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Die
HFE-Analytik wird z.Zt. in Deutschland von vielen Labors
angeboten, sicher auch in Ihrer Nähe (z.B. Klinische Chemie
einer UniKlinik, große Laborgemeinschaft).
Literatur (s. Artikel
aus Deutschem Ärzteblatt als pdf-File)
Molekularbiologische
Grundlagen
In einer sehr aufwendigen
Suchaktion wurde 1996 von der amerikanischen Firma Mercator
Genetics, die eigens zu diesem Zweck gegründet wurde, das
wahrscheinliche Hämochromatose-Gen (HFE) mittels „positional
cloning" lokalisiert und die für die Krankheit ursächliche
Punktmutation identifiziert (Feder et al. 1996, 1997,
1998).
In dem HFE-Gen von
Patienten mit Hämochromatose wurde eine Punktmutation
gefunden, bei der eine Transition von Guanin 845 nach Adenin
vorliegt. Dies führt im korrespondierenden Polypeptid zu
einem Aminosäureaustausch Cystein 282 nach Tyrosin
(Cys282Tyr bzw. C282Y). Die Primärstruktur des zugehörigen
Proteins ähnelt sehr dem Antigen-präsentierenden
HLA-A-Protein, zeigt aber nicht dessen Polymorphismus. Von
der Primärstruktur kann abgeleitet werden, dass das
HFE-Protein ß2-Mikroglobulin nichtkovalent
bindet. Offenbar wird durch diese Mutation die Bindung von
ß2-Mikroglobulin an das HFE-Genprodukt blockiert (Feder
et al. 1996, Lebron et al. 1998). Dies passt sehr gut zu
der Beobachtung, daß für ß2-Mikroglobulin defiziente Mäuse
spontan eine hämochromatose-ähnliche Eisenüberladung
entwickeln (DeSousa et al. 1994, Rothenberg und Voland
1996, Santos et al. 1997). Inzwischen gibt es auch eine
HFE-Gen „knockout"-Maus, die bezüglich gesteigerter
intestinaler Eisenaufnahme und parenchymale Eisenüberladung
genau der hereditären Hämochromatose beim Menschen
entspricht (Zhou et al. 1998).
Der erste Hinweis auf die
direkte Verknüpfung des HFE Gen mit dem Eisenstoffwechsel
ergab sich durch die Beobachtung, daß das HFE-Protein mit
dem Transferrin Rezeptor einen Komplex bildet und offenbar
die Affinität des TfR zu Transferrin herabsetzt. Das
C282Y-mutierte Protein zeigt diese Bindung und Wirkung nicht
(Feder et al. 1996, Lebron et al. 1998).
Eine zweite Mutation im
HFE-Gen, Histidin 63 =>Asparaginsäure (H63D) kommt zu
ca. 15 % in der Normalbevölkerung vor, offenbar aber nicht
zusammen mit der C282Y Mutation in einem Allel (Feder et
al. 1996). Bei Personen mit klinischem Verdacht auf
hereditäre Hämochromatose findet man in einigen Studien
signifikant häufiger heterozygote Gen-Träger für die
C282Y-Mutation die auch heterozygot für die H63D Mutation
sind. Möglicherweise führt diese „Compound"-Heterozygotie
ebenfalls zu einer klinisch relevanten Eisenüberladung (Feder
et al. 1996). Es bleibt abzuwarten, ob die H63D-Mutation
im Rahmen der erblichen Eisenspeicherkrankheit bzw. bei
Lebererkrankungen mit evtl. begleitender leichter Eisenüberladung
eine pathophysiologische Relevanz besitzt und damit auch
langfristig eine diagnostische Bedeutung gewinnen wird.
Das HFE-Gen wird in allen
Geweben exprimiert (Leber, Duodenum, Herz, Pankreas), die
bei Hämochromatose eine Rolle spielen (Feder et al. 1996).
Momentan ist unklar, was
die physiologische Funktion von HFE beim Gesunden genau ist.
