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Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Interdisziplinäre, klinische Gruppe Eisenstoffwechsel" Eisenstoffwechselambulanz, UKE- Haus N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389; Fax 040-7410-54797; |
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Deferoxamin
(DFO)
Abb.
1: Struktur
von Feroxamin (FO) mit seinen sechs Bindungsstellen für Eisen Anwendung
und praktische Handhabung Die
lebenslange Eisenchelator-Therapie mit Deferoxamin als tägliche, subkutane Übernacht-Infusionen
ist eine enorme Aufgabe und Belastung für die Patienten und die betroffenen
Familien und erfordert äußerste Disziplin und Organisation des täglichen
Lebens.. Der Patient empfindet die
Deferoxamin-Therapie als den am meisten belastenden und schwierigsten Teil der
Therapie. Die Transfusionen sind meist gut verträglich. Als Injektionsorte eignen sich die Bauchhaut, Oberschenkel oder auch Oberarm (Abb. 2). Es ist wichtig die Injektionsstelle täglich zu wechseln, damit sich dieser Hautbereich „erholen“ kann. Erfahrungsgemäß haben die Patienten, die immer in die gleichen verhärteten Hautbereiche stechen, häufiger Probleme mit der Injektion.
Abb.
2:
Wechselnde Injektionsstellen für die subkutane DFO-Therapie Die
Injektionssysteme sind heute sehr fein, sodass der Einstich selbst kaum weh
tut. Abb. 6.3 zeigt eine angeschlossene subkutane DFO-Injektion mit einer
modernen kleinen Injektions-Pumpe. Verschiedene Pumpentypen stehen für die
Verabreichung zur Verfügung. Kleine, leise laufende Pumpen haben den
Vorteil, dass sie auch während der Schule, Ausbildung bzw. Arbeit am Körper
getragen werden können und somit einen flexibleren Einsatz erlauben.
Die
Infusionen können schmerzhaft sein und verursachen bei vielen Patienten
Hautirritationen mit Juckreiz, Schmerzen und Rötungen. Gelegentlich treten
auch lokale allergische Hautreaktionen auf, die einige Tage anhalten können.
Höhere Verdünnungen, langsamere Infusionsgeschwindigkeiten, die Verwendung
von Lokalanästhetikahaltigen Cremes, Antihistaminika und in schweren Fällen
auch Zusatz von Kortisonpräparaten zur DFO-Infusion können helfen. Vor
dem 3. Lebensjahr tolerieren nur wenige Kinder das abendliche Anlegen der
subkutanen Infusion. Je nach Lebensalter des Patienten ergeben sich
individuelle, alltägliche Schwierigkeiten und „organisatorische“
Probleme. Für kleine Kinder z.B. ist das Tragen der Pumpe ein Hindernis beim
Spielen und Toben und der Juckreiz an der Injektionsstelle führt häufig
dazu, dass das kleine Kind die Injektionsnadel nachts aus Versehen beim
Kratzen herausreißt und/oder unruhig schläft. Weiterhin versteht das Kind
den Sinn der Infusionen noch nicht. Das Anlegen der „Pumpe“ ist oft ein
Drama für Eltern und Kind. In
der Pubertät wird häufig erstmals die lebenslange Erkrankung als Last
wahrgenommen und die DFO-Therapie vernachlässigt. Es kommt die Angst dazu,
dass Freunde und Schulkameraden entdecken „was mit einem los ist“ und das
man eventuell gehänselt oder ausgeschlossen wird. Auch empfinden viele
Jugendliche es schwer mit der Pumpe auszugehen oder an Klassenfahrten
teilzunehmen. Gerade in dieser Zeit der Ablösung vom Elternhaus muß ein
vertrauensvoller Arzt-Patientenkontakt bestehen und häufig muß der Arzt
gemeinsam mit dem Patienten Kompromisse finden um die DFO-Therapie mit dem täglichen
Leben zu vereinbaren. Viel
muss vom Patienten oder den Eltern bedacht werden: „Wenn ich in den Urlaub
fahre, auf eine Klassenreise oder auf einen Schüleraustausch mitfahre, muss
