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Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Interdisziplinäre, klinische Gruppe Eisenstoffwechsel" Eisenstoffwechselambulanz, UKE- Haus N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389; Fax 040-7410-54797 |
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Deferipron
Deferipron (DFP, CP20, L1,) ist ein einfacher Vertreter der 3-Hydroxypyridin-4-One, die über die beiden vicinalen Sauerstoffatome neutrale 3:1 Komplexe mit Eisen(III) bilden können (Abb. 7.1) (1-3). Deferipron ist der erste zugelassene oral zu verwendende Eisenchelator.
Abb.
7.1
Struktur von Deferipron (1,2
Dimethyl-3-hydroxypyridin-4-on;
DFP)
mit seinen zwei Bindungsstellen für Eisen.
3 Moleküle DFP sind notwendig, um ein Atom Fe vollständig zu komplexieren
(3:1). Die bei zweizähnigen Chelaten theoretisch mögliche Bildung von
unvollständigen Chelaten (DFP:Fe = 2:1) wird als mögliche Ursache für
einige der beobachteten Nebenwirkungen von DFP diskutiert.
Entwicklungs-Geschichte
von DFP als Eisenchelator Die
Entwicklungsgeschichte von DFP kann man mit Fug und Recht als außergewöhnlich
bezeichnen, weil sie sehr wechselhaft verlief, anfangs mehr von Einzelpersonen
als von Pharmafirmen betrieben wurde, und weil sie von erbittert geführten
Konfrontationen in der Literatur und vor Gericht zwischen Befürwortern und
Gegnern geprägt wurden, die auch
heute noch anhalten (4-6). Am Anfang stand G. Kontoghiorghes, der als
Doktorand in einem pharmakologischen Labor in London mit der Untersuchung von
Hydroxypyridinonen als mögliche Eisenchelatoren beauftragt war. Der erste
untersuchte Vertreter, 1,2
Dimethyl-3-hydroxypyrid-4-on (CP20) und seine Synthese waren schon lange
bekannt.
Er verließ das Labor mit der Begeisterung für DFP und hat in der
Folgezeit versucht, DFP möglichst schnell für Thalassämie-Patienten zur
Verfügung zu stellen. Diese Aktivitäten führten die indische Firma Cipla
1994 dazu, DFP als KelferTM in Indien registrieren
lassen, was nur möglich war, weil Indien zu diesem Zeitpunkt (aktuell gerade
geändert) keinen Patentschutz für Importpräparate anerkannte. Fr. Dr. N.
Olivieri in der Kinderklinik Toronto begann zu dieser Zeit Studien mit DFP an
b-Thalassämie-Patienten in Kanada durchzuführen. Als DFP auf entsprechenden
Konferenzen immer weiter für Aufmerksamkeit sorgte und
Patientenorganisationen aufmerksam wurden, hat Ciba-Geigy (heute Novartis)
das schon einige Zeit bestehende Patent für DFP übernommen, um diesen
Chelator zur Zulassung zu bringen. Die diesbezüglichen Aktivitäten von CIBA
fanden dann aber, für Außenstehende etwas unerwartet, ein abruptes Ende und
die nach einer Fusion neu gebildete Fa. Novartis begann eine breit gefächerte
Neuentwicklung für einen oralen Chelator, die 2006 zur Zulassung von ICL670
(Deferasirox, DSX) geführt hat, das vor kurzer Zeit in der Schweiz und USA
(Europa: voraussichtlich Sept./Okt. 2006) zugelassen wurde (s. Kapitel 8).
Das
Patent für DFP wurde sofort von der kanadischen Firma Apotex übernommen, die
anfangs mit Dr. Olivieri, später gegen Ihren Widerstand, große
Patientenstudien in Italien und USA durchgeführt und die 1999 Deferipron als FerriproxTM
zur Zulassung in Europa gebracht hat. DFP ist heute in 43 Ländern
zugelassen, nicht aber in den USA und Kanada. Dr. Olivieri warnt seit 1995 vor
DFP, das sie für ineffektiv und hepatotoxisch hält (4). Inzwischen haben
sich die Befunde in Richtung einer DFP-spezifischen Leberschädigung als nicht
reproduzierbar erwiesen und das vermeintliche Risiko für Patienten unter
DFP-Therapie hat sich evtl. sogar ins Gegenteil verkehrt, weil DFP aktuell ein
kardioprotektiver Effekt zugeschrieben wird, von dem Thalassämie-Patienten
unter DFP-Therapie eher profitieren würden (7).
