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Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Interdisziplinäre, klinische Gruppe Eisenstoffwechsel" Eisenstoffwechselambulanz, UKE- Haus N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389; Fax 040-7410-54797; |
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Diagnostische
Parameter Es
stehen verschiedene diagnostische Parameter zur Verfügung, um bei einem
gegebenen Patienten einen Eisenmangel zu erkennen und den Schweregrad zu
erfassen.
Serum
Ferritin
Problematisch
sind allerdings falsch erhöhte Ferritinwerte, die nicht mit den
Eisenspeichern korrelieren. Ferritin ist auch Teil des Akut-Phase-Systems,
das empfindlich auf Gewebsverletzungen zum Beispiel bei Infekten, Tumoren,
reagiert. Insbesondere Leberschäden setzen häufig Ferritin aus
Leberzellen frei, die in der Menge deutlich das normale Plasmaferritin übertreffen
und dann eine Eisenüberladung vortäuschen. Der Eisengehalt von Ferritin
im Plasma kann bestimmt werden. Entgegen anfänglichen Erwartungen ist
dieser aufwendiger zu bestimmende Parameter der einfachen
Ferritinbestimmung nicht überlegen (11). Serum-Eisen, Transferrin, Transferrin-Eisen-Sättigung Im
Blut wird Eisen an Transferrin gebunden transportiert. Transferrin ist im
Normalfall nur zu ca. 1/3 mit Eisen gesättigt, wobei zwei Atome Eisen
sehr fest (Kd=
10-23
M) an einem Molekül Transferrin binden (12). Seit der Einführung der
Serumeisen-Untersuchung 1937 sind zahlreiche Angaben über Normalwerte bei
Männern und Frauen erschienen (13). Die Bestimmung sollte immer morgens nüchtern
erfolgen, eine gewisse Tag-zu-Tag Variation ist vorhanden, sodass die
Aussagekraft in Richtung Eisenmangel problematisch ist. Das Serum-Eisen
ist empfindlich gegen Eisenüberladung und spielt deshalb beim Screening
auf hered. Hämochromatose eine einfache und wichtige Rolle.
Bei Infekten ist das Serum-Eisen häufig erniedrigt, was als
Abwehrmehrmechanismus gegen bakterielle Infektionen gesehen wird, da
Bakterien auf die Eisenversorgung aus
dem Plasma angewiesen sind. Früher
wurde zusätzlich häufig die Totale Eisenbindungskapazität gemessen, indem eine definierte Menge
Eisen zu Serum-Proben zugesetzt wurde und der nicht von Transferrin abgesättigte
Anteil zurückgemessen wurde (14). Diese Bestimmung ist heute weitgehend
durch die direkte Bestimmung
von Transferrin verdrängt worden. Transferrin ist erhöht im schweren
Eisenmangel und erniedrigt bei Eisenüberladung, beide Veränderungen
dokumentieren den Versuch der Gegenregulation des Körpers, um mehr bzw.
weniger Eisen in Zellen aufzunehmen. Serum-Transferrin
hat einen Kohlenhydratanteil, der über Sialinsäurereste an Transferrin
gebunden ist. „Karbodeficientes“ Transferrin ist eines der besten
diagnostischen Parameter für regelmäßigen starken Alkoholmissbrauch.
Die Konzentration von mono- und die disialo-Isoformen (üblicherweise 1%)
steigen bei Alkoholismus zu Lasten der tetra oder hexa-Isoformen stark an
(auf 10 %) (15). Die
Transferrin-Sättigung wird anhand des gemessenen Transferrin-Werts und
des freien Eisens im Serum errechnet. Die Transferrin-Sättigung ist ein
sehr empfindliches Maß für die Menge an Eisen, die für die Erythropoese
und den zellulären Bedarf verfügbar ist. Bei chronisch entzündlichen
Erkrankungen ist die Transferrin-Sättigung meist im unteren Normbereich
oder leicht reduziert. Löslicher Transferrin-Rezeptor Der
lösliche Transferrin-Rezeptor ist ein Teilstück des normalen
Oberflachenrezeptors und kann durch Proteolyse als lösliche Form ins Blut
freigesetzt werden. Dieser als „Shedding“ bezeichnete, offenbar
physiologische Prozess, ist für viele Proteine unterschiedlichster
Struktur und Eigenschaften beschrieben, dazu gehören Rezeptoren, Liganden,
Zelladhäsionsmoleküle und Ektoenzyme (16). Die Zahl der TfR auf der
Zelloberfläche reflektiert den Eisenbedarf der betreffenden Zellen. Ein
Eisenmangel führt zu einer Induktion der Transferrinrezeptorsynthese. Es