Unklar ist auch, wie man sich die große Variabilität der
individuellen Eisenspeicherung bei verschiedenen Patienten
mit Hämochromatose erklären kann. Ob dies allein durch
unterschiedliche äußere Faktoren (Nahrungs-Eisen-Angebot)
erklärbar ist oder ob zusätzliche genetische Faktoren
beteiligt sind, bleibt abzuwarten.
Genetik
Die hereditäre Hämochromatose
eine häufige, wenn nicht die häufigste, genetisch bedingte
Krankheit der kaukasischen Bevölkerung Nordeuropas,
Amerikas, Australiens. Die Homozygoten-Frequenz (q2)
ist ungefähr 1 auf 400 Personen in der Normalbevölkerung.
Die Gen-Frequenz (q) ist 1:20, die Heterozygotenhäufigkeit
(2pq, Hardy-Weinberg- Gleichgewicht) ist 1 auf 10
Normalpersonen (Powell 1994). Die Häufigkeit der
erblichen Eisenspeicherkrankheit ist damit weit größer als
die der Phenylketonurie, der zystischen Fibrose und der
Muskeldystrophie zusammengenommen. Die Inzidenz der Hämochromatose
ist z.B. in den USA größer als das Auftreten von AIDS. Die
Genhäufigkeit legt nahe, dass die heterozygote Form einen
Selektionsvorteil in der Evolution geboten haben könnte.
Denkbar wäre, dass eine leicht positive Eisenbilanz bei
Heterozygoten hilfreich gewesen sein mag während
ausgedehnter Hungerphasen, bei häufigen Schwangerschaften
oder bei verbesserter Abwehr gegen Infektionen.
In nicht-kaukasischen Bevölkerungen
(Ur-Australier, Chinesen) ist die Häufigkeit deutlich
geringer (Gen-Frequenz 0.38 %) (Cullen et al. 1998).
In diesen Völkern ist die Hämochromatose-Mutation
wahrscheinlich durch Vermischung mit Kaukasiern schon in früher
Zeit eingewandert.
Durch Studien von Marcel
Simon in Frankreich wurde deutlich, dass es sich bei der
hereditären Hämochromatose um eine autosomal rezessiv
vererbte Krankheit handelt (Simon et al. 1977). Dies
ergab sich aus der Tatsache, dass eine starke Assoziation
der Krankheit mit dem HLA-A3 Antigen auf Chromosom 6
besteht. 75 % der Hämochromatose-Patienten einer Serie
waren A3 positiv gegenüber 25 % in der Kontrollgruppe.
Innerhalb von Familien konnte durch die HLA-Typisierung (A
und B-Lokus) die Vererbung des Hämochromatose-Gens genau
verfolgt werden. Weitere Studien führten zu der Annahme, daß
es sich bei der Hämochromatose um eine singulär
aufgetretene Veränderung der DNA handeln muß. Das
Ursprungs-Hämochromatose-Gen entstand wahrscheinlich in der
Steinzeit auf einem Chromosom mit dem zufälligen
HLA-Haplotyp A3 B7.
Durch seltene
Rekombinationsereignisse ergibt sich heute bei einem Teil
der Patienten die Situation, dass das Hämochromatose-Allel
nicht mit A3 assoziiert ist, sondern mit anderen
A-Antigenen. Deshalb ist die HLA-Typisierung in der
Normalbevölkerung keine geeignete Screening-Methode auf die
Hämochromatose. Man hat sogar versucht, den Ur-Patienten
lokal einzugrenzen. Die wahrscheinlichste Annahme geht von
einem keltischen Vorfahren in der Bretagne aus, und die
Verbreitung der Krankheit in der kaukasischen Bevölkerung
folgt der Keltenwanderung (Simon et al. 1980, Mercier et
al. 1998).
Abb. 1
zeigt die autosomal rezessive Vererbung in einem typischen
Fall, in dem beide Elternteile des Patienten heterozygote
Genträger sind. Für jedes der Geschwister resultiert nach
Mendelschem Erbgesetz eine Wahrscheinlichkeit von 25 %,
ebenfalls homozygot betroffen zu sein. Mit 25 %iger
Wahrscheinlichkeit ist ein Geschwisterteil reinerbig, zu 50
% ein heterozygoter Genträger.
Abb. 1:
Typischer
autosomal rezessiver Erbgang bei hereditärer Hämochromatose.