ich meinen Eisenchelator dann nehmen? Bekommt man in einem fremden Land alle
anderen nötigen Utensilien (Pflaster, Nadeln, Desinfektionsmittel, Spritzen
zum Aufziehen des Medikaments, sterile Tupfer…) oder muss man alles von zu
Hause mitnehmen? Ist immer Kühlung für die Medikamente vorhanden?“ Bei
dem jungen Erwachsenen kommen Fragen über die Arbeit und oder das Studium
dazu: Welche Arbeit kann später ausgeübt werden, ohne dass die Pumpe
hinderlich ist und die Therapie vernachlässigt wird? Kann man überall
studieren gehen und sicher sein, dass eine optimale Überwachung der Therapie
gewährleistet ist? Bekomme ich einen Ausbildungsplatz trotz meiner
Erkrankung? All
diese Beispiele zeigen, wie aufwendig und auch belastend die DFO-Therapie sein
kann. Entscheidend ist der enge Kontakt zwischen Patient/Eltern
und den betreuenden Ärzten, sodass auftretende Probleme umgehend
besprochen werden können. Insgesamt
(und trotzdem) ist aus vielen Langzeitverläufen bewiesen, dass eine s.c.
DFO-Therapie erfolgreich über Jahrzehnte in der Praxis durchgeführt werden
kann. Pharmakokinetik und
Pharmakodynamik Ältere
Arbeiten haben sich ausschließlich mit der i.v.-Infusion von DFO beschäftigt.
In 11 Thalassämie-Patienten wurde
50 mg/kg/24Stdn über 48 h infundiert (6). Dabei wurden seriell venöse
Blutproben abgenommen und auf DFO, FO und den eisenbindenden DFO-Metaboliten B
analysiert. DFO wird unter diesen Bedingungen in einer biphasischen Kinetik mit
einer systematischen Clearance von 0.50 ±
0.24 Liter/Std/kg eliminiert. Die langsame Halbwertszeit war 3.05 ±
1.30 Std. Der Hauptmetabolit (DFO-Metabolit B), der ebenfalls Eisen
binden kann, erscheint im Plasma meist
mit einer kleineren Konzentration (191 ±
106 µMol/Liter/Std) als DFO
selbst (AUC 354 ±
131 µMmol/Liter/Std.). Für
die in der Praxis wichtige s.c. Infusion. wurde erst vor kurzem eine Studie
veröffentlicht (7). Bei einer Gruppe von 28 Patienten wurden 40 mg/kg DFO über
8 Stn. s.c. infundiert und engmaschig Blut- und Urin-Proben untersucht.
DFO und FO erreichen ein Maximum nach ca. 4 Stdn (Abb. 6.4).
Die
initiale Halbwertszeit im Plasma beträgt 0.56 Stdn, die terminale
Halbwertszeit, die die Eliminierung von FO repräsentiert beträgt 10 Stdn.
Der pharmakodynamische Effekt der Urin-Eisen-Exkretion hält auch 10 Stdn nach
Absetzen der DFO-Infusion noch an. Dieser langwirkende Effekt sollte bei der
Bestimmung von Eisen im Urin unter DFO-Therapie beachtet werden. Wirkung auf
Eisenpools in Zellen und im Plasma Überschüssiges
Eisen kann prinzipiell in allen Zellen abgelagert werden. Mengenmäßig
spielen aber vor allem zwei Zelltypen eine wichtige Rolle: parenchymale Zellen
und Zellen des Monozyten/Makrophagen-Systems (frühere Bezeichnung:
„retikuloendotheliales System”, RE. Parenchymale Eisenspeicherung z.B. in
Hepatozyten resultiert durch eine erhöhte Nahrungseisenaufnahme bei hereditärer
Hämochromatose und wohl auch bei Thalassaemia intermedia. Diese Eisenspeicher
stehen in dynamischem Gleichgewicht mit dem Plasmatransferrin. Bei Patienten
mit unbehandelter Eisenüberladung ist der Turnover dieses Eisenpools sehr
gering und es kommt leicht zu eiseninduzierten Organschäden. Eisenüberladung
in RE-Zellen der Milz, Leber (Kupffer-Zellen), Knochenmark und endokrinen
Organen wird als vergleichsweise harmlos eingestuft. Quelle der
Eisenspeicherung in RE-Zellen ist der Abbau von Hämoglobin aus alternden
Erythrozyten. Die Aufnahme von Transferrin-Eisen ist gering, dagegen wird
RE-Eisen rasch ins Plasma entlassen, gebunden an Transferrin oder, bei
Überschreiten der Bindungskapazität, in Form von NTBI bereitgestellt.
