogenität
der Eisenverteilung im Myokard-Gewebe auch nicht repräsentativ für das
gesamte Herzeisen (50, 51). In
Autopsie-Herzen mit signifikanter histologischer Eisenfärbung haben Buja und
Roberts (52) HIC-Werte zwischen 160 und 1470 µg-Fe/gwet weigt
gefunden. Von Interesse für nicht-invasive Methoden dürfte auch das relativ
hohe Feucht-zu-Trockengewichts-Verhältnis von 6.5 ± 0.6 sein. Alle Patienten
mit HIC > 600 µg-Fe/gwet weigt von mehr als 23 g
transfundierten Eisen hatten eine Herzinsuffizienz entwickelt. Außerdem wurde
ein Eisengradient im Myokard mit mehr Eisen im Epikard beobachtet.
In Autopsie-Herzen von Patienten mit hereditärer Hämochromatose
wurden HIC-Werte > 500 µg-Fe/gwet weigt (normal: 20 - 125µg-Fe/gwet
weigt) im gesamten links-ventrikulären Herzmuskel und im Septum
gefunden (53). In einer anderen Autopsie-Studie in Patienten mit HbE/b-Thalassämie,
die an kardialer Hypertrophie litten, waren in Histologie-Schnitten nur
leichte Eisenfärbungen sichtbar (54). Quantitative
Magnetresonanz-Tomographie des Herzens Von
allen nicht-invasiven Methoden zur Messung des Herzeisens erscheint zur Zeit
die Magnetresonanz-Tomographie am vielversprechendsten zu sein (47).
Insbesondere ist die MRI-T2*-Methode für die Messung der
vergleichsweise niedrigen Herzeisen-Konzentration (s. Kap. 4.3.1) sensitiver
als die mehr klassischen MRI-Methoden (T2, SIR). Die transversale
„magnetische“ Relaxation R2* = 1/T2* kennzeichnet
den Zerfall der Protonenresonanz in der Umgebung lokaler Magnetfelder
(Suszeptibilitäts-Effekte). Sie ist in erster Näherung der Summeneffekt aus
der transversalen Relaxation 1/T2, die die Wechselwirkung mit den
Kernspins der Nachbarprotonen kennzeichnet, und der Wechselwirkung mit den
umgebenden Magnetfeld-Inhomogenitäten (nicht-rephasierende technische
Eigenschaften und/oder lokale magnetische Momente von Nachbaratomen)
(Gleichung 4.5) (19). (4.5)
R2* = 1/T2* = 1/T2 + 1/T’(transversale
„magnetische“ Relaxationszeit T2*) Um
die relativ kleinen magnetischen Suszeptibilitätseffekte der Nachbaratome genügend
präzise zu messen (T2* < T2), erfordert diese
Methode allerdings sehr homogene Magnetfelder ≥ 1.5 Tesla im
Beobachtungsfenster, kurze Echozeiten (TE < 3 ms) und die
Lokalisation einer optimalen Messschicht. Wegen der dynamisch-komplexen
Herzgeometrie ist die Methode aber auch anfällig für Artefakte insbesondere
bei niedrigen Eisenkonzentrationen (55).
Inzwischen
hat sich die Messung von T2* mittels Multi-Echo-Methode in einem
Atemintervall als Standard für die Herzeisenbestimmung herauskristallisiert
(56). Abbildung 7 zeigt dies am Beispiel
einer transfundierten Patientin mit b-Thalassaemia major, deren
Lebereisenkonzentration in den letzten 10 Jahren durch entsprechende
Chelatordosis-Anpassung auf einem optimalen Wert von ca. 1000 µg/gLeber
gehalten werden konnte. Allerdings zeigte die Patientin bei normalen
echokardiographischen Befunden in den letzten 2 Jahren gelegentlich
Extrasystolen im EKG. Bei der Messung von T2* kommt es zunächst
auf eine genaue Lokalisation einer Schicht durch die kurze Herzachse in Höhe
der Mitte des Papillar-Muskels an (s. Abbildung 4.6). Wegen der Suszeptibilitäts-Artefakte
durch Lunge, Leber und Milz sollte man sich bei der Auswertung der
Signal-Intensitäten auf das Septum beschränken (55). Eine
Kalibrierung von Herzeisen-Messungen mittels MRI durch eine quantitative
physikalisch-chemische Eisenbestimmung im Herzgewebe steht noch aus. Im
Tierexperiment ist dies für T2 und T2* (57) geschehen.