Beide Elternteile sind heterozygote Genträger und
asymptomatisch. Die Vererbung der Hämochromatose-Allele
wird angezeigt durch die HLA-Hyplotypen oder neuerdings
durch den C282Y-Genotyp.
Die für
Familienuntersuchungen bis vor kurzer Zeit so wertvolle
HLA-Typisierung wird zukünftig auch aus Kostengründen wohl
ganz zugunsten der direkten HFE-Mutationsdiagnostik
(C282Y-Mutation) aufgegeben werden.
Ein Beispiel einer „pseudo-autosomal"
dominanten Vererbung zeigt die Familie in Abb. 2.
Hier sind der Vater und beide Kinder in homozygoter Form
betroffen. Diese Konstellation ist möglich, wenn die Mutter
auch zufällig Genträger für die Hämochromatose ist, so
dass in der Elterngeneration 3 von 4 Chromosomen mutiert
sind. Bei der Heterozygotenhäufigkeit von ca. 1:10 in der
Normalbevölkerung ist diese Möglichkeit nicht einmal so
unwahrscheinlich, so dass eine entsprechende
Familienuntersuchung nicht nur auf die leiblichen
Geschwister, sondern auch auf Kinder bzw. Eltern
auszurichten ist.
Abb. 2: „Pseudo-"autosomal
dominante Vererbung der hereditären Hämochromatose in
einer Familie, in der ein Elternteil Genträger (wie üblich)
das andere Elternteil aber selbst homozygot betroffen ist. Für
jedes Kind resultiert in diesem Fall eine Chance von 50 %
homozygot (wie in dieser Familie beide Kinder) betroffen zu
sein (Alter, Laborwerte jeweils bei Diagnosestellung)
Molekulare
Diagnostik
Mit der Klonierung des
HFE-Gens und der Identifizierung der zwei wichtigen
Mutationen (C282Y und H63D) sind alle Informationen zur
Durchführung einer molekularen Diagnostik allgemein verfügbar.
Die cDNA von HFE ist in der Gensequenz-Datenbank (Genbank)
des National Institute of Health (NIH) unter der Nummer
U60319 abgelegt und über die Adresse des National Center
for Biotechnology Information
Das Testsystem von Feder
et al. ist evtl. in leicht vereinfachter Form von
verschiedenen Autoren auch aus Deutschland verwendet worden
(Arnold et al. 1998, Gottschalk et al. 1998). Nach
der DNA-Isolierung aus Vollblut wird der Bereich um die
betreffende Mutation durch Verwendung von spezifischen
Primern mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) amplifiziert
und durch Restriktionsananalyse charakterisiert. Dabei müssen
nicht unbedingt die in der Originalarbeit verwendeten Primer
benutzt werden. Wir haben in unserem Labor seit April 1997
eine Methode im Einsatz, die auch in Labors einer
portugiesischen (Porto et al. 1998) und schwedischen
Arbeitsgruppe (Cardoso et al. 1998) verwendet wird.
Inzwischen gibt es kommerzielle Anbieter
auf dem Deutschen Markt (z.B.Hain Diagnostika, Nehren), die eine
PCR-Methode mit sogen. reverser Hybridisierung anbietet, bei
der amplifizierte DNA des Patienten an spezifische Gensonden
bindet, die an Nitrocellulosestreifen immobilisiert sind. Es
bleibt abzuwarten, welche Methode sich langfristig
durchsetzen wird. Dabei wird zukünftig auch die Patentfrage
eine Rolle spielen (Fa. Mercator Genetics), die bei den „Haus-gemachten"
Testsystemen noch nicht beachtet worden ist.
Prävalenz
der HFE-Mutationen in einem Kollektiv von Hämochromatose-Patienten
und Kontrollen aus Norddeutschland
Es wurde ein eigenes
Kollektiv von unverwandten Patienten (n=104) aus dem
Norddeutschen Raum untersucht, die vom klinischen,
biochemischen und histopathologischen Standpunkt als
homozygot eingestuft waren.