Obwohl
Deferoxamin schon seit mehreren Jahrzehnten am Patienten eingesetzt wird, ist
seine genaue Wirkung auf verschiedene Eisenpools bisher nicht gut verstanden.
DFO ist positiv geladen, was die Aufnahme in Wirbeltierzellen mit negativem
Ruhepotential grundsätzlich begünstigt. Gegen eine leichte Aufnahme in
Zellen sprechen jedoch das hohe Molekulargewicht und die geringe Lipophilität
der Substanz. Durch die aktuelle Diskussion um die mögliche Überlegenheit
von Deferipron in der Vorbeugung von eiseninduzierter Herzschädigung bei
chronisch transfundierten Patienten, wurde die Wirksamkeit von Desferal auf
intrazelluläre Eisenpools, insbesondere auf Myocard-Eisen neu untersucht (1).
Danach
wird DFO in Hepatozyten erleichtert aufgenommen, möglicherweise über einen
allgemeinen Aufnahmeweg für Amine, der nur in bestimmten Zelllinien gefunden
wurde (8). Die Aufnahme in Erythrozyten unter gleichen experimentellen
Bedingungen ist dagegen 800-fach schlechter (1). Dies erklärt die gute
Wirksamkeit von Desferal auf hepatozelluläre Eisenspeicher und die
Ausscheidung von Ferrioxamine über die Galle in den Stuhl. Eisen aus dem
Katabolismus von Hämoglobin wird von DFO auch cheliert, wobei die Reaktion
offenbar an freiem Eisen im Plasma (NTBI) angreift. Diese Eisenfraktion wird
als Ferrioxamin (FO) über die Nieren ausgeschieden (Abb. 6.5).
Kürzlich
wurde über neue immunohistochemische Untersuchungen in Myozyten berichtet
(1). Unter Verwendung eines Antikörpers gegen Ferrioxamin (bindet nicht an
DFO) wurde auch bei nichteisenüberladenen Ratten eine deutlich Anfärbung
auch von FO in Myocyten nach 8h-subkutaner DFO-Infusion gesehen. DFO kann also
sehr wohl in Myocyten aufgenommen werden und dort Eisen binden. Möglicherweise
ist aber der Abtransport von geladenem FO aus Myocyten heraus ein Problem
(Abb. 5) Die
Wirkung von DFO auf Eisen im Plasma richtet sich vor allem auf das
"nicht-transferrin-gebundene" Eisen (NTBI). Eine gängige Methode
zur Bestimmung von NTBI ist die Inkubation mit NTA als Chelator, Filtration
durch einen Mikrofilter und Messung von Eisen im Filtrat. Nach Porter kann
aber nur ca. 1/3 dieser NTBI-Fraktion
in Patienten mit b-Thalassämie von DFO gebunden
und entfernt werden. Höherer DFO-Dosen binden nicht mehr NTBI (10). Außerdem
kommt es nach Absetzen des Chelators zu einem rebound-Phänomen, das umso größer
ausfällt, je höher die DFO-Dosis vorher war. Dies spricht insgesamt gegen
eine "Start-Stopp"-Therapie und für eine kontinuierliche Dosierung
von DFO bei einer Chelattherapie (1). Wirksamkeit bei
Thalassämie-Patienten Subkutane Infusion über
8-12 Std.. Die
Standardtherapie mit Desferal® bei
Patienten mit chronischer Transfusionstherapie besteht in einer subkutanen
Infusion einer 10 %igen wässrigen Lösung von Deferoxaminmesilat (40 mg/kg)