Deferipron als kleines neutrales Molekül kann
theoretisch besser die Zellmembran
permeiren und in der Zelle Eisen binden als das vergleichsweise höhermolekulare
Deferoxamin (Abb. 72.) (10). Dies ist in der Praxis auch ausführlich an
Erythrozyten von Normalpersonen, bzw. von Thalassämie oder
Sichelzellpatienten gezeigt worden (11).
Eisenbilanz-Studien
an 13 Patienten zeigten, dass die Gesamt-Eisenausscheidung nach 75 mg/kg DFP
62 % der Menge entsprachen, die nach 60 mg/kg DFO s.c über 8 h
insgesamt ausgeschieden wurden (15). Dosierung
und Wirksamkeit Die
Wirksamkeit einer DFP-Therapie wurde in einer ganzen Reihe von Studien
untersucht, z.B. durch die Eisenausscheidung in den 24 h-Urin nach Gabe von
DFP, sowie in Langzeitstudien durch Verlaufskontrollen von Parametern wie
Serum-Ferritin und Leber-Eisen (Tabelle 7.1). Anders als bei Deferoxamin wird
die Wirksamkeit von DFP nicht durch gleichzeitige Gabe von Vitamin C
verbessert.
Tab.1.: Beurteilung der
Chelator-Effektivität durch eine Deferipron-Standarddosis (75 mg/kg)
in Thalassämiepatienten beurteilt anhand verschiedener Kriterien.
Eine
signifikante Abnahme der Serum-Ferritin-Werte zeigte sich vor allem bei vorher
nicht ausreichend chelierten Patienten mit entsprechend hohen Basalwerten. Bei
vorher gut therapierten Patienten zeigte sich dagegen in den meisten Studien
keine signifikante Veränderung der Ferritinwerte oder der
Lebereisenkonzentrationen. In einigen Patienten kommt es sogar zu einer
Zunahme der bestehenden Eisenüberladung. In
einer Studie aus Hamburg und Turin an 54 Patienten mit ß-Thalassaemia major,
die alle gut vorbehandelt waren, kam
es nach 48.5 Monaten einer DFP-Therapie (70 mg/kg/d) im Mittel zu einem
Anstieg von Serum-Ferritin (1897 auf 2519 µg/l) und Leber-Eisen (SQUID-Methode:
1456 auf 3064 µg/g) (24). In einer Gruppe von Patienten gleichen Alters kam
es unter fortgesetzter DFO-Therapie im Beobachtungszeitraum von 23 Monaten
ebenfalls zu einem Anstieg der mittleren Werte (Ferritin: 1422 auf 1631 µg/l,
Lebereisen: 1076 auf 1260 µg/g). Bei
67 % der Patienten wurde eine gleich gute Ausscheidung von Eisen aus dem
Gesamtkörper festgestellt wie unter der Standard-DFO-Therapie, während die
Lebereisenkonzentration in 72 % der Fälle anstieg. Dies erklärt sich
rechnerisch durch den Anstieg des transfundierten Eisens bedingt durch die
Gewichtszunahme im Wachstum der noch jungen Patienten (n=54, Alter 7-22
Jahre).In dieser Studie war mit einer Standarddosis
von 75 mg/kg/d DFP der Großteil der ß-Thalassaemia major-Patienten gerade
ausreichend dosiert, um auf Dauer eine ausgeglichene
oder negative Eisenbilanz zu halten. Abb. 7.3 zeigt den Verlauf der
Lebereisenkonzentration bei drei typischen Fällen mit positver oder negativer
Eisenbilanz.. Diese
Studie zeigt auch auf, dass das Serum-Ferritin als diagnostischer Parameter für
die Verlaufskontrolle nur ein qualitativer Anhalt sein kann und zur genauen
Analyse der Wirksamkeit eines Eisenchelators nicht ausreichend ist.
In
den Fällen, die mit 75 mg/kg/d DFP auf Dauer nicht ausreichend therapiert
werden können, empfiehlt Hoffbrand eine höhere Dosierungen (100 mg/kg) oder
eine Kombinationstherapie mit DFO (25). DFP
und Herzeisen Den
ersten Hinweis auf eine spezifische Wirkung von DFP auf die
Herzeisenkonzentration stammt aus dem Jahre 1995 (26).