Homozygotie für die
erbliche Eisenspeicherkrankheit wurde angenommen, wenn
mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt waren:
a.) Serum-Ferritin >
300 µg/l ; b.) Transferrin-Fe-Sättigung > 62 %.; c.)
Leber- Eisenkonzentration größer 1500 µg/g Leber, d.)
hepatischer Eisenindex (Leber-Fe- Konz./Lebensalter) > 24
µg/g/Jahr, e.) mehr als 4 g Speichereisen mobilisierbar
durch Aderlasstherapie.
Ausgehend von jedem
Patienten wurde eine Familienuntersuchung der Verwandten 1.
Grades angestrebt. Dabei wurden weitere 42 Personen auf die
HFE-Mutationen analysiert. Zusätzlich wurden 157 erwachsene
Kontrollpersonen aus dem Norddeutschen Raum untersucht ).
Patienten. In der
Patientengruppe waren 94.2 % homozygot und 5,8 % heterozygot
für die C282Y Mutation. Bezüglich Eisenbeladung war kein
Unterschied zwischen diesen beiden Untergruppen erkennbar.
In 196 Chromosomen der homozygoten Patienten wurde keine
H63D Mutation gefunden. 4 von 6 Chromosomen der
heterozygoten Patienten, die keine C282Y-Mutation aufwiesen
(=H63D-Risikochromosomen), wiesen dagegen auch die H63D
Mutation auf.

Abb.1 Typisches Bild einer
PCR-Analyse mit Restriktionsenzymbehandlung auf die
C282Y-Mutation. 2 und 4. Bande von links: heterozygote
Genträger mit einer C282Y-Mutation (50 % der DNA wird
geschnitten). Bande 3 und 7 Wildtyp (keine Reaktion). Bande
4 und 6, homozygote Träger der C282Y-Mutation
Familienmitglieder.
In dieser Gruppe fanden
sich 14 Personen mit homozygoter und 16 mit heterozygoter
C282Y Mutation. 6 von 35 Risiko-Chromosomen trugen die H63D
Mutation, darunter waren 3 Personen mit kombinierter
Heterozygotie. Im Vergleich mit heterozygoten C282Y-Trägern
aus der Kontrollgruppe zeigten sich keinerlei Unterschiede
in den Werten für Transferrin-Fe-Sättigung und
Serum-Ferritin.
Kontrollgruppe. Es wurde
keine Personen mit homozygoter C282Y Mutation gefunden. 15
von 314 Chromosomen trugen die C282Y-Mutation (Gen-Frequenz:
0.048). 40 von 299 Risiko-Chromosomen wiesen die H63D
Mutation auf (Gen-Frequenz: 0.13). Zwei Personen (1.3 %)
waren homozygot, 23.6 % heterozygot für die H63D-Mutation.
Die große Häufigkeit der
C282Y-Mutation in homozygoter Form in norddeutschen
Patienten stimmt gut mit den Ergebnissen aus anderen
Untersuchungen von kaukasischen Bevölkerungen überein (Feder
et al. 1996, Merryweather-Clarke et al. 1997, Jazwinska et
al. 1996, Jouanolle et al. 1997, Cardoso et al. 1998).
Eine aktuelle Studie aus Frankfurt kommt zu einer
vergleichbar hohen Zahl von C282Y-Homozygoten in Deutschland
(Gottschalk et al. 1998). In nicht-kaukasischer Bevölkerungen
(Ur-Australier, Chinesen) ist die Häufigkeit sehr viel
geringer (Allel-Frequenz 0.38 %) (Cullen et al. 1998)
und die HFE-Mutationen sind wahrscheinlich durch Vermischung
mit Kaukasiern schon in früher Zeit eingewandert.
In Südeuropäischen Ländern
wie Frankreich (nur bestimmte Regionen!), Italien und
Griechenland scheint die Prävalenz der C282Y-Mutation
ebenfalls deutlich niedriger zu liegen (50-70 %) (Borot
et al. 1997, Carella et al. 1997, Piperno et al. 1998).
Dies könnte auf eine weitere Mutation hindeuten, die zu
Eisenüberladung führt und nur in südeuropäischen Bevölkerungen
vorkommt.