gibt eine Reihe von Studien, die die Messung des löslichen
Transferrinrezeptors bei Patienten mit Eisenmangel und Eisenüberladung
als neuen quantitativen Eisenparameter favorisieren (17). Insbesondere bei
Infekten soll die Bestimmung weniger falsch veränderte Werte zeigen als
das Serum-Ferritin. Der sogenannte Ferritinindex (sTfR/logSerum-Ferritin)
wird als gutes Maß für das Ganzkörpereisen angesehen (18) Zinkprotoporphyrin Ein
Mangel von verfügbarem Eisen für die Erythropoese führt zu einem Einbau
von Zink in den Protoporphyrin-Komplex und damit zu einer Bildung von
Zinkprotoporphyrin (ZPP) anstatt von Hämoglobin, was an der starken
Fluoreszenz von ZPP einfach uns kostengünstig
bestimmt werden kann (19). Es
konnte gezeigt werden, dass die Zinkprotoporphyrin-Werte eng mit dem
Anteil hypochromer Erythrozyten bei Patienten mit Eisenmangelanämie
korrelieren (20). ZPP ist ein Meßparameter, der als Endpunktskontrolle
der Erythropoese angesehen werden kann, auch bei eisendefizitärer
Erythropoese mit normwertigen oder nur gering verminderten Eisenspeichern
und Transportproteinen zeigen sich deutlich erhöhte Werte. Einschränkend
gilt aber, dass die ZPP-Messung bei Schwangeren, Kindern, Thalassämie-minor
Patienten und bei renaler Anämie kein empfindlicher Test auf Eisenmangel
ist (20, 21). Hämoglobin in Retikulozyten, Anteil hypochromer Erythrozyten Mit
modernen Duchflußzytometern (z.B. Technikon H1-3) kann man die
Retikulozyten oder Erythrozyten hinsichtlich Größe und ihrem
individuellen Hämoglobin-Gehalt erfassen (22). Da Retikulozyten nur ein
bis zwei Tage zirkulieren, reagiert der Anteil des Hämoglobins im
Retikulozyten (CHr) zeitnah auf eine Einschränkung der Eisenversorgung, während
die üblichen Blutbildparameter (MCH, MCV) erst nach Wochen bis Monaten
eine Veränderung anzeigen. Bereits früh wurde auch erkannt, dass der
Anteil der hypochromen Erythrozyten (%Hypo) ein sehr sensitiver Marker für
eine eisendefizitäre Erythropoese unter fortgesetzter
Erythropoetin-Therapie ist. Die abnormal kleinen und hämoglobinarmen
maturen Erythrozyten reagieren
im Vergleich zu CHr aber deutlich später (23). Von
Thomas und Thomas stammt eine Auswertung von CRP, CHr und Ferritinindex (24,25).
Gegenüber einer alleinigen Ferritinbestimmung zeigt das 4-Felder-Diagramm
nach Meinung der Autoren Vorteile in der Abklärung und
Verlaufsbeurteilung komplexer Eisenstoffwechselstörungen, insbesondere
von funktionellem Eisenmangel bei Patienten mit renaler Anämie (Abb.
3.3). Zudem können für einzelne Patienten therapeutische Empfehlungen
ausgesprochen und der Erfolg kontrolliert werden.
Abb.
3.
4-Felder-Diagramm nach Thomas und Thomas ( 25) von 154 Patienten
mit Anämie ohne akute-Phase-Reaktion (CRP<5).
1,
ausreichende Eisenspeicher; 2, verminderte
Speichereisenreserve bei noch nicht vorhandenem funktionellen Eisenmangel;
3,
Mikrozytäre, hypochrome
Erythropoese aufgrund eines klassischen Eisenmangels; 4,
Funktioneller
Eisenmangel bei normaler oder vermehrter Speichereisenreserve. Diese
„High-End“-Diagnostik von Eisenparametern bei Patienten ist aufwendig,
kompliziert und kostenträchtig. Die Ergebnisse und Aussagen sind etwas
verwirrend und es ist für den normalen Patienten mit einfachem
Eisenmangel schwer zu erkennen, wo der diagnostische Vorteil liegt. Für
Patienten mit komplexen Krankheiten und Therapien (z.B. parenterale
Eisentherapie begleitend zur Behandlung rHuEPO) und evtl. sekundär veränderten
Serum-Ferritinwerten könnte
diese Art der Diagnostik aber nützlich sein (è
Kap. 3.4). Hepcidin/BMP6 So
wie bei Diabetes mellitus das Hormon Insulin gemessen werden kann und
dadurch wichtige Informationen über die Insulinsynthese und
Insulinresistenz erhalten werden, so kann man bei Eisenmangel theoretisch
das Eisenhormon Hepcidin im Urin oder Serum bestimmen. Experimentell gibt
es dazu bei Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen, inkl.