An Patienten mit Eisenüberladung des Herzens konnte das bisher nur
histologisch semiquantitativ mittels Endokard-Biopsien für T2 (58)
gezeigt werden. An einem Autopsie-Herzen (59) eines Thalassämie-Patienten
wurde in einer Myokard-Biopsie des Septums eine Eisenkonzentration von 4.5
mg/g dry weight (ca. 700 µg/gwet wgt) bei einem T2* von 6.9 ms
gemessen werden, was mit der Kalibrierung aus dem Tierexperiment relativ gut
übereinstimmt. Eine
direktere Bestimmung der Herzeisen-Konzentration ohne die Notwendigkeit einer
Kalibrierung mittels chemisch-physikalischer Eisenmessung in Gewebeproben könnte
zukünftig durch die kardio-magnetische Suszeptibilitäts-Messung mit MRI
erfolgen (60). Magnetresonanz-Tomographie
von anderen Organen und Geweben Die
fehlende Korrelation der Leber- mit der Herzeisen-Konzentration hat gezeigt,
dass die Messung des Lebereisens als alleiniger Indikator für die Erfassung
des Komplikationsrisikos durch Eisenüberladung nicht ausreicht. Es kann in
bestimmten Organen und Drüsengeweben durch zwar kleine Eisenmengen zu einer
kritischen organ-spezifischen Eisenkonzentration kommen. Milz Die
Milz kann bei transfundierten Patienten, infolge einer vergrößerten Milz,
signifikante Eisenmengen speichern. Im Durchschnitt ist die
Milzeisenkonzentration niedriger als die Lebereisenkonzentration (9), kann
aber bei einzelnen Patienten erheblich sein, sodass Änderungen in der
Chelatordosis sich in der Leber erst verspätet zeigen. Die Messung der
Milzeisenkonzentration ist für Milzvolumina ≥ 400 ml mittels
SQUID-Biosuszeptometrie möglich und kann die Langzeit-Compliance mit der
Chelator-Therapie anzeigen (61). Hirnanhangsdrüse
Die
vordere Hypophyse scheint am sensitivsten auf frühe toxische Effekte der
Eisenüberladung zu reagieren. Dies steht im Zusammenhang mit der Beobachtung
das 55% der nach 1970 geborenen Thalassämie-Patienten des italienischen
Thalassämie-Registers einen Hypogonadismus zeigen (5). Die quantitative
Messung von Eisen mittels MRI in der relativ kleinen vorderen Hypophyse (200
± 100 mm3) gestaltet sich als schwierig. Inwieweit sich die Eisenüberladung
der Hypophyse aus der Messung von Ferritin oder dem Lebereisen ableiten lässt,
ist eine noch offene Frage, da die bisher eingesetzten MRI-Methoden (SIR) eher
als semi-quantitativ bezeichnet werden müssen (62). Ebenso ist der
Zusammenhang zwischen Hypophysen-Funktion (gemessen mit dem Gonadotropin-Test)
und einer Eisenüberladung (gemessen mit MRI-T2) nicht eindeutig
gezeigt (63). Bauchspeicheldrüse
Eine
bei Eisenüberladung häufig anzutreffende Komplikation ist die
Glucose-Intoleranz bzw. ein Diabetes mellitus Typ 2, sowohl bei hereditärer Hämochromatose
als auch bei ß-Thalassaemia major (5, 46). Die Pathogenese des Diabetes im
Zusammenhang mit einer Siderose ist nicht wirklich verstanden (45, 64). Die
Eisenüberladung in der Bauchspeicheldrüse führt zu oxidativem Stress in den
Beta-Zellen gefolgt von Zelltod und Glucose-Intoleranz, wobei dieses Szenario
allein nicht einen Diabetes zu verursachen scheint (65). In
Patienten mit ß-Thalassamia major wurde mit MRI-T2* ein
signifikant höheres Pankreas-zu-Fett SignalVerhältnis
als in Normal-Personen gemessen, wobei dieses reziprok mit der
Serum-Trypsin-Konzentration korrelierte, was die Autoren mit progressiver
Fetteinlagerung als Folge der Beta-Zell-Apoptose erklären (66). Signifikante
Unterschiede zwischen b-Thalassämie-Patienten
mit und ohne Diabetes sind in der Bauchspeicheldrüse mit MRI-T1–SIR
gefunden worden, obgleich diese Ergebnisse durch das Problem der
Fetteinlagerung bei progressiver Pankreasinsuffizienz beeinträchtigt sind. Andere
Drüsen und Gewebe Die
Eiseneinlagerung in andere Organe und Gewebe (Gonaden, Schilddrüse, Gehirn,
Niere, Lunge) ist bisher wenig untersucht, wobei den Eisenspeichern im Gehirn
bei Sichelzell-Anämien und auch hinsichtlich anderer Krankheiten (Parkinson,
Alzheimer) eine besondere Bedeutung zukommt. Eine interessante neuere Methode
stellt die Messung der magnetischen Suszeptibilität mit MRI (60) in
spezifischen Hirnarealen dar, insbesondere das SWI (= susceptibility weighted
imaging), das neben den üblichen Intensitäts-Bildern auch die Phasen-Bilder
auswertet (67). Die Validierung dieser Methoden wird, wie bei der SQUID
Biomagnetischen Leber-Suszeptometrie geschehen, ungleich schwieriger werden. Literatur 1.
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Peter Nielsen |