nachts über 8-12 Std. an 5-6 Tagen pro Woche. Eine Dosiserhöhung sollte nur
in Einzelfällen mit schwerer Eisenüberladung erwogen werden, wobei der
Grenzwert des therapeutischen Index berücksichtigt werden sollte, um keine
DFO-Nebenwirkungen (z.B. Hörschädigung) zu riskieren (s. Kap. 6.5.1). Bei
Kindern mit bekannter transfusionspflichtiger Anämie, z.B. b-Thalassaemia
major sollte die Therapie mit DFO möglichst erst ab einem Alter von 3 Jahren
beginnen (3). In diesem Alter
liegt bereits eine mittelgradige Eisenüberladung vor, sodass wenig Anlass für
eine Überdosierung gegeben ist. Bei Erwachsenen mit erworbener
Transfusionspflichtigkeit ist der Beginn einer Eisenchelator schlechter
definiert. Hierbei kann man sich anhand der Zahl der Transfusionen (> 20),
oder am erhöhten Serum-Ferritin (> 1000 µg/l) orientieren .
Die
DFO-Applikation erfolgt heute über kleine und leise Mikroinjektorpumpen, die
die vom Patienten angesetzte Lösung zuverlässig injizieren. Mit diesen
modernen Pumpen ist auch eine unauffällige Anwendung tagsüber leicht möglich.
Vitamin
C verbessert die Wirksamkeit der Eisenentspeicherung, allerdings wird vor der
Anwendung von unphysiologisch hohen Dosen (< 200 mg/Tag) gewarnt, weil es
bei Patienten mit schwerer Eisenüberladung zu einer Verschlechterung der
Herzfunktion kommen kann. Auch Todesfälle sollen bei hochdosierter
Vitamin-C-Medikation und Eisenüberladung vorgekommen sein. Über
die Chelattherapie mit DFO liegen nach mehr als 30 Jahren der Anwendung unzählige
Studien vor. In einer Auswertung aus dem Jahre 2004 wurde die Überlebensrate
und die Häufigkeit von Komplikationen von 977 italienischen Patienten mit
b-Thalassämie unter Desferaltherapie untersucht (4). Es ergab sich ein
deutlicher Zusammenhang zwischen der Überlebensrate und dem Jahrgang der
Geburt. Je später die Geburt, desto besser die Prognose (Abb. 6.6). Weibliche
Patienten haben eine bessere Prognose als männliche Patienten. Patienten in
der jüngsten Kohorte hatten weniger Herzprobleme, es gab in der Gruppe der
1980-1984 Geborenen nur einen herzbedingten
Todesfall und in späteren überhaupt keinen mehr. In der Gruppe der
nach 1979 Geborenen zeigten dagegen 50 % Anzeichen von Herzversagen. In
einzelnen Fällen unter regelmäßig durchgeführter
Standard s.c. DFO-Therapie kann es offenbar bei b-Thalassämie trotzdem
zu einer gefährlichen Myokardsiderose kommen Anderson et al. beschrieben
einen Patienten mit vergleichweise niedrigem Serum-Ferritin und niedrigen
Lebereisenwerten, der trotz zuverlässig durchgeführter Standardtherapie eine
progessive Myokardsiderose entwickelte, angezeigt durch einschlägige
Parameter, inkl. eines Abfalls des T2*-Wertes (s. Kap. 4) (11).
Abb. 6:
Kaplan-Meier Überlebenskurven
geordnet
nach dem Jahrzehnt der Geburt (links), bzw. dem Geschlecht (rechts).
