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Wilkommen auf unsere homepage www.eiseninfo.de Wir bieten Informationen rund um den Eisenstoffwechsel des Menschen an für Studenten, Ärzte, Patienten. Dieses Projekt steht im Zusammenhang mit unserer langjährigen Arbeit und Erfahrung in der Eisenstoffwechselambulanz des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Interdisziplinäre, klinische Gruppe Eisenstoffwechsel" Eisenstoffwechselambulanz, UKE- Haus N41, Martinistr. 52, 20246 Hamburg Tel. 040-7410-52389; Fax 040-7410-54797; |
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Diamond-Blackfan-Anämie
Die Diamond-Blackfan-Anämie (DBA) oder Blackfan-Diamond-Anämie (BDA) ist
eine seltene, kongenitale hypoplastische Erythroblastopenie.
1 bis 7 Fälle treten bei 1,000,000 Geburten auf
(55-58). Es
gibt keine ethnischen Unterschiede der Häufigkeit und beide Geschlechter sind
etwa gleich betroffen. Einige Kinder mit DBA (10-40
%) zeigen physische Auffälligkeiten, wie z.B. einen verkürzten oder auch
einen triphalangealen (= Aase-Syndrom)-Daumen (Tabelle 3). Viele Kinder sind
klein, entwickeln sich aber ansonsten normal. Der Defekt der Erythropoese wird meist im Alter
zwischen 3-12 Monaten erkennbar. Die
Diagnose wird anhand von Blut- und
Knochenmarksausstrichen gestellt, bei dem die normochrome, makrozytäre Anämie
sowie das Fehlen von erythropoetischen Vorläuferzellen bei ansonsten normaler
Zellentwicklung offensichtlich werden. Andere bekannte Formen einer
aplastischen Anämie müssen ausgeschlossen werden. Die
Adenosin-Deaminase-Aktivität (eADA)
in den Erythrozyten sowie der HbF-Anteil sind meist gesteigert.
Tab.
3: Physische Veränderungen bei Kindern
mit Diamond-Blackfan-Anämie 12-25
% der Patienten haben eine familiäre Geschichte von DBA. Der genaue Defekt im
Knochenmark ist nicht bekannt, er muss aber in der frühen Phase der
Entwicklung der Roten Reihe liegen. Ca. 25 % der familiären aber auch der
sporadischen Fälle haben eine heterozygote Mutation im Gen (19q13.2) für das
„ribosomal protein 19“ (RPS19), das zur 40S-Ribosomenuntereinheit gehört
(59). „Linkage“-Analysen von
DBA-Familien legen weitere veränderte Genorte nahe, z.B. 8p
(8p23.3-p22) sowie 1q31 (58). Die
Behandlung der DBA besteht zunächst in einem Steroidtherapieversuch ab dem 2.
Lebensjahr (initial Prednison/Prednisolon 2 mg/kg/d,
die eventuell notwendige Erhaltungsdosis individuell unterschiedlich, in der
Langzeitanwendung jedoch höchstens 0.5 mg/kg/d). In einer großen
Studie an 222 Patienten aus Frankreich und Deutschland zeigten 63 % der
Patienten ein initiales Ansprechen mit Anstieg von Retikulozyten und
Erythrozyten nach 2-4 Wochen Steroidtherapie (61). In dieser Gruppe kam es bei
19 % der Patienten zu einer Remission, die ohne weitere Therapie anhielt. 33 %
blieben steroidabhängig, 10 % wurden resistent gegen Prednisolon. Bei den 37
% der Patienten, die anfangs nicht auf Cortison ansprachen, bestand eine
lebenslange Transfusionspflichtigkeit. Nur in Einzelfällen wurde ein
Ansprechen auf sehr hoch dosierte Steroidgaben (z.B. Methylprednisolon-„Megadosen“)
sowie Androgene, Metoclopramid, oder Interleukin-3 beobachtet. Bei Patienten
mit chronischer Transfusionspflichtigkeit sollte in der Familie nach einem
HLA-kompatiblen Stammzellspender gesucht werden, um ggf. möglichst frühzeitig
(idealerweise im Alter von 2-3 Jahren) eine
Knochenmarkstammzelltransplantation durchführen zu können.