Ähnlich wie in anderen
Studien wurde eine hohe Zahl von kombinierten-Heterozygoten
(C282Y/H63D) in der Gruppe der eisenüberladenen Patienten
gefunden (Feder et al. 1996). Die Ursache für die
auch hier wieder bestätigte komplette „linkage
disequilibrium" zwischen der C282Y und der H63D
Mutation ist weiter unklar.
In der Kontrollgruppe von
157 unverwandten Personen fand sich kein Fall von Eisenüberladung
und keine homozygote C282Y Mutation. 15 von 314 Chromosomen
wiesen die C282Y Mutation auf, was einer Allel-Frequenz von
4.8 % entspricht. Unterstellt man, dass diese Mutation die
einzig notwendige Ursache für hereditäre Hämochromatose
ist, dann kann man aus dieser Zahl eine Prävalenz für
homozygote Hämochromatose von 1: 440 errechnen. Dies ist in
sehr guter Übereinstimmung mit einer von uns durchgeführten
Screening-Studie in 2812 prospektiven Blutspendern in
Hamburg, bei der 7 Probanden mit Eisenüberladung gefunden
wurden (Prävalenz 1:402) (Nielsen et al. 1995a).
Vergleicht man die Werte für
Transferrin-Sättigung und Serum-Ferritin zwischen
heterozygoten Trägern der C282Y-Mutation aus der Familien-
und der Kontrollgruppe, so ergeben sich keine signifikanten
Unterschiede.
Dies zeigt an, dass es
offenbar keine Unterschiede zwischen den „erprobten"
Hämochromatose-Genen aus der Familiengruppe und den
„Zufalls"-Genen aus der Kontrollgruppe gibt. Dies ist
ein Argument für die These, daß die C282Y-Mutation die
einzige und hinreichend notwendige Ursache für die Hämochromatose
ist. In Übereinstimmung mit anderen Untersuchungen zeigte
sich in unserer Studie, dass es einige eisenüberladene
Patienten gibt, die nicht homozygot für die C282Y-Mutation
sind.
Bei der Abklärung von
Probanden mit V.a. Eisenüberladung fanden sich insgesamt
auch 12Probanden mit homozygoter H63D-Mutation. In allen
diesen Fällen waren in der Vorgeschichte erhöhte Blutwerte
(Serum-Eisen oder Serum-Ferritin) bekannt, was bei unserer
Untersuchung teilweise bestätigt wurde.
In zwei der Fälle zeigte
sich eine leichtgradige Eisenüberladung, die eingangs
definierten Kriterien für eine hereditäre Hämochromatose
waren aber nicht erfüllt. In der Literatur finden sich zwei
Abstracts mit 4 bzw. 6 H63D-homozygoten Patienten, die
mittelgradig eisenüberladen waren (Messerschmitt et al.
1998, Sham et al. 1998). Möglicherweise führt also
auch diese Konstellation in Einzelfällen zu einer
relevanten Eisenüberladung. Dies liefert ein weiteres
Argument dafür, die H63D-Mutation in Verdachtsfällen auf
hered. Hämochromatose immer mitzubestimmen.
Andererseits gibt es auch
Patienten mit homozygoter C282Y-Mutation, die nur wenig oder
nicht eisenüberladen sind. Diese Ausnahmen sprechen dafür,
dass nichtgenetische Faktoren, wie z.B. die individuelle Ernährungsform
oder Alkoholkonsum eine Rolle spielen (Crawford et al.
1998, Powell 1994).
Zusammenfassend bestätigt
sich der hohe Stellenwert der HFE-Gendiagnostik in Probanden
mit V.a. Eisenüberladung. Bei allen Probanden, die nicht
homozygot für die C282Y-Mutation sind, sollte unbedingt
auch die H63D-Mutation getestet werden. Insgesamt zeichnet
sich aber auch ab, dass die Gendiagnostik in einigen Fällen
nicht definitiv sein wird und allein die Diagnose einer
hereditären Hämochromatose nicht erbringen kann. Für die
Diagnose und die Behandlungsnotwendigkeit ist auch weiterhin
der Nachweis einer klinisch relevanten Lebersiderose im
Vergleich zum Lebensalter notwendig.
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