Danach ergab sich bei DFP-, nicht aber bei DFO-behandelten ß-Thalassämie-Patienten
in der Kernspintomographie Verlängerung der T2-Relaxationszeit für den
Herzmuskel als Zeichen der Reduktion der Eisenkonzentration im Herzen.
Dieser Befund ist bei dem damaligen Stand der MRI-Technik in Krankenhäusern
methodisch als eher zweifelhaft einzustufen. Aktuelle Studien mit der in
Kapitel 4 beschriebenen MRI-T2*-Methode scheinen besser geeignet zu sein, denn
die sogenannte T2*-Relaxationszeit weist paramagnetisches Eisen wesentlich
sensitiver als frühere MRI-Methoden nach und korreliert offenbar mit der
klinisch befundeten ventrikulären Dysfunktion bei eisenüberladenen Thalassämie-Patienten
(vergl. Kap. 4). Eine kurze T2*-Relaxationszeit spricht für eine höhere
Eisenkonzentration im Herzmuskel und damit für ein kardiologisches Risiko
(27-29). In einer Studie an Patienten unter DFP und DFO-Therapie zeigte sich
ein signifikanter Unterscheid in den T2*-Zeiten im Herzmuskel, die DFP-Gruppe
hatte signifikant längere T2*-Zeiten als die DFO behandelte Gruppe, während
die DFO-Gruppe länger T2*-Zeiten für Lebergewebe aufwiesen. (28). Es sei
daran erinnert, dass eine kardiale Problematik (Herzversagen, Rhythmusstörungen)
eine häufige Todesursache bei Thalassämie-Patienten darstellt, sodass einem
solchen Therapieeffekt eine wichtige klinische
Bedeutung zukommen würde. Diese
Befunde werden unterstützt durch die retrospektive Auswertung von Langzeitüberlebensdaten
von Thalassämiepatienten. In einer Auswertung an Patienten aus Turin/Italien
über 6 Jahren wurde die Verschlechterung einer bestehenden kardialen
Dysfunktion oder das Auftreten von neuen Befunden verfolgt (30). Am Ende
zeigten 2 (4 %) der mit DFP behandelten Patienten (n=54)
eine kardiale Verschlechterung gegenüber 15 (20 %) aus der DFO-Gruppe
(n=75). Eine
Kaplan-Meier-Analyse der komplikationslosen 5-Jahreszeit einer Herzbeteiligung
zeigte für die DFP-Gruppe einen signifikanten Vorteil (p=0.003) (Abb.
7.4).
Kein
Patient aus der DFP-Gruppe starb in dieser Zeit, während 3 Patienten aus der
DFO-behandelten Gruppe an Herzproblemen verstarben.
Diese
Ergebnisse wurden Dez. 2005 durch eine größere Auswertung bestätigt. 3610
italienischen Patienten aus 7 Zentren (Geburtsdatum 1970-1993, bis Jan. 1995
keine kardiale Komplikation befundet) wurden bis Dez. 2003 verfolgt (31). Bei
Start waren beide Studiengruppen gleich bezüglich Alter und Geschlecht der
Patienten. Die DFP-Gruppe wies allerdings höhere Ferritinwerte auf.
359 Patienten erhielten DFO (3610 Patientenjahre), 157 Patienten
erhielten ausschließlich DFP (750 Patientenjahre). In der DFO-Gruppe wurden
52 kardiale Ereignisse, definiert als befundeter Bedarf für eine
ionotrope oder antiarrhythmische Medikation, inkl. 10 Todesfälle erfasst. In
der DFP-Gruppe kam es zu keinen (!) kardialen Ereignissen.