(modifiziert nach 4) Eine
Limitierung von DFO in der Verhinderung von gefährlichen Myokardsiderosen
wird wohl auch aus der Auswertung der Überlebensrate bei einer großen
Gruppen von Thalassämie-Patienten aus Italien sichtbar, die im Zeitraum von
1995 bis 2003 entweder nur mit DFO (n=359) oder nur mit DFP (n=157) behandelt
wurden (12). Unter 3610 Patientenjahren unter DFO kam es zu 52 kardialen
Zwischenfällen, von denen 10 tödlich endeten. Unter 750 DFP Patientenjahren
kam es zu keinem Zwischenfall. Es
bleibt aber vorher unklar und weitere kontrollierte Studien sind nötig um zu
klären, ob und warum DFO möglicherweise in einer Untergruppe von Thalassämiepatienten
nicht ausreichend bezüglich einer progressiven Myokardsiderose wirksam ist.
Diese Befunde machen aber auch deutlich, wie wichtig kardiale
Verlaufskontrollen bei Patienten mit sekundärer Siderose sind.
Intensiv-i.v.Therapie Für
die Mehrzahl der Patienten ist eine 8-12 Std. s.c. Infusion von 30-50 mg
DFO/kg während 5-6 Nächten/Woche
eine ausreichende Therapie mit seltenen adversen Effekten. Bei einer Gruppe
von Patienten kommt, aus welchen Gründen auch immer, mit dieser
Standard-Therapie nicht zu Recht und entwickelt eine progressive Eisenüberladung
mit einem hohen Risiko für eine kardiale Dekompensation. Für diese Patienten
kann eine i.v.-DFO-Therapie lebensrettend sein.
Verschiedene Protokolle wurden veröffentlicht. Einige Autoren wenden
eine diskontinuierliche Therapie (DFO<24 Stdn/Tag) (13, 14), andere eine
kontinuierlich DFO-Infusion (15). In einer der größten Studien bisher,
berichteten Davies et al. über die Erfahrungen aus 16 Jahren mit einer
kontinuierlichen DFO-Infusion bei insgesamt 17 Patienten (15). Indikation für
die Intensivtherapie waren kardiale Arrhythmie, Linksherzinsuffizienz, schwere
Eisenüberladung und Unverträglichkeit eine s.c. DFO-Therapie. Über einen
implantierten Katheter wurde DFO-infundiert. Die Dosis richtete sich nach der
Höhe des Serum-Ferritins, wobei aber immer der Grenzwert des therapeutischen
Index beachtet wurde. Letztlich erhielten nur wenige Patienten eine Dosis
> 50 mg/kg an 6-7 Tagen/Woche. Unter dieser Therapie war bei 6 von 6
Patienten die kardiale Symptomatik reversibel, die linksventrikuläre
Auswurffraktion verbesserte sich in 7 von 9 Patienten (von 36
± 2 % auf 49 ±
3 %, Mittelwert ± SEM, p=0.002, n=9).
Katheterbedingte Komplikationen (Infektion, Thromboembolie) traten 1.15 bzw.
0.48 pro 1000 Kathetertage auf, nicht anders als bei anderen
Patientenkollektiven. Unter der kontinuierlichen Behandlung
mit i.v. DFO (zwischen 68 und 1670 Kathethertagen) wurde auch der Grad
der individuell vorhandenen Eisenüberladung deutlich abgebaut (Serum Ferritin
6281 ±
562 µg/L auf 3736 ±
466 µg/L) (Abb. 7).
Die
Eisenentspeicherung durch eine i.v.-DFO-Therapie
wirkt sich auch auf das Myocard aus. In einer Studie an 7 Thalassämie-Patienten
mit Herzproblemen infolge zu geringer Compliance unter der Standard
DFO-Therapie wurde die i.v.-DFO-Therapie über 12 Monate mit verschiedenen
diagnostischen Methoden überwacht, auch mit der neuen T2*-MRI-Technik
(16). Ein Patient starb, bei den anderen wurde eine deutliche
Verbesserung der myokardialen Parameter gemessen:
T2* (Anstieg von 5.1 ± 1.9
auf 8.1 ± 2.8
ms, P = 0.003), Leber-Eisen (Abnahme von 9.6
± 4.3 auf
2.1 ±
1.5 mg/g, P = 0.001),
linksventrikuläre-Ejektionsfraktion (Anstieg von 52 ±
7.1% auf
63 ± 6.4%,
P = 0.03), linksventrikuläres Herzvolumen LV (Abnahme Enddiastolischer
Volumenindex 115 ±
17 auf 96 ±
3 ml, P = 0.03; Endsystolischer Volumenindex 55 ±
16 auf 36 ± 6 ml, P = 0.01) and
LV Massenindex (Abnahme 106 ± 14 auf
95 ± 13, P = 0.01). Eisen aus dem
Myokard wurde langsamer abgebaut als aus der Leber. Diese
Daten belegen, dass die Myokardsiderose unter einer i.v.DFO-Therapie häufig
reversibel verläuft.
Abb.
8: Veränderungen in Parametern der linksventrikulären Herzfunktion vor
und nach 12 Monaten einer i.v-DFOTherapie LV, linker Ventrikel, EF,
Ejektionsfraktion; EDVI, Enddiastolischer Volumenindex ESVI, Endsystolischer
Volumenindex (16) Im
Unterschied zur Monotherapie wird bei der Kombinationstherapie mehr als ein
Chelator am gleichen Tag eingenommen, wobei der Einnahmezeitpunkt der
Substanzen aufgrund der kurzen Halbwertszeiten der Chelatoren kritisch ist. Es
kann nicht erwartet werden, dass bei einer sequenziellen Einnahme innerhalb
eines Tages oder an verschiedenen Tagen es zu einem
Zusammenspiel beiden
Substanzen z.B. im Blutplasma kommen kann. Die alternierende Gabe von 2
Chelatoren an verschiedenen Tagen in der Woche kann also nur so wirksam sein,
wie die Summe der einzelnen Therapieeffekte. Die
„echte“ Kombination, also die gleichzeitige Gabe von zwei Chelatoren,
einem , der leicht in Zellen penetrieren und dort Eisen aufnehmen und
heraustransportieren kann, mit einem stark bindenden Chelator, der im Plasma
das Eisen übernehmen und effizient über die Nieren ausscheiden lässt, kann
eine Effizienzsteigerung einer Eisenchelattherapie bewirken. Grady et al.
haben in aufwendigen Eisenbilanzstudien an Patienten mit Thalassämie einen
solchen synergistischen Effekt zwischen DFO und DFP erstmals nachgewiesen
(17). Patienten unter einer 8 stündigen s.c-DFO-Infusionen
erhielten nach 0, 4, 8 Stdn DFP. Dadurch konnte die Eisenausscheidung bei
einigen Patienten um 240-340 % gesteigert werden. Ein Shuttle-Effekt zwischen
DFO und
DFP
kann auch direkt im Blutplasma von Thalassaemie-Patienten verfolgt werden.
DFP-Behandlung führt zu einer Akkumulation von cheliertem Eisen im Plasma mit
einem Maximum 2 Std. nach Gabe (17). Die Zugabe von DFO führt zu einem
Transfer von DFP-Fe zu DFO-Fe und zu einem Anstieg des gesamten chelierten
Eisens im Plasma. In einer Reihe von Studien wurde die Verbesserung der
Wirksamkeit und auch der
Compliance durch eine kombinierte DFO/DFP-Therapie bei Patienten mit b-Thalassämie
nachgewiesen. Wonke et al. behandelten 13 Patienten, die mit der vorher
angesetzten oralen DFP-Therapie allein nicht ausreichend behandelt waren, zusätzlich
zu DFP an 5 Tagen mit einer DFO-Therapie (18). In allen Fällen resultierte
erstmals ein Abfall des Serum-Ferritins als Zeichen einer negativen
Eisenbilanz. Der Effekt auf die Urin-Fe-Exkretion scheint unter diesen
Bedingungen additiv zu sein. Inzwischen wurden für eine solche
Kombinationstherapie Behandlungsdauern von über einem Jahr beschrieben, ohne
dass eine neue Art von Nebenwirkung erkennbar war (19). Diese Behandlungsform
wird als besonders effizient eingeschätzt und ist gut geeignet für
Patienten, die mit einer Standard DFO oder DFP-Therapie nicht ausreichend
therapierbar sind, oder die DFO nur an wenigen Tagen in der Woche einnehmen können.