Eisenmangelanämie und Anämie bei chronischer Erkrankung, bereits
zahlreiche Befunde (26, 27). Ein großes Problem ist die reproduzierbare
Analyse von Hepcidin, für das es bisher keinen allgemein verfügbaren,
weltweit akzeptierten immunologischen Test gibt (28). Grund ist
Schwierigkeit, optimale Antikörper gegen dieses kleine (25 AS) und
hochkonservierte Peptid herzustellen. Bisher scheinen Methoden am zuverlässigsten
zu sein, die Hepcidin säulenchromatographisch reinigen und dann mittels
Massenspektroskopie bestimmen (29). Wegen
dieser technischen Probleme gibt es von Patienten mit verschiedenen
Krankheiten nur wenige Daten, teilweise nur Einzelbefunde. Es ist aber
absehbar, dass die Hepcidinbestimmung zukünftig diagnostisch wertvoll
sein könnte. Mögliche
Anwendungsfelder könnten sein: das Erkennen einer Eisenmangelkomponente
bei Patienten mit Anämie bei chronischer Erkrankung, Screening und
Verlaufkontrolle von hereditärer Hämochromatose, Abschätzung der Eisenüberladung
und der erythrpoetischen Aktivität von „iron-loading anemias,
Therapiekontrolle der EPO-Medikation bei renaler Anämie. BMP6
ist aktuell gerade als wichtiger Aktivator der HJV/BMP-Kaskade erkannt
worden. Möglich erscheint, dass dieser Parameter einfacher und zuverlässiger
zu messen sein wird, und dabei ähnliche interessante Aussagen wie die
Hepcidinbestimmung liefern könnte. Referenzmethoden Als
Referenzmethoden für die Untersuchung des individuellen Eisenstatus
gelten unverändert die histologische Beurteilung von
Knochenmarksausstrichen nach Berliner Blau-Färbung und die Messung der
intestinalen 59Fe-Absorption nach oraler Gabe von analytischen
(10 µMol) oder therapeutischen (100
mg) Eisendosen (30-32). Die Knochenmarkbiopsie ist naturgemäß invasiv
und schmerzhaft, die Verwendung von radioaktivem Eisen beinhaltet eine
(kleine) Strahlenbelastung für den Patienten und setzt das Vorhandensein
von Spezialgeräten voraus. Beide Referenzmethoden werden deshalb nur noch
begrenzt eingesetzt, sie
liefern aber im Einzelfall immer noch wertvolle Informationen.
Eisen im Knochenmarksausstrich Die
licht- und elektronmikroskopische Beurteilung von nicht-Häm-Eisen im
Knochenmarkzellen ermöglicht die Beurteilung von Störungen des
Eisenstoffwechsels. Physiologischerweise
findet sich Speichereisen in Knochenmarkmakrophagen in Form von freien
Ferritinmolekülen im Cytoplasma (Berliner-Blau-Reaktion: diffuses Eisen
(normal 1+ bis 4+) oder in Form von aggregiertem Ferritin oder Hämosiderin
in Siderosomen (scholliges Eisen, normal + bis 3+) (30, 31). Im
Zuge der Erschöpfung der Eisenreserven wird immer weniger diffuses oder
scholliges Eisen nachweisbar, ein substantieller Eisenmangel ist also am
fehlenden Speichereisen zu erkennen. Diese Technik ist spezifisch auf
Eisenmangel, Störungen durch Infekt etc. wirken sich nicht störend aus,
die Abgrenzung zwischen Eisenmangelanämie und einer ebenfalls hypochromen,
mikrozytären Anämie bei Thalassämie
ist möglich. Untersuchung mit 59Fe Unter
Verwendung eines empfindlichen Großraumradioaktivitätsdetektors mit 4
In
der Praxis ist außerdem häufig nur die diagnostische Unterscheidung
zwischen Eisenmangel mit und ohne
Anämie wichtig. Für Screeningstudien werden dabei „Cut-off-values“
wichtig, die mehr oder weniger weltweit akzeptiert sind (Tabelle 3.1)
Tabelle
1:
“Cut-off”-Werte
von verschiedenen Eisenparametern für Eisen-mangelanämie
sTfR, löslicher Transferrinrezeptor, Zn-PP, Zink-Protoporphyrin.
Strittig
ist vor allem der obere Ferritinwert, der die Normperson von einem
Probanden mit Speichereisenmangel unterscheidet. Wir halten nach Heinrich
und Hausmann dafür einen Wert von < 35 ng/ml für den Übergang zu
Eisenmangel, weil hier bereits die intestinale Eisenabsorption in vielen Fällen
bereits hochreguliert wird,
was eine aktive Reaktion des Organismus auf einen „gespürten“ Spurenelementmangel
aufzeigt. Bei einzelnen Probanden ist dies auch bei Ferritinwerten > 50
µg/l noch der Fall. Literatur 1.
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