Seit 1987 wurden in Deutschland 22 Knochenmarktransplantation bei DBA
durchgeführt. Während eines medianen Beobachtungszeitraums von 5.9 Jahren
(0.8-15.5 Jahren) überlebten 19 von 22 Patienten (62). Bei
DBA besteht im Rahmen der Grunderkrankung ein relativ hohes Risiko, im
Erwachsenenalter eine maligne Erkrankung zu entwickeln. Das kumulative Risiko
für eine AML im Alter von 30-40 Jahren beträgt 23 % (63).
Auch solide Tumore kommen im Vergleich zur Normalbevölkerung gehäufter vor.
Therapiebedingte Komplikationen, die auch lebensbegrenzend sein können,
ergeben sich durch die progressive Siderose bei dauertransfundierten
Patienten. Abb.
1 zeigt die Lebereisenkonzentration bei einer Gruppe von DBA-Patienten aus
Deutschland. Bei den meisten Patienten zeigt sich eine substantielle Eisenüberladung
der Leber. Auch die anderen typischen siderosebedingten Komplikationen sind
bei Patienten mit DBA unter regelmäßiger Transfusionstherapie zu beobachten.
So wurden wurde in einem europäischen Register bei 14% der Patienten
Herzerkrankungen beobachtet, bei bis zu 25% der Patienten treten endokrine
Funktionsstörungen auf (7-25 % Hypogonadismus, 5% Diabetes mellitus) (61,63).
Es sollte deshalb eine effektive Eiseneliminationstherapie angestrebt werden,
wobei eine evtl. myelotoxische Komponente des Eisenchelator speziell bei
dieser Krankheit sehr kritisch beachtet werden sollte. In Deutschland wurde
deshalb bisher ausschließlich die Standard-Deferoxamin-Therapie empfohlen (DFO
subkutan über 10-12 Stunden: 40
-50 mg/kg/d an 5 Tagen/Woche). Studien mit dem neuen oralen Chelatbildner
Deferasirox, in die bisher u.a. mehr als 30 Patienten mit DBA eingeschlossen
wurden, zeigten eine gute Effektivität und Verträglichkeit dieses
Medikamentes auch bei diesen Patienten (zunächst über einen
Auswertungszeitraum von 1 Jahr) ohne Hinweise auf eine eventuelle Myelotoxizität
(64). Die Zulassung von Deferasirox wird daher voraussichtlich auch die
Behandlung von Patienten mit DBA einschließen.
Abb. 1:
Lebereisenkonzentration bei 37 Patienten mit DBA im Alter zwischen 2
und 33 Jahren, die dauerhaft regelmäßig transfundiert werden. Eingezeichnet
ist der für Thalassämie empfohlene Therapiebereich von 1.0-2.1 mg/g (Lit
64). Viele Patienten mit DBA weisen eine deutlich höhere
Lebereisenkonzentration auf. Literatur
56.
Chen
S, Warszawski J, Bader-Meunier B, Tchernia G, Da-Costa L, Marie I, Dommergues
JP. Diamond-blackfan anemia and
growth status: the French registry. J-Pediatr.
2005; 147(5):669-73 57.
Gazda H, Lipton JM, Willig TN, Ball S, Niemeyer CM, Tchernia G,
Mohandas N, Daly MJ, Ploszynska A,
Orfali KA, Vlachos A, Glader BE, Rokicka-Milewska R, Ohara A, Baker D,
Pospisilova D, Webber A, Viskochil DH, Nathan DG, Beggs AH, Sieff CA. Evidence
for linkage of familial Diamond-Blackfan anemia to chromosome 8p23.3-p22 and
for non-19q non-8p disease.
Blood 2001;
97(7):2145-50 58.
Da-Costa L, Tchernia G, Gascard P, Lo A, Meerpohl J, Niemeyer C, Chasis
JA, Fixler J,
Mohandas N. Nucleolar
localization of RPS19 protein in normal cells and mislocalization due to
mutations in the nucleolar localization signals in 2 Diamond-Blackfan anemia
patients: potential insights into pathophysiology. Blood 2003; 101(12):
5039-45 61.
Niemeyer CM. Old and New Insights into Diamond Blackfan Anemia (DBA). Abstract.
Symposium “Current Issues in Iron Overload in rare anemias” 62. Janov AJ, Leong T, Nathan DG, Guinan EC. Diamond-Blackfan Anemia. Natural History and Sequelae of Treatment. Medicine 1996; 75(2):77-87
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Hinweise und Kommentare bitte an Dr.
Peter Nielsen |