Mit
einer Kombinationstherapie von DFO und DFP wurden auch Fälle mit schwerem
Herzversagen erfolgreich behandelt (20, 21). Durch
die potentiellen Möglichkeiten von synergistischen Effekten in einer
Kombinationstherapie werden jetzt erneut Chelatoren untersucht, die allein zu
keiner negativen Eisenbilanz bei Patienten mit Eisenüberladungserkrankungen führen,
wie z.B. HBED (22). DFO
mit verlängerter Halbwertszeit Es
wurden verschiedene Versuche unternommen, die Wirksamkeit von DFO zu erhöhen.
Eine Variante ist die Erhöhung des Molekulargewichtes durch Bindung von DFO
an Hydroxyethyl-Stärke, was zu einer lang anhaltenden Wirkung führen soll.
In einer klinischen Studie wurden hohe Plasmakonzentration des Eisenchelators
von bis zu 3 mM nach 4 h-intravenöser Applikation gefunden (23). Trotzdem war
die klinische Testung dieser Substanz eher enttäuschend wegen einer offenbar
zu geringen Eisenausscheidung (24). Was letztlich aus dieser Entwicklung wird
ist z.Zt. unklar. Gleiches gilt offenbar auch für eine von der Fa. Novartis
entwickelte „slow-release-Präparation“ von DFO. Auch hier reicht die
Effektivität in der Eisenmobilisierung offenbar nicht aus (24). Nebenwirkungen Unerwünschte
Wirkung bis hin zu toxischen Reaktionen von DFO in Patienten mit b-Thalassämie
sind abhängig von der täglichen Dosis, dem Alter des Patienten und dem Grad
der vorliegenden Eisenüberladung. Eine DFO-Therapie sollte grundsätzlich
nicht zu früh (< ca. 3 Jahre) begonnen werden, die Standarddosis von 40
mg/kg/Tag sollte nur in begründeten Fällen überschritten werden und die
Dosis sollte bei Verringerung der Eisenüberladung entsprechend reduziert
werden (1-5). Retinale
Schädigung Am
längsten bekannt ist eine Schädigung der Retina und des Nervus Optikus, die
bei Patienten beschrieben wurde, die eine sehr hohe DFO-Dosis (125 mg/kg/d)
erhielten. Die Symptome reichen von verschwommener Sicht, Nachlassen der
Sehschärfe, Sehverlust, Farbsehstörung, Nachtblindheit, Gesichtsfeldeinschränkung,
Skotom, Retinopathie, Sehnerv-Neuritis, Katarakt, Korneatrübung. Das
Risiko scheint besonders bei Patienten mit Diabetes groß zu sein, sodass vor
allem hier eine Elektroretinographie als regelmäßige Untersuchungsmethode
anzuraten ist. Nach Stopp der Therapie verschwinden die Symptome meist nach
1-2 Monaten, ansonsten drohen irreversible Schäden. Hörschädigung Ein
hochfrequenter sensorineuraler Hörverlust wird relativ häufig (25 %),
insbesondere bei Patienten unter hochdosierter DFO-Therapie beobachtet. Bei frühzeitiger
Diagnose können diese Schäden reversibel sein (25). Wachtumsstörungen Eine
Eisenüberladung der Hypophyse ist genauso schädlich wie eine zu hochdosierte
DFO-Therapie. Bei Kindern mit chronischer Transfusionstherapie aber ohne Gabe
von Eisenchelatoren führt die Eisenüberladung zu einer starken
Wachstumshemmung infolge hypogonadotropen Hypogonadismus. Wenn Kinder
allerdings zu früh (<3 Jahre) zu intensiv cheliert werden (> 60 mg/kg)
kommt es ebenfalls zu einer Beeinträchtigung des Körperwachstums. Unterhalb
von 40 mg/kg Körpergewicht ist das Risiko deutlich geringer.
Mit dieser Chelator-induzierten Schädigung können Veränderungen des
Knochenstoffwechsels verbunden sein (Metaphyseale Dysplasie), die einer
Rachitis ähneln können. Lokale
Reaktionen an der Infusionsstelle Lokale
Reaktionen mit Rötung, Schwellung, Schmerzen um die Einstichstelle sind bei
s.c. DFO-Infusion sehr häufig. Hier hilft in vielen Fällen eine
niedrigdosierte Cortisontherapie (5-10 mg/Infusion). In einigen Fällen
entwickelt sich eine pseudoallergische Reaktion mit starker Schwellung und
Hautrötung. In solchen Fällen wurde eine i.v.DFO-Infusion aber problemlos
vertragen, was gegen eine systemische Reaktion spricht. Sehr selten kann es
aber auch zu typischen anaphylaktischen Reaktionen kommen. Einzelne Fälle
einer erfolgreichen Desensibilisierung sind beschrieben (26-28). Infektionen
Es
sind Fälle bekannt, bei denen es bei eisenüberladenen Patienten unter
DFO-Therapie zu systemischen Infektionen mit Yersinia
enterocolitica, Yersinia pseudotuberculosis oder auch Klebsiella
gekommen ist. Diese Bakterien können Ferrioxamin als Eisenquelle für ihre
Vermehrung benutzen. Implantierte Ports sind bei diesen Patienten
problematisch, weil der Patient in der Eigenbehandlung oftmals nicht steril
genug arbeitet. Wenn unter Desferal-Therapie Fieber
verbunden mit akuter Enteritis/Enterokolitis, diffusen Bauchschmerzen oder
Pharyngitis auftritt, sollte die Behandlung vorübergehend abgesetzt und
entsprechende bakteriologische Untersuchungen sowie eine zweckmäßige
antibiotische Therapie unverzüglich eingeleitet werden. Nach Abheilung der
Infektion kann die Behandlung mit Desferal fortgesetzt werden. Therapeutischer
Index Bezüglich
der DFO-induzierten Hörschädigung tragen Patienten mit
niedriger Eisenbeladung und hoher DFO-Dosis das größte Risiko. Porter
hat dazu einen therapeutischen Index formuliert, der Dosis
und Ferritin-Wert in Beziehung setzt (TI= Dosis DFO in mg/kg geteilt durch den
Serum-Ferritin-Wert in µg/L) (29). Dieser Wert sollte stets unter 0.025
liegen. Fällt der Ferritinwert ab, sollte die Dosis vermindert werden.
Verwendet man als besseres Maß für den Grad der individuellen Eisenbeladung
statt des Serum-Ferritins die Lebereisenkonzentration, so kann ein
Speichereisen-basierter Chelatorindex definiert werden (30,31). Der Grenzwert
für den Therapeutischen Index von 0.025 (mg/kg/Tag)/(µg/L) entspricht dabei
einem Chelatorindex von 1.2 mMol/d/g Leber-Fe. Es gibt eine Reihe von eisenüberladenen
Patienten, bei denen das Serum-Ferritin nicht zu der individuellen vorhandenen
Lebersiderose "passt". Es bleibt abzuwarten, inwieweit der
Chelatorindex speziell in solchen Fällen von Vorteil ist.
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Hinweise und Kommentare bitte an Dr.
Peter Nielsen |