In
einer aktuellen prospektiven Studie über ein Jahr wurden 61 Patienten mit ß-Thalassaemia
major, die vorher alle mit DFO behandelt wurden, randomisiert weiter mit DFO
(n=32, Dosis 43 mg/kg über 5.7 Tage/Woche) oder mit DFP (n=29, Dosis 92
mg/kg/Tag) behandelt (32). Analysiert wurde die Veränderung der MRI-T2* Zeit,
die als Maß für das gefährliche myocardiale Speichereisen gilt. Die
myocardiale T2*-Zeit stieg in der DFP-Gruppe signifikant höher als in der
DFO-Gruppe an (27 % gegenüber 13 %, p=0.023). Parallel dazu verbesserte sich
die linksventrikuläre-Ausstoßfraktion in der DFP-Gruppe mehr als in der
DFO-Gruppe (3.1 % vs 0.3 %, p=0.003). Diese
wichtigen Befunde deuten eindrucksvoll auf einen möglichen kardioprotektiven
Effekt von DFP hin, insgesamt kann dieser aber aus den vorwiegend
retrospektiven Befunden nicht als abschließend gesichert gelten. Viele Fragen
sind vorerst offen, beispielsweise ist unklar, was die T2*-Technik auf
molekularer Ebene eigentlich nachweist. Unbestritten ist auch, dass Desferal
seine kardioprotektive Wirkung für Patienten bereits eindeutig bewiesen hat
(33). So wird DFO z.B. in der Standardintervention-Therapie bei Patienten mit
akutem lebensbedrohlichem Herzversagen im Rahmen einer 24h-i.v.-DFO-Therapie
eingesetzt, die eindrucksvolle Therapieerfolge nachweisen kann (34). Es bleibt
also z.B. zu klären, ob DFO per se schlechter kardial wirksam ist oder ob nur
eine mangelnde Compliance unter DFO-Therapie für diesen Effekt verantwortlich
ist? Diese Frage mag epidemiologisch ohne Belang sein, ist aber für einen
Patienten unter einer gut durchgeführter DFO Therapie entscheidend wichtig.
Unklar ist auch, ob der DFP-Kardio-Effekt nur für Thalassämie gilt
oder für alle Transfusionssiderosen? Es
sind deshalb randomisierte, kontrollierte prospektive Langzeit-Studien
notwendig, um eine Überlegenheit von DFP zweifelsfrei zu dokumentieren (35). Nebenwirkungen Eine
Agranulozytose (Neutrophilenzahl zwischen 0.0-0.5*109/L) ist die
anerkannt wichtigste und schwerste Nebenwirkung bei einer Therapie mit
Deferipron. In einer speziellen Studie zur Häufigkeit dieser Nebenwirkung
wurden wöchentliche Blutproben untersucht.
Eine Agranulozytose entwickelte sich in 0.5 % der Patienten während
eines Jahres mit einer Inzidenz von 0.6 per 100 Patientenjahren (21). Eine
milde Neutropenie (Neutrophilenzahl zwischen 0.5-1.5*109/L) trat in
4.8 % der Patienten auf. In einer anderen Studie an 532 Patienten mit Thalassämie
wurde die Inzidenz für Agranulozytose und milde Neutropenie 0.43. bzw. 2.08
per 100 Patientenjahren (36).
Die Agranulozytosen waren
reversible nach Absetzen der Therapie, in einigen Fällen war die Gabe von „granulocyte-colony-stimulating-factor“
(G-CSF) notwendig. Als
häufig auftretende Nebenwirkungen werden gastrointestinale Beschwerden (ca.
20 %: Übelkeit, Erbrechen), Arthralgien (13 %: Gelenkschmerzen,
Muskelversteifung) und Zinkmangel benannt.
(21). Die Arthralgien betrafen besonders große Gelenke wie das Kniegelenk,
traten aber wesentlich häufiger in indischen (20 %) als in europäischen
Patienten auf (3.7 %) und sind reversible nach Absetzen des Chelators. Eine
Fluktuation von
Leberindikatorenzymen (ALT), eine
meist transiente Erhöhung ist unter DFP-Therapie aus mehreren Studien
bekannt. Dies kommt bei Thalassämiepatienten aber auch ohne Chelattherapie
bzw. mit anderen Chelatoren vor. Eine
angebliche chronische Hepatotoxizität
war Anlass für die bereits erwähnte heftige Konfrontation in der Literatur
um Risken und Nutzen von DFP. Ausgangspunkt war der Bericht über die
Induktion und Progression einer Leberfibrose unter DFP-Therapie, der zu einer
im Wissenschaftsalltag eher ungewöhnlichen externen Überprüfung und
Neubefundung der Leberbiopsieproben aus dieser Studie geführt hat (4-6). Außerdem
wurden in der Folgezeit weitere
Studien zu dieser Frage durchgeführt. In
der ausführlichsten Studie an 56 Patienten
über 3.5 Jahren wurden insgesamt 112 Leberbiopsieproben ausgewertet,
wobei sich kein hepatotoxischer Effekt von DFP nachweisen ließ, der zu einer
Veränderung eines Leberfibrose-Scores geführt hat (37). Literatur